Vergleichstest: Fünf High-End-Netzteile mit 1200 bis 1500 Watt

Wattzahlen im vierstelligen Bereich waren lange Zeit eher was zum Angeben; gebraucht hat ein derart fettes Netzteil fast niemand. Im Zeitalter des Bitcoin-Minings sieht die Welt aber schon ganz anders aus: Die vielen Grafikkarten brauchen reichlich Power.

Oft schließen sich Anforderungen an ein Produkt aus oder erzwingen zumindest einen Kompromiss: Ein Sportwagen, der nur drei Liter auf 100 Kilometer verbraucht, ist ebenso wenig denkbar wie ein Netzteil der 1000-Watt-Klasse mit extrem hohem Wirkungsgrad. Unsere fünf Testkandidaten behaupten allerdings von sich selbst, genau diesen Spagat zu schaffen und maximale Leistung mit maximaler Effizienz zu kombinieren. Im Optimalfall sieht das auf dem Datenblatt so aus: 1500 Watt Dauerleistung bei einem Wirkungsgrad von 90 bis 94 Prozent.

Schaffen soll das die aktuelle Speerspitze aus dem Portfolio von Corsair – das AX1500i, das erste Netzteil im Labor von Tom’s Hardware, das ein 80 Plus Titanium-Logo ziert. Eine höhere Effizienz-Einstufung gibt es bis dato nicht. Wer jedoch diesen Boliden sein Eigen nennen will, muss tief in die Tasche greifen: 375 Euro werden laut Preisvergleichsdiensten dafür mindestens fällig.

Dagegen wirken die vier Mitstreiter – alle mindestens 1200 Watt stark und durchgehend mit Platinum-Einstufung – fast wie Schnäppchen. Das Antec HCP-1300 Platinum etwa gibt es aktuell ab 255 Euro, das gleichstarke Cooler Master V1200 kostet rund 260 Euro. Das Flaggschiff von Enermax, das Platimax EPM1500EGT, ist dem Corsair AX1500i in Sachen Leistung ebenbürtig, kostet jedoch "nur" knapp 300 Euro. Das knapp günstigste Netzteil in diesem Roundup ist das Seasonic Platinum 1200 mit Preisen ab knapp über 240 Euro. Normalerweise zählt Seasonic nicht zu den günstigeren Vertretern - ob man deshalb bei dem 1200-Watt-Netzteil mit Abstrichen rechnen muss? Wir lassen uns überraschen.

Doch beschäftigen wir uns erst einmal mit der Frage, wer ein solch leistungsstarkes Netzteil überhaupt braucht. Für einen normalen PC, wie er in den meisten Haushalten genutzt wird, reicht ein 400-Watt-Netzteil dicke aus. Ab Werk werden solche Systeme oft sogar mit billigen Netzteilen mit weniger als 300 Watt ausgeliefert. Doch selbst ein reinrassiges Gaming-System dringt normalerweise nicht in diese Leistungsregionen vor – es sei denn die CPU ist stark übertaktet und mehrere Grafikkarten kommen parallel zum Einsatz.

Solche reinrassigen Gaming-Boliden sind aber eher die Ausnahme, zumal moderne Grafikkarten in Verbindung mit einer leistungsstarken CPU auch für anspruchsvollste Spiele ausreichen. Ein Grafikkartenverbund wie SLI von Nvidia oder AMD Crossfire ist meist gar nicht erforderlich, wenn man sich nicht gerade Richtung 4K-Gaming bewegt. Zudem arbeiten Systeme mit Grafikkartenverbund oft nicht ganz einwandfrei.

Dennoch ist die Nachfrage nach Netzteilen mit mehr als 1000 Watt Leistung in den vergangenen Monaten sprunghaft angestiegen. Der Grund: Bitcoin Mining. Das Schürfen der digitalen Währung erfordert enorm viel Rechenleistung, die in einer Vielzahl der Mining Rigs – der Name ist angelehnt an Begriffe wie Förderturm oder Bohrinsel – von mehreren Grafikkarten erbracht wird.

Systeme mit sechs und mehr GPUs sind dabei keine Seltenheit – und die treiben den Leistungsbedarf in schwindelerregende Höhen. Enermax beschreibt die Nachfrage nach dem Platimax 1500 sinngemäß so: "Die Dinger werden uns regelrecht aus der Hand gerissen." Gut, dass wenigstens noch ein Testgerät für uns abgefallen ist. Die übrigen Hersteller in diesem Test stoßen mehr oder weniger in dasselbe Horn - und keines der Testgeräte war einfach zu bekommen.

Exkurs: 80 Plus-Zertifizierung bei 230 Volt

Bisher hat die 80 Plus Organisation Netzteile stets nur bei 115 Volt zertifiziert. Für diese Spannung galten auch die Vorgaben in puncto Wirkungsgrad für die einzelnen Einstufungen von 80 Plus bis 80 Plus Titanium. Netzteile, die ausschließlich bei 230 Volt betrieben werden können, konnten also eigentlich keine 80 Plus-Zertifizierung erhalten, da sich die Wirkungsgrade nicht 1:1 von 115 auf 230 Volt übertragen lassen.

