Nvidia GeForce GTX 1070 F.E. 8GB im Test: Pascal, die Zweite

Nvidias GeForce GTX 1080 ist das Pascal-basierte Flaggschiff des Unternehmens - aber die kommende GTX 1070 wird mit ihrem 449-USD-Preispunkt und der einer GTX Titan X vergleichbaren Performance wohl für mehr Aufmerksamkeit sorgen.

Vor ein paar Wochen publizierten wir unseren Test der schnellsten Desktop-Grafikkarte der Welt – den der Pascal-basierte Nvidia GeForce GTX 1080. Die Reaktionen waren wenig überraschend durchwachsen: Wenn man sich mit einem so umstrittenen Thema wie einer Flaggschiff-Grafikkarte befasst, ist die eine Hälfte der Leserschaft beeindruckt, während die andere den Mangel an Fortschritt beklagt.

Aber die Benchmark-Ergebnisse lassen sich nicht wegdiskutieren: Die GeForce GTX 1080 schlägt die GeForce GTX Titan X in allen Belangen. Sie schlägt die Radeon R9 Fury X in allen Belangen. Und die Chancen stehen gut, dass es 2016 keine ernsthafte Herausforderung für den neuen Platzhirsch geben wird, denn AMD richtet seine Polaris-Architektur mehr auf einen Einsatz in der eher Volumen-orientierten Mittelklasse aus.

Mit der Entscheidung, zusätzliche 100 Dollar für seine "Founders Edition" genannte Referenzkarte zu verlangen, hat Nvidia sich allerdings in die Nesseln gesetzt. Nicht nur THDE-Leser haben keine Lust, mehr als die UVP für ein nach dem DHE-Prinzip arbeitendes industrielles Design zu bezahlen, das durch seinen Radiallüfter und die Fensterabdeckung populär geworden ist – und bei der GTX 1080 anscheinend an seine thermischen Grenzen stößt und das Overclocking der Karte limitiert.

Die gleiche Debatte wird es auch bezüglich Nvidias neuer, heute enthüllter GeForce GTX 1070 und ihrer Performance geben. Laut Nvidia wird die Founders Edition der Karte für 449 US-Dollar in den Handel kommen. Die in Vorbereitung befindlichen Custom-Designs der Board-Partner sollen dagegen schon für 379 US-Dollar an den Start gehen. Mit einer Marktverfügbarkeit wird aber nicht vor dem 10. Juni gerechnet – und es bleibt abzuwarten, ob die UVPs sich halten oder sie durch die Nachfrage am Launch-Tag sogar noch steigen werden. Das ist nun mal das generelle Problem von Paper-Launches wie diesem hier…

Aber immerhin wissen wir mit Sicherheit, dass die Performance der GeForce GTX 1070 sich nicht ändern wird. Die Grafikkarte in unserem Testlabor entspricht dem, worauf jeder Käufer in unter zwei Wochen Zugriff haben wird – und die Karte ist wirklich ein beeindruckendes Stück Hardware.

Nvidias GeForce GTX 1070

Ihr werdet feststellen, dass die GeForce GTX 1070 fast genauso aussieht wie die GTX 1080. Und in der Tat übernimmt die Karte eine Menge vom großen Bruder – sowohl elektrisch als auch mechanisch.

Zum einen ist da natürlich die GP104-GPU. Aber während die GeForce GTX 1080 über einen Vollausbau der GP104 mit 20 Streaming-Multiprozessoren in vier GPCs (Graphics Processing Cluster) verfügt, hat die GTX 1070 einen GPC und damit auch fünf SMs weniger an Bord. Damit beherbergt sie 15 SMs (und damit 1920 CUDA-Kerne im Vergleich zu den 2560 CUDA-Kernen der GTX 1080) sowie 120 Textur-Einheiten (vs. 160 bei der GTX 1080). 

Nvidia vergrößert den Abstand zwischen beiden Karten noch weiter, indem der GPU-Basistakt und -Boost-Takt auf 1506 bzw. 1683 MHz reduziert wird – die GTX 1080 kann 1607 bzw. 1733 MHz vorweisen.

