Und endlich ist Ruhe: Samsung Level On Pro mit ANC im Test

Wer viel unterwegs ist und/oder an lauten Orten verweilen muss, der wird die Möglichkeiten einer aktiven Geräuschunterdrückung zu schätzen wissen. Mit dem Level On Pro bietet Samsung eine echte Alternative zu den üblichen, basslastigen Mainstream-Headsets

Einführung und Lieferumfang

Nach mehreren im Alltag getesteten (weil oft benutzten) Headsets mit ANC (Active Noise Cancelling) ist es nur folgerichtig, einmal einen Test zu diesen Produkten zu schreiben und dafür ein selbst gekauftes Exemplar auf Reisen und über längere Zeit auch auf Herz und Nieren zu testen. Wer den Autor kennt, der wird natürlich wissen, dass die akustische Badewanne dabei keine Chance hat.

Samsung und Kopfhörer? Natürlich ist der drahtlose Bluetooth-Kopfhörer Level On Pro (der eigentlich ja auch ein Headset ist) am Ende ja auch "nur" ein OEM Produkt, aber in Anbetracht der ausgelobten Features und den positiven Ersteindruck beim damaligen Probehören, erscheint einem die ca. 150 Euro teure Offerte fast schon unschlagbar.

Zumindest im Vergleich zu den bis dahin genutzten Bose QuietComfort 35, die einerseits mit einem viel zu aufdringlichen Bass aufwarteten und anderseits plötzlich den Geist aufgaben. Da man allein für den Akkutausch mindestens 130 Euro plus Porto einplanen sollte, wurde es fürs gleiche Geld eben erst einmal ein Samsung.  Reparieren ginge ja notfalls immer noch.

Doch warum eigentlich? Trotz kleiner Macken hat der Level On Pro nämlich durchaus Qualitäten, die man beim Bose vermisst. Neugierig? Wir waren es übrigens auch.

Der kleinere Bruder des Samsung Level Over kommt mit vorgeladenem Akku, einem Handbuch, einer Stofftragetasche, einem USB-Ladekabel und einem 1,2m langen 3,5mm-Klinkenkabel zum Kunden. Bei letzterem handelt es sich um ein reines Stereo-Kabel, sodass die Mikrofon-/Freisprechfunktion nur im Bluetooth-Modus aktiv ist. Mehr gibt es erst einmal nicht, außer Klang natürlich. Doch dazu kommen wir später noch.

Optik und Haptik

Optisch erinnert der Level On Pro stark an den größeren Level Over, auch was die Materialien betrifft. Es ist ja sprichwörtlich nicht alles Gold was glänzt, und so erscheint uns die erworbene Gold-Variante dann auch folgerichtig eher gelblich-silber-matt und definitiv nicht glänzend. Die beiden Chromringe pro Muschel sind optisch ein Hingucker, aber sie wollen öfters auch mal abgewischt werden. Im Vergleich zum Bose wirken die Materialien definitiv nicht billiger und man hebt sich nun endlich auch optisch wieder von der Masse der kopfhörertragenden Bose-Fluggenossenschaft ab. Wenn das nichts ist, dann wenigstens nicht peinlich.

Ob der Kopfhörer einen derberen Tritt oder gar den Drauf-Sitztest in der Holzklasse überstehen würde, lassen wir mal dahingestellt. Wir haben es aus Respekt vorm Produkt und dem eigenen Geldbeutel nicht getestet. Ansonsten hat er aber selbst nach einem Jahr weder Kratzer noch Risse oder sonstige Macken. Nur ein feines Meilenkonto und eine geradezu grässliche Umweltbilanz für seine fast schon lachhaften 235 Gramm Reisegewicht. Haptisch ist Vollkörper-Kunststoff zwar immer noch keine Offenbarung, aber man kann schon damit leben. Wenn man dazu bereit ist.

Tragekomfort

Das Teil sitzt wie eine Eins. Im Vergleich zum Bose sitzt der Level On Pro allerdings mehr auf dem Ohr, während der Bose schon als Over-Ear durchgeht, naja fast, denn ganz klappte es irgendwie nie. Es ist halt das, was man dort blumig als Around-Ear verkauft. Welche der beiden Sitzmöglichkeiten man bevorzugt, sei mal dahingestellt, wir sehen jedenfalls ein Unentschieden - mit klitzekleinen Vorteilen für den Bose, der ebenfalls nichts wiegt, aber die etwas weicheren und größeren Polster besitzt.

Die Polster aus Kunstleder sind recht weich und der verarbeitete Schaumstoff im Inneren passt sich der Anatomie des Trägers weitgehend an. Inwieweit das PU-Lederimitat langzeitstabil ohne Risse bleibt, können wir allerdings nicht abschätzen, jedoch ist nach über 12 Monaten noch alles im Lot. Mit echten Over-Ears hat man als Brillenträger eher keine Sitzprobleme, so auch beim Level On Pro.