Aufgrund der geringeren Stromstärken arbeiten Netzteile bei 230 Volt naturgemäß etwas effizienter. Dennoch tragen einige 230-Volt-only-Geräte auch die begehrten Logos - getestet und zertifiziert wurden in dem Fall aber ihre 115-Volt-Pendants. Ob diese Praxis ehrlich und kundenfreundlich ist, sei einmal dahingestellt.

Die mittlerweile als Ecova auftretende Zertifizierungs-Organisation hat nun jedenfalls auch Grenzwerte für 230-Volt-Netzteile definiert. Die Vorgaben wurden zunächst ohne Veränderung von den Werten für 115-Volt-Netze adaptiert. Aufgrund laut werdender Kritik hat Ecova die Grenzwerte dann aber nach oben korrigiert, um der per se höheren Effizienz in 230-Volt-Umgebungen Rechnung zu tragen. Denn die Unterschiede in den einzelnen Lastzuständen betragen zwischen zwei und drei Prozentpunkte.

Auch ein neues Logo hat Ecova dafür entworfen, das zeigen soll, dass ein Netzteil speziell bei 230 Volt geprüft wurde. Bisher ist jedoch auf der Webseite von Ecova kein einziges 230-Volt-Netzteil zu finden. Vielleicht sind die Grenzwerte so manchem Hersteller doch ein wenig zu ambitioniert. Daher prangt auch noch keines der neuen 230-Volt-Logos auf der Packung der Highend-Netzteile dieses Roundups.

Technische Daten aller Testgeräte

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9 Kommentare
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  • derGhostrider
    Ich bin zwar ein Freund von Enermax, aber das Platimax scheint einfach nicht mehr auf dem Stand der Technik zu sein!

    Auch wenn Single-Rail-Designs etwas effizienter arbeiten können als Multi-Rails, so würde ich mir von Enermax doch mehr wünschen: Schaut mal bei Corsair, wie die Ripple & Noise hinbekommen haben. Schau mal bei der Konkurrenz, wie die Hold-Up-Time auf 30ms gebracht wurde!
    Und bei der Effizienz ist auch noch etwas Spielraum nach oben!

    ---

    Der Testbericht ist wirklich gut, aber es gibt auch ein paar Stellen, an denen noch gefeilt werden kann:
    Zitat:
    ... arbeitet aber mit einem Schalldruck von nur 30,7 dB(A) in allen getesteten Lastzuständen (40, 200, 600 Watt) sehr leise.

    Ihr testet die Lautstärke von Netzteilen in einer Leistungsklasse von 1200 W bis 1500 W bei "bis zu 600 W"?
    Und was ist bei 1000W, 1200W oder sogar 1500W, sofern vom Netzteil unterstützt?
    Fliegen einem dann die Ohren weg, oder soll der Test animieren, dass man sich solche Netzteile nur dann kauft, wenn man sie überhaupt nicht benötigt?

    Multi-Rail ist, so ganz nebenbei, nicht nur "ich finde das aber besser". Es gibt Spezifikationen für Mainboards, die zwingend ein Multiraildesign vorschreiben.
    Irgendwelche single-rail Netzteile sind dann schlichtweg ungeeignet. Im Test klingt das aber leider so, als wenn multi-rail Netzteile sinnlos wären und man sich wer weiß was für Gedanken über die Aufteilung der Rails machen müsste.
    ... bei theoretischen 600W pro 12V Schiene (Antec) muss sich niemand großartige Gedanken machen! CPUs und MB liegen für gewöhnlich auf, vom Rest getrennten, Schienen, die anderen, also mindestens zwei, sind dann noch verfügbar. Soviele Grakas kann man doch gar nicht im System verbauen, dass das an den zur Verfügung stehenden Anschlüssen knapp werden könnte.
    Und selbst bei 32A pro 12V... 380 Watt. Die Anschlüsse werden, selbst wenn ich nun nicht ins Handbuch schaue, wohl über die 6(!) Schienen verteilt sein.
    Wodrüber soll man sich noch gleich Gedanken machen, wenn man pro Schiene mehr Leistung zur Verfügung hat, als es in einem "normalen Desktop" für das gesamte System nötig ist?

    Es wäre m.E. passender gewesen, wenn man das multi-rail-Design als positive Eigenschaft genannt hätte, die eben leider den Nachteil der etwas geringeren Effizienz mitbringt.

    Apropos Effizienz:
    Zitat:
    Ein Sportwagen, der nur drei Liter auf 100 Kilometer verbraucht, ist ebenso wenig denkbar wie ein Netzteil der 1000-Watt-Klasse mit extrem hohem Wirkungsgrad.

    Dieser Vergleich hinkt nicht nur, der kann nicht einmal hinken!
    Die gewonnene Leistung aus einer festen Menge verbranntem Treibstoffs ist bei manch einem "Sportwagen" sogar höher, als bei einem Kleinwagen!
    Das wäre ein halbwegs gültiger Vergleich in diesem Zusammenhang. Aber selbst der taugt nichts. Bitte restlos streichen!
    Vor allem, da größere Netzteile von Haus aus effizienter sind als kleinere.