Das Backend lässt Nvidia allerdings unangetastet: Auch die GTX 1070 hat acht 32-Bit-Speicher-Controller, zu denen jeweils acht ROPs und 256 Kilobyte L2-Cache gehören. Zusammen sind das 64 ROPs und zwei Megabyte L2-Cache.

Aber während die GeForce GTX 1080 acht Gigabyte GDDR5X-Speicher beherbergt, der mit 10 GBit/s zu Werke geht, sind auf der GeForce GTX 1070 acht Gigabyte normalen GDDR5-Speichers verbaut, der mit nur acht GBit/s arbeitet. Die Speicherbandbreite liegt damit bei 256 GByte/s – 14 Prozent mehr als die GeForce GTX 980. Die GeForce GTX 980 Ti und die GeForce GTX Titan X dagegen haben dank ihrer 384 Bit breiten Interfaces mehr Bandbreite als die GTX 1070 – und das Gleiche gilt für etliche AMD-Karten mit 384 oder 512 Bit breitem Speicherbus.

Nvidia will dies wiederum mit der verbesserten Delta-Farbkompression wettmachen, die wir ausführlich in unserem Test der GeForce GTX 1080 beschrieben haben und die laut Nvidia eine um 20 Prozent höhere effektive Bandbreite ergibt.

GPU
GeForce GTX 1070 (GP104)
GeForce GTX 970 (GM204)
GeForce GTX 1080 (GP104)
GeForce GTX 980 (GM204)
SMs
15
13
20
16
CUDA Cores
1920
1664
2560
2048
Base Clock
1506MHz
1050MHz
1607MHz
1126MHz
GPU Boost Clock
1683MHz
1178MHz
1733MHz
1216MHz
GFLOPs (Base Clock)
5783
3494
8228
4612
Texture Units
120
104
160
128
Texel Fill Rate
201.9 GT/s
122.5 GT/s
277.3 GT/s
155.6 GT/s
Memory Data Rate
8 Gb/s
7 Gb/s
10 Gb/s
7 Gb/s
Memory Bandwidth
256 GB/s
196 GB/s and 28 GB/s320 GB/s
224 GB/s
ROPs
64
56
64
64
L2 Cache
2MB
1.75MB
2MB
2MB
TDP
150W
145W
180W
165W
Transistors
7.2 billion
5.2 billion7.2 billion
5.2 billion
Die Size
314mm²398mm²314mm²398mm²
Process Node
16nm28nm16nm
28nm

Abgesehen von dem in die Abdeckung geschnittenen Modellnamen sieht die GeForce GTX 1070 Founders Edition genauso aus wie die GTX 1080 – und das ist gut. Seit der GTX 690 hat Nvidias industrielles Design nach dem DHE-Prinzip (Direct Heat Exhaust) unsere Erwartungen an eine High-End-Grafikkarte beeinflusst.

Der Vergleich zwischen den klaren Linien der Vorgänger und dem aktuellen, etwas zerklüfteteren Design mag Geschmackssache sein – eine gute Kühlung und ein niedriges Betriebsgeräusch sind ungleich wichtiger. Wir erwarten, dass die Custom-Designs der Board-Partner überlegene Kühlfähigkeit bieten werden – aber die meisten dieser Design verteilen die Abwärme der Karten typischerweise im Gehäuse und führen sie nicht direkt über die Slot-Blende aus ihm heraus.

Enthusiasten mit größeren Systemen haben damit in der Regel keine Probleme, weil sie ihr System entsprechend anpassen können. Aber wer ernsthaftes Gaming im Small-Form-Factor-Format betreiben will, wir wohl auf ewig ein Fan von DHE-Kühlkonzepten sein.

Unter der Abdeckung sind die Unterschiede zwischen GTX 1070 und GTX 1080 augenscheinlicher. Wo die 1080 eine echte Vapor Chamber mitbringt, hat die 1070 einen Alu-Kühlkörper mit drei Heatpipes aus Kupfer.

