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Corsair AX1500i

Vergleichstest: Fünf High-End-Netzteile mit 1200 bis 1500 Watt
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"Ist das schon der ganze PC?", lautete unsere erste Frage, als wir das Corsair AX1500i ausgepackt hatten. Das Netzteil misst fast schon riesige 22,5 Zentimeter in der Tiefe und macht mit seinen Abmessungen so manchem Barebone-PC Konkurrenz. Bei der Wahl des Gehäuses ist dieser Aspekt also auf alle Fälle zu berücksichtigen.

Abgesehen von der schieren Größe unterscheidet sich das Corsair-Topmodell von den Mitstreitern auch beim Stromkabel. Dieses besitzt einen bis 16 Ampere abgesicherten Stecker; üblich sind zehn Ampere. Die reichen aber im 115-Volt-Netz unter Volllast schon rein rechnerisch nicht aus. Bei einem theoretischen Wirkungsgrad von 100 Prozent zieht das AX1500i bei maximaler Ausgangsleistung von 1500 Watt bereits über 13 Ampere aus dem Stromnetz, tatsächlich sind es noch ein wenig mehr.

Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass die 10-Ampere-Stecker bei Antec, Cooler Master und Seasonic eigentlich unterdimensioniert sind. Denn 1200 Watt bei 115 Volt erfordern mindestens einen Strom von 10,4 Ampere – ebenfalls bei einem angenommenem Wirkungsgrad von 100 Prozent. Auch das Enermax Platimax 1500 ist nur mit einem 10-Ampere-Stecker ausgerüstet. Bei dem Testgerät handelt es sich aber um die 230-Volt-Version und aufgrund der doppelten Spannung halbiert sich natürlich die Stromstärke, so dass die Absicherung mehr als ausreicht.

Die Verarbeitung- und Materialqualität des Kolosses ist vorbildlich, sticht aber in diesem Testfeld nicht besonders heraus. In dieser Disziplin geben sich die Hersteller keine Blöße. Beim Thema Wirkungsgrad kann sich Corsair allerdings absetzen: 80 Plus Titanium – dieses Logo zierte bisher noch keines der Netzteile, die das Testlabor von Tom's Hardware bislang durchliefen. Selbst auf der Webseite von Ecova gibt es bis dato nur zwei Titanium-Vertreter: Das hier getestete AX1500i von Corsair und das SF-600P14TE von Super Flower. Ob sich das Corsair-Netzteil gegenüber der Platinum-Konkurrenz behaupten kann, werden wir im Verlauf des Artikels sehen. Aber der Reihe nach.

Die einzige 12-Volt-Schiene beim AX1500i soll bis zu 125 Ampere Strom verkraften, das ist nochmal eine ganze Ecke mehr als die 100 Ampere bei Cooler Master und Seasonic. Der Vorteil der Single-Rail-Strategie: Um die Verkabelung bzw. Verteilung der Last muss man sich keine Gedanken machen. Corsair greift wie Cooler Master durchgehend zu modularen Flachbandkabeln, deren Länge obendrein üppig ausfällt. An die bis zu 80 Zentimeter langen CPU- und PCIe-Leitungen kommt keiner der Gegner ran. Auch die Zahl der Anschlüsse ist rekordverdächtig, auch wenn zehn PCIe-Buchsen nicht das Maximum in diesem Roundup darstellen. Das übernehmen dafür die 20 SATA- und zwölf Molex-Stecker.

Corsair AX1500i
AC Input:100-240V, 50-60 Hz
DC Output:+3.3V+5V+12V (#1)+12V (#2)+12V (#3)+12V (#4)-12V+5Vsb
30 A30 A125 An/an/an/a0.8 A3.5 A
Individual Output:  32 A  9.6 W17.5 W
Rail Utilization:SysSysCPU & VGA
Combined Output:180 W1500 W
Total Continuous Output:1500 W
Peak Output:1650 W

Effizienz gemäß 80 PLUS Spezifikation

Effizienz anhand von Leistungsprofilen

An der Spitze wird die Luft dünn - das zeigt sich insbesondere beim letzten Quäntchen Effizienz, das die Hersteller aus ihren Netzteilen quetschen. Die aktuell höchste Hürde heißt 80 Plus Titanium und legt den Herstellern folgende Grenzwerte in den Weg (stets im Verhältnis Last zu Wirkungsgrad in Prozent): 10:90, 20:92, 50:94, 100:90. Mit diesen hohen Anforderungen hat auch das Corsair AX1500i ordentlich zu kämpfen.