Die Verstellung des Kopfbandes ist ausreichend und wohl auch noch für Träger ab Hutgröße 65++ kein Grund, über unnötigen Hirndruck zu jammern. Das Einrasten erfolgt sauber und reproduzierbar, der Halt der Einstellung ist ok.

Noch einmal: 235 Gramm sind kein Gewicht, dessen man sich schämen müsste. Der Kopfhörer sitzt auch auf der Langstrecke wie das berüchtigte Drei-Wetter-Taft. Kochender Schmalz und Druckstellen am Ohr sind, zumindest beim Menschen, somit nahezu ausgeschlossen. 

Funktionalität und Anschluss

Der Ein-/Aus-Schiebeschalter samt Status-LED aktiviert den Empfangs- und Verstärkerteil samt Touch-Oberfläche in der rechten Ohrmuschel. Das Pairing lässt sich über den gleichen Schalter anschieben, der noch eine Schiebefunktion als nicht einrastende Endstellung besitzt. Daneben sitzt der Schalter für das aktive Noise-Cancelling (ANC). Im ausgeschalteten Zustand lässt sich der Level On Pro immerhin noch als normaler Stereokopfhörer betreiben gut zu wissen.

Dafür besitzt er die bereits erwähnte 3,5mm-Stereo-Klinkenbuchse an der linken Muschel. In der rechten Muschel sitzt dort der Mini-USB-Ladeanschluss, eine Soundkartenfunktion ist hier jedoch nicht vorgesehen. Womit wir beim Akku angekommen wären.

Geräuschunterdrückung

Vier integrierte Mikrofone sollen die Umwelt mittels eingespieltem Gegenschall neutralisieren, was auch ganz gut klappt. Die Schwächen liegen bei kurzen Impulsen wie trockenem Klopfen oder einem Knall. das dringt immer deutlich durch. Gespräche werden hingegen gut (aber nicht komplett) eliminiert und im Flugzeug (oder Auto) wird es dann richtig leise. Permanente Lautuntermalungen werden somit gut weggefiltert.

Das übliche Rauschen bei aktiviertem ANC wird hörbar, wenn die Musik stoppt, ist aber ziemlich breitbandig und neutral. Ein lästiges Zwitschern oder feines Pfeifen kann nicht festgestellt werden. Das klappt fast genauso gut wie beim Bose und nach ein paar Minuten nimmt man es auch eh nicht mehr bewusst wahr.

Gestensteuerung und Multipoint

Die Gestensteuerung funktioniert ganz gut, aber man muss beim eventuellen Zurechtrücken des Headsets aufpassen, nicht gleich irgendetwas zu verstellen. Deaktivieren kann man das Ganze nur per Android-App. Diese wiederum bietet noch diverse Klangeinstellungen, auf die wir später noch zurückkommen müssen. Der Rest ist jedoch selbsterklärend.

Man kann mittels App die Wiedergabe übrigens mit einem geeigneten zweiten Headset teilen, was in der Praxis im Partner-Look durchaus seinen Charme haben kann.

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14 Kommentare
    Dein Kommentar
  • kleinstblauwal
    Schöner Test. Ich finde es gut, dass auch immer wieder Hinweise gegeben werden, wie man ob Kopfhörer oder Grafikkarte an Reglern drehen kann, damit das ganze, nach deinem Geschmack, runder wird.

    Wie ist das mit der BT Übertragung, auf welchen Entfernungen ist das stabil und braucht man ein bestimmtes Endgerät, damit der UHQ-Codec auch benutzt wird?

    Werden noch weitere Testberichte zu ANC Kopfhörern kommen? Diese hast du ja selbst erworben über einen langen Zeitraum getestet. Wenn man bei anderen diesen Testzeitraum zur Grundlage nehmen möchte, wird das ja erst einem Jahr was. Oder hast du noch andere KH als Alternative zum QC35 angetestet, willst dich aber nicht ausführlich darüber auslassen?
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  • Tesetilaro
    was deine Frage an Igor angeht, da gibts nach meiner Erfahrung 2 möglichkeiten:

    1. es gab andere, sie haben gefailt und waren nicht bereit und willens nachzubessern, hatten aber genug höflichkeit im leib um igor dazu zu bewegen nichts zu veröffentlichen, was er dann vermutlich respektiert hat
    2. es gab keinen anderen kandidaten - also gibts nichts zu schreiben

    ich kann natürlich nicht in gänze für unseren testguru sprechen, aber wenn eine firma nachbessert, dann zögert er meist nicht darüber auch wohlwollend zu schreiben, verrisse gibts eigentlich nur, wenn das Produkt Mist ist und der Herstellervertreter auch noch dumm genug ist, Igor so richtig auf den keks zu gehen ;)
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  • FormatC
    Erstens:

    ANC ist geil und da ich viel unterwegs bin, möchte ich es seit Jahren auch nicht mehr missen. Allerdings lasse ich mich nicht auf bezahltes Produktplacement oder "erbetene" Ergebnisse ein, was einige Testobjekte automatisch ausschließet. Und da ich die Teile alle aus meinem Budget selbst kaufe, bin ich da mengenmäßig etwas limitiert. Ich habe noch einen Satz Creative, aber die sind vom Tragekomfort nicht so gut und leider mit Kabel.