Mit ziemlicher Sicherheit ist dies eine Maßnahme zur Kostenreduktion, die man mit den 150 Watt TDP der GTX 1070 begründen kann. Denn eine Karte mit niedrigerer Energieaufnahme braucht einfach keine überstarke Kühllösung – auch wenn sie der GeForce GTX 1070 sicherlich bei der Vermeidung der thermischen Limits helfen würde, von denen die GTX 1080 betroffen war.

Auf dem PCB-Level gibt es weitere Unterschiede: Während die GTX 1080 eine 5-phasige Stromversorgung nutzt, implementiert Nvidia bei der GTX 1070 ein 4-phasiges Dual-FET-Design. Schaut euch einfach mal das bloße PCB der GTX 1070 (oben) und der GTX 1080 (unten) im Vergleich an.

Die Slot-Blende der GTX 1070 zieren die gleichen drei DisplayPort-1.3/1.4-Anschlüsse, die wir schon bei der GTX 1080 gesehen haben. Dazu kommen noch je ein HDMI-2.0b- und DVI-Port (Dual-Link).

An der Oberseite findet man auch hier zwei SLI-Konnektoren für Nvidias neue HB-Brücken (High Bandwidth). Bezüglich der SLI-Unterstützung hat sich nichts geändert: Zwei GPUs stellen auch hier das Maximum dar. Allerdings will Nvidia GTX-1070-Käufern die gleiche Unlock-Key-Option bieten wie Besitzern einer GTX 1080, mit der auch 3- und 4-Wege-SLIs wieder möglich sind.

Und wie ihr großer Bruder vefügt auch die GTX 1070 über einen einzelnen 8-Pin-Stromanschluss, der die Energieaufnahme über den 16-Lane-PCIe-Slot ergänzt.

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29 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • _ts42_
    Typo Seite 1: Enthusiasten mit größeren Systemen haben damit in der Regel keine Probleme, weil sie ihr System entsprechend __aanpassen__ können.
    0
  • _ts42_
    Schöner Test und sehr interessante Karte. Der Release der neuen Generation passt mir gerade sehr gut. Meine Vive ist letzte Woche angekommen und nun muss ich natürlich gucken, welche Karte meine "alte" R290 ersetzt. Wenn ich keine Vive hätte, wäre die 1070 die Wahl... mit Vive natürlich die 1080. Ich warte noch auf den großen Test der Custom Designs.
    0
  • Ressorator
    Hat die 1070 auch wieder einen teilweise langsameren RAM so wie die 970?
    -1
  • Plitz
    Nein hat sie nicht.
    0
  • Derfnam
    Unverschämt teuer. Die GTX 970 hatte nen angedachten Preis von 320.- (so jedenfalls stand es im 1. Test der 970 und 980), FormatC vermutete damals in den Kommentaren gar, dass der in Kürze unter 300.- fallen dürfte. Und jetzt ist hier der UVP bei 500.-? Bekloppt.
    0
  • Plitz
    Obwohl die 1080 Founders 790€ kosten soll, gibt es jetzt ... 4 Tage nach offiziellem Start bereits Founders für 720€!

    Zudem sind die 1070 Custom Karten noch mal bis zu 70$ billiger als die Founders. Sich also an der Preisempfehlung hochzuziehen ist irgendwie nicht so sinnvoll.
    1
  • Warrgarbl
    Zitat:
    Unverschämt teuer. Die GTX 970 hatte nen angedachten Preis von 320.- (so jedenfalls stand es im 1. Test der 970 und 980), FormatC vermutete damals in den Kommentaren gar, dass der in Kürze unter 300.- fallen dürfte. Und jetzt ist hier der UVP bei 500.-? Bekloppt.