Vor allem bei mittlerer Last wird es ganz knapp: Wir kommen auf einen Wirkungsgrad von 93,9 Prozent, 94 sind gefordert. Das können wir aber guten Gewissens der Messtoleranz zuschreiben. Erst recht, da in allen anderen Lastbereichen stets eine Reserve von einem knappen Prozentpunkt vorhanden ist. Bei 10 Prozent Load kommt das 1500-Watt-Netzteil auf 90,7 Prozent Effizienz, bei 85 Watt sind es noch 86,1 Prozent – beides die Top-Ergebnisse in diesem Roundup.

In noch geringeren Lastbereichen muss sich das Corsair dann naturgemäß der leistungsschwächeren Konkurrenz geschlagen geben, das gleich starke Enermax Platimax hängt es aber deutlich ab. Diese Werte sind bei diesen Boliden aber nur theoretischer Natur. Von praktischem Nutzen hingegen kann die extrem lange Holdup-Time des AX1500i sein: Über 30 Millisekunden sind schon eine Ansage. Die weiteren Testwerte sind unauffällig und damit gut. Was jedoch auffällt, sind die hervorragend geglätteten Ausgangsspannungen. Derart geringe Rippelströme messen wir nur extrem selten. Hut ab!

Auch das Corsair AX1500i arbeitet mit einer hybriden Lüftersteuerung. Im Gegensatz zu Cooler Master und Seasonic lässt sich diese aber nicht abschalten; das Netzteil "entscheidet" selbst, ob der Lüfter läuft oder nicht. Erst bei rund 600 Watt beginnt das Lüfterrad sich gemächlich zu drehen. Gemächlich trifft es dabei genau: Man kann die einzelnen Umdrehungen fast mitzählen, so langsam dreht sich der Ventilator. Und er ist extrem leise: Mehr als 29,4 dB(A) konnten wir dem AX1500i nicht entlocken. Das hört man nur in absolut leisen Umgebungen.

Aufs PCB geschaut

Das AX1500i lässt Corsair bei Flextronics bauen, einem aus dem Serverbereich bekannten Hersteller. Angesichts der Leistungsklasse sicher keine schlechte Entscheidung. Zumal das Corsair-Flaggschiff zahlreiche Monitoring-Funktionen bietet, die im Endkundensegment absolut einzigartig sind. Fast einzigartig ist auch die Qualität der Lötarbeiten, hier findet man selbst mit der Lupe keine Nachlässigkeiten. Im Gegensatz zu den übrigen Testkandidaten verbaut Corsair bzw. Flextronics nicht nur Komponenten von einzelnen Herstellern, sondern präsentiert eine recht bunte Mischung. Primärseitig stammen die Kondensatoren von Nippon Chemi-Con, auf den sekundären Elkos prangen die Logos von Chemi-Con, Nichicon und Rubycon. Die Polymer-Kondensatoren steuern CapXon und G-Luxon bei – zwar nicht gerade High-End-Produzenten, aber da machen wir uns im Falle von Polymer-Kondensatoren weniger Gedanken.

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  • derGhostrider , 28. Juli 2014 11:33
    Ich bin zwar ein Freund von Enermax, aber das Platimax scheint einfach nicht mehr auf dem Stand der Technik zu sein!

    Auch wenn Single-Rail-Designs etwas effizienter arbeiten können als Multi-Rails, so würde ich mir von Enermax doch mehr wünschen: Schaut mal bei Corsair, wie die Ripple & Noise hinbekommen haben. Schau mal bei der Konkurrenz, wie die Hold-Up-Time auf 30ms gebracht wurde!
    Und bei der Effizienz ist auch noch etwas Spielraum nach oben!