    Für UHQ benötigt man auch die passenden Endgeräte (mein S7 kann das), sowie gutes Material. Die Reichweite liegt bei ca. 8 Metern, wenn nichts dazwischenliegt. Die angegebenen 10 Meter sind sehr optimistisch. Auf der Flugzeugtoilette ist meist Funkloch, auch wenn man nur 3 Reihen weiter sitzt.

    Was die Bose-Dinger betrifft: ich bin geheilt. Wenn was kaputt geht, ist man wie bei Apple auf der Loser-Straße und blutet. Und so viel besser, wenn überhaupt, waren sie auch nicht. Im Nachhinein betrachtet, war es sinnlos rausgeworfene Kohle. Der Klang ist zudem sehr... naja, basslastig. Wem's gefällt, meinetwegen. Ich mag das nicht, weil es einfach unnantürlich klingt.
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  • JottHaa
    Danke für den praxisgetesteten artikel zum kopfhörer. Als ergänzung dazu habe ich mir mal die rezensionen bei Amazon durchgelesen. Da ist wohl den südkoreanischen technikern ein gutes produkt gelungen.
    Was mich interessiert: wie steht es um die qualität des faltmechanismus? Wäre schön, wenn es dazu noch einen hinweis gibt.
    Freundliche grüße an die redaktion und an Igor in sachsen.
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  • FormatC
    Das Folding geht und die Teile halten ja nun auch schon ein Weilchen. Vollmetall ist es nicht, aber ich sehe auch an den Kunststoff-Oberschalen bisher keine Risse. Draufsetzen würde ich mich da aber jetzt nicht ;)
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  • Behrli
    Hat das Ding jetzt auch ein ordentliches Mikro um VOIP zu nutzen? Also könnte man es über die 3,5 Klinke als PC Headset betreiben ?
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  • FormatC
    Fürs Gaming ist das Headset nichts (input-Lag), aber Telefonieren geht ganz gut. Gestern hatte ich tolles Active Baby Cancelling im Flieger. Wobei die tiefen Töne noch besser gefiltert werden. Fast durchgeschlafen von Frankfurt bis Hong Kong. Sitz nach unten, Kopfhörer auf und Ruhe ist. :)

    Aber Skypen ging auch - bis das WiFi verreckt ist. Micro geht aber nur über BT, nicht mit Klinke :D
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  • JottHaa
    Wie , du bist in Fernost!? Da könntest du mir noch ein testgerät für kleines geld mitbringen. Bittebitte mit zucker obendrauf. :-)
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  • FormatC
    Ich stehe mehr auf Seafood ;)



    Taipeh, warten auf die Computex und vorher jede Menge Firmen abklappern. :)
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  • Tesetilaro
    war das echt nötig? ich weiß in TPE ist das seafood frisch und meist auch lecker - aber manchen leuten schlägt es einfach auf den magen :p

    scherz beiseite, wenn's dich mal ins grand hyatt verschlägt, da gibts unten so nen buffet bereich - der japaner dort macht erstklassiges sushi und das wasabi ist spitzenklasse!
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  • FormatC
    Nun ja, im Hyatt bin ich am Dienstag, aber zum Japaner gehe ich woanders hin. Ohne Schi-Schi, dafür richtig traditionell. Geschmackssache halt :)
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  • Tesetilaro
    ich bin in TPE nun nicht so oft zum essen gewesen wie Du - wobei ich dieses Sushi einfach in guter erinnerung behalten hatte, wobei hyatt allgemein recht gut ist...

    ansonsten erinner ich mich wage an den 87en Stock im 1o1... sehr viel schi-schi - aber auch sehr viel lecker, wenn man raus hat um koriander einen Bogen zu machen (ich mag das zeuch einfach nicht)
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  • FormatC
    Dort war ich 2014, ist auch so eine Show-Einlage. Am besten war mal ein jap. BBQ in einem Kellerlokal. Die zwei Typen haben atemberaubende 16 Gänge hingelegt- ohne Firlefanz drumrum, aber wahre Kunstwerke. Auch geschmacklich. Und: ich hasse Koriander :D
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  • Behrli
    Danke für die schnelle Antwort und viel Spaß in FernOst ;)
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