    Das sieht man unter anderem daran, dass die Platinum (oder jetzt Titanium)-Logos zuerst bei besonders leistungsstarken Netzteilen zur Verfügung stehen und erst später in kleinere Netzteilgenerationen übernommen werden können.
    Zudem gibt es vergleichbare Wirkungsgrade in Server-Netzteilen schon länger - ebenfalls in der "über 1kW" Leistungsklasse.
    Entweder ist dies der Fall, weil man bei diesen starken Netzteilen eh höherwertige/teurere Komponenten und ein anderes Hardwaredesign verwenden muss und sich die Effizienz damit dann automatisch steigert, oder absolute Verluste fallen einfach nicht so stark auf.
    Zu Anfang des Artikel klingt es jedoch so, als ob große Netzteile generell, also in ihrem Lastbereich, nicht so effizent wären. Vielleicht war ja nur gemeint, dass überdimensionierte Netzteile nicht so effizient wären, das ist dort aber auch nicht mit sehr viel Phantasie herauszulesen.
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  • Derfnam
    You'd better Channel your friendship Well, Ghostrider, just so you know:
    http://www.tomshardware.de/foren/id-127629/fuer-lightroom.html#974414
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  • Big-K
    Ich hab da mal ne Frage: Was bringt mir eine hohe holdup-time?

    Und ne Frage an Ghostrider: Kannst du mal verlinken wo ein multirail NT gefordert wird bzw. erklären warum das vorgeschrieben wird.

    Es ist zwar schade das die Lautstärke nicht unter hoher Last ermittelt wurde aber auch irgendwo egal weil wer so viel Leistung verbrät der hat auch entsprechende Lautstärke durch die Verbraucher.
    Ich hab schon den Radiator draußen auf der Fensterbank damit er mir net die Bude heizt. Und damit er die Nachbarn beschallt ;-)
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  • alterSack66
    Hattet ihr das " Seasonic Platinum Modell SS-1200XP³ 1200W" ? Dann war wohl der Lüfter hin. In nen anderen Test stand "Auch unter Volllast und Überlast war der Lüfter nicht zu hören"
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  • derGhostrider
    Anonymous sagte:
    Ich hab da mal ne Frage: Was bringt mir eine hohe holdup-time?

    Und ne Frage an Ghostrider: Kannst du mal verlinken wo ein multirail NT gefordert wird bzw. erklären warum das vorgeschrieben wird.

    Hold-Up-Time: Wenn mal die Spannung etwas einbricht oder eine Lastspitze (im PC) abgefangen werden muss, dann hilft da die HoldUp-Time: Es gibt ja im wesentlich an, wie großzügig die Kondensatoren dimensioniert wurden.

    ---

    Mainboards, die mehrere Voltage-Rails brauchen:
    Das dürften ungefähr alle dual-CPU (oder auch quad-cpu) Mainboards sein.
    Im Handbuch steht dann z.B. soetwas bei den Anforderungen an das Netzteil:
    "It must also be SSI compliant." (aus der Anleitung des X9DAX-iF);

    Siehe dazu z.B.:
    https://ssiforum.org/index.php?option=com_docman&task=doc_download&gid=246&Itemid=13
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  • Big-K
    So weit wars klar aber hab noch nie gehört das ein PC aus gegangen ist weil die Netzspannung einbricht. Sekundär seitig kann man sich sicher streiten, kommt aber auch wohl selten vor, also nicht unbedingt ein Kaufargument.
    Auf dem PDF hab ich jetzt auch nichts zu multi single oder rail gefunden nur Leistungsangaben die eingehalten werden müssen von einer Erklärung ganz zu schweigen. Außerdem gehts da um Serveranlagen.
    Naja ist und bleibt vielleicht eine Glaubensfrage, ich bleib lieber bei multirail ;-)
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  • derGhostrider
    Bei Bekannten (altes Bauernhaus), war das Stromnetz etwas anfälliger und es wurden große Maschinen betrieben (Landwirtschaftlich). Wenn da starke Verbraucher ansprangen, flackerte schonmal das Licht recht heftig. Wenn ich mich recht erinnere, ging ihm deswegen "schonmal", also ab und zu, der Rechner aus.

    Das PDF ist auch die Workstation-Spezifikation. Steht auch in der Überschrift auf Seite 1:
    "Power Supply Design Guideline for 2008
    Dual-Socket Servers and Workstations"

    Und in den SSI Spezifikationen für Mainboards steht zumindest schonmal:
    "To meet 240VA electrical hazard limit requirements, separate power rails must be used for each twelve-volt rail
    (+12V1, +12V2, etc)."
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  • 3125b
    @ alterSack66:

    "In nen anderen Test stand ´Auch unter Volllast und Überlast war der Lüfter nicht zu hören´"

    Natürlich ist das laut: http://www.techpowerup.com/reviews/Seasonic/P1200/5.html
    Wie soll es bei gut 2500U/min denn leise sein?
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