    ---

    Der Testbericht ist wirklich gut, aber es gibt auch ein paar Stellen, an denen noch gefeilt werden kann:
    Zitat :
    ... arbeitet aber mit einem Schalldruck von nur 30,7 dB(A) in allen getesteten Lastzuständen (40, 200, 600 Watt) sehr leise.

    Ihr testet die Lautstärke von Netzteilen in einer Leistungsklasse von 1200 W bis 1500 W bei "bis zu 600 W"?
    Und was ist bei 1000W, 1200W oder sogar 1500W, sofern vom Netzteil unterstützt?
    Fliegen einem dann die Ohren weg, oder soll der Test animieren, dass man sich solche Netzteile nur dann kauft, wenn man sie überhaupt nicht benötigt?

    Multi-Rail ist, so ganz nebenbei, nicht nur "ich finde das aber besser". Es gibt Spezifikationen für Mainboards, die zwingend ein Multiraildesign vorschreiben.
    Irgendwelche single-rail Netzteile sind dann schlichtweg ungeeignet. Im Test klingt das aber leider so, als wenn multi-rail Netzteile sinnlos wären und man sich wer weiß was für Gedanken über die Aufteilung der Rails machen müsste.
    ... bei theoretischen 600W pro 12V Schiene (Antec) muss sich niemand großartige Gedanken machen! CPUs und MB liegen für gewöhnlich auf, vom Rest getrennten, Schienen, die anderen, also mindestens zwei, sind dann noch verfügbar. Soviele Grakas kann man doch gar nicht im System verbauen, dass das an den zur Verfügung stehenden Anschlüssen knapp werden könnte.
    Und selbst bei 32A pro 12V... 380 Watt. Die Anschlüsse werden, selbst wenn ich nun nicht ins Handbuch schaue, wohl über die 6(!) Schienen verteilt sein.
    Wodrüber soll man sich noch gleich Gedanken machen, wenn man pro Schiene mehr Leistung zur Verfügung hat, als es in einem "normalen Desktop" für das gesamte System nötig ist?

    Es wäre m.E. passender gewesen, wenn man das multi-rail-Design als positive Eigenschaft genannt hätte, die eben leider den Nachteil der etwas geringeren Effizienz mitbringt.

    Apropos Effizienz:
    Zitat :
    Ein Sportwagen, der nur drei Liter auf 100 Kilometer verbraucht, ist ebenso wenig denkbar wie ein Netzteil der 1000-Watt-Klasse mit extrem hohem Wirkungsgrad.

    Dieser Vergleich hinkt nicht nur, der kann nicht einmal hinken!
    Die gewonnene Leistung aus einer festen Menge verbranntem Treibstoffs ist bei manch einem "Sportwagen" sogar höher, als bei einem Kleinwagen!
    Das wäre ein halbwegs gültiger Vergleich in diesem Zusammenhang. Aber selbst der taugt nichts. Bitte restlos streichen!
    Vor allem, da größere Netzteile von Haus aus effizienter sind als kleinere.

    Das sieht man unter anderem daran, dass die Platinum (oder jetzt Titanium)-Logos zuerst bei besonders leistungsstarken Netzteilen zur Verfügung stehen und erst später in kleinere Netzteilgenerationen übernommen werden können.
    Zudem gibt es vergleichbare Wirkungsgrade in Server-Netzteilen schon länger - ebenfalls in der "über 1kW" Leistungsklasse.
    Entweder ist dies der Fall, weil man bei diesen starken Netzteilen eh höherwertige/teurere Komponenten und ein anderes Hardwaredesign verwenden muss und sich die Effizienz damit dann automatisch steigert, oder absolute Verluste fallen einfach nicht so stark auf.
    Zu Anfang des Artikel klingt es jedoch so, als ob große Netzteile generell, also in ihrem Lastbereich, nicht so effizent wären. Vielleicht war ja nur gemeint, dass überdimensionierte Netzteile nicht so effizient wären, das ist dort aber auch nicht mit sehr viel Phantasie herauszulesen.
  • Derfnam , 28. Juli 2014 12:17
    You'd better Channel your friendship Well, Ghostrider, just so you know:
    http://www.tomshardware.de/foren/id-127629/fuer-lightroom.html#974414
  • Big-K , 28. Juli 2014 12:46
    Ich hab da mal ne Frage: Was bringt mir eine hohe holdup-time?

    Und ne Frage an Ghostrider: Kannst du mal verlinken wo ein multirail NT gefordert wird bzw. erklären warum das vorgeschrieben wird.

    Es ist zwar schade das die Lautstärke nicht unter hoher Last ermittelt wurde aber auch irgendwo egal weil wer so viel Leistung verbrät der hat auch entsprechende Lautstärke durch die Verbraucher.
    Ich hab schon den Radiator draußen auf der Fensterbank damit er mir net die Bude heizt. Und damit er die Nachbarn beschallt ;-)
  • alterSack66 , 28. Juli 2014 17:13
    Hattet ihr das " Seasonic Platinum Modell SS-1200XP³ 1200W" ? Dann war wohl der Lüfter hin. In nen anderen Test stand "Auch unter Volllast und Überlast war der Lüfter nicht zu hören"
  • derGhostrider , 28. Juli 2014 18:39
    Zitat :
    Ich hab da mal ne Frage: Was bringt mir eine hohe holdup-time?

    Und ne Frage an Ghostrider: Kannst du mal verlinken wo ein multirail NT gefordert wird bzw. erklären warum das vorgeschrieben wird.

    Hold-Up-Time: Wenn mal die Spannung etwas einbricht oder eine Lastspitze (im PC) abgefangen werden muss, dann hilft da die HoldUp-Time: Es gibt ja im wesentlich an, wie großzügig die Kondensatoren dimensioniert wurden.

    ---

    Mainboards, die mehrere Voltage-Rails brauchen:
    Das dürften ungefähr alle dual-CPU (oder auch quad-cpu) Mainboards sein.
    Im Handbuch steht dann z.B. soetwas bei den Anforderungen an das Netzteil:
    "It must also be SSI compliant." (aus der Anleitung des X9DAX-iF);

    Siehe dazu z.B.:
    https://ssiforum.org/index.php?option=com_docman&task=doc_download&gid=246&Itemid=13
  • Big-K , 29. Juli 2014 01:06
    So weit wars klar aber hab noch nie gehört das ein PC aus gegangen ist weil die Netzspannung einbricht. Sekundär seitig kann man sich sicher streiten, kommt aber auch wohl selten vor, also nicht unbedingt ein Kaufargument.
    Auf dem PDF hab ich jetzt auch nichts zu multi single oder rail gefunden nur Leistungsangaben die eingehalten werden müssen von einer Erklärung ganz zu schweigen. Außerdem gehts da um Serveranlagen.
    Naja ist und bleibt vielleicht eine Glaubensfrage, ich bleib lieber bei multirail ;-)
  • derGhostrider , 30. Juli 2014 17:53
    Bei Bekannten (altes Bauernhaus), war das Stromnetz etwas anfälliger und es wurden große Maschinen betrieben (Landwirtschaftlich). Wenn da starke Verbraucher ansprangen, flackerte schonmal das Licht recht heftig. Wenn ich mich recht erinnere, ging ihm deswegen "schonmal", also ab und zu, der Rechner aus.

    Das PDF ist auch die Workstation-Spezifikation. Steht auch in der Überschrift auf Seite 1:
    "Power Supply Design Guideline for 2008
    Dual-Socket Servers and Workstations"

    Und in den SSI Spezifikationen für Mainboards steht zumindest schonmal:
    "To meet 240VA electrical hazard limit requirements, separate power rails must be used for each twelve-volt rail
    (+12V1, +12V2, etc)."
  • 3125b , 4. August 2014 17:48
    @ alterSack66:

    "In nen anderen Test stand ´Auch unter Volllast und Überlast war der Lüfter nicht zu hören´"

    Natürlich ist das laut: http://www.techpowerup.com/reviews/Seasonic/P1200/5.html
    Wie soll es bei gut 2500U/min denn leise sein?
  • alterSack66 , 4. August 2014 20:00
    Keine Ahnung http://www.technic3d.com/review/netzteile/1683-seasonic-platinum-p-1200-netzteil-im-test/1.htm
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