    Naja, im Grunde genommen ist das nur die Rückkehr in die alte Nomenklatur. Ich denke, dass die letzte Generation aufgrund von Monopoldenken Nvidias absichtlich "falsch" benannt wurde. Im Grunde genommen wäre die Titan die eigentliche 980 gewesen, und dieses Generation zieht Nvidia wieder das alte Namensschema durch - kein Titan-Blödsinn mehr. Ich für meinen Teil bin gespannt auf das, was AMD dieses Jahr releast, und hoffe, dass sie Nvidia wieder ordentlich Konkurrenz machen. Von einem Monopol profitiert ausser Nvidia niemand. Wäre es noch wie früher gäbe es auch keine Founders Edition :)
    0
  • Derfnam
    Ich zieh nix und niemanden, ich konstatiere nur ganz unverbindlich, grad so wie der Preis :P
    Und der ist mehr als 50 % höher als bei der Vorgängerkarte.
    0
  • fffcmad
    10W TDP. Nicht schlecht :D Die 1070 ist ein Effizienzwunder :D

    Unter 1070-front-heatsink.jpg
    0
  • fffcmad
    Ich verstehe das mit den Founders Editions als eine Art Sammlerstueck bzw Collectors Edition mit Standardkuehler. Ist natuerlich ueberteuert. Aber eben auch so vermarktet.
    0
  • klomax
    Teuer, aber auch beeindruckend (Verbrauch, Leistung trotz des Speicherinterface gegenüber Titan X, GTX 980 Ti).

    Jetzt dürfen wir mal auf die R9 480X gespannt sein. - Das Warten fällt echt schwer...
    1
  • Derfnam
    Irgendwer bei nVidia ruft grad: oh, you founders out, fffcmad^^.
    Wobei die Vorteile grad in den ja so modernen Winzhütten nicht von der Hand zu weisen sind. Ansonsten natürlich auch.
    2
  • moeppel
    Leistung wie erwartet, bleibt nur noch der Straßenpreis abzuwarten. Und Polaris.

    Die Preisvorstellung ist natürlich so erst mal absurd.
    0
  • zeutan
    Korinthenkackerei am Rande: es sind Radial-Lüfter. Ein Axiallüfter bewegt die Luft in Richtung der Achse. Der Radiallüfter saugt zwar axial an, bewegt die Luft aber radial - um 90° umgelenkt - zur Rotationssachse vom Laufrad weg. Erste Seite, dritter Absatz.
    0
  • Averomoe
    Ja es stimmt, dass 500 Euro UVP zu viel für einen Performance-Chip (104 < 102 der 1080 Ti(?)) sind. Aber wer genau jetzt eine 980 Ti Leistung braucht, wird diese auch bezahlen. Da nimmt er den Preisunterschied zur 1070 natürlich mit.
    0
  • big_k
    Igor ist nicht da also gibts auch kein Testmuster, und auf mails wird schon mal gar nicht geantwortet, sprich zu der Hand ;).
    In manchen Games ist sie mit der Fury gleich auf, in anderen weit überlegen, sehr verwirrend.
    0
  • moeppel
    Anonymous sagte:
    Igor ist nicht da also gibts auch kein Testmuster, und auf mails wird schon mal gar nicht geantwortet, sprich zu der Hand ;).
    In manchen Games ist sie mit der Fury gleich auf, in anderen weit überlegen, sehr verwirrend.


    Ashes und Hitman sind DX12 Titel, derzeit vermutlich die einzigen, an der man DX12 Leistung der Karten festmachen kann. Weitere Titel werden (hoffentlich) bald folgen.

    Unter'm Strich, wie bereits bei der 1080 gesehen, scheint sich bei Nvidia hinsichtlich ihrer Architektur in Verbindung mit DX12 wenig bis nichts getan zu haben. Wenn auch nichts anderes, so scheint Pascal unter DX12 wenigstens keine Leistungsabzüge mehr zu besitzen, was teilweise bei Maxwell der Fall zu sein schien.

    EDIT: Hitman wurde in DX11 gebencht. Interessantes Ergebnis, in der Tat. Der Rest dann aber eher, wie erwartet ;)
    0
  • gst
    @_ts42_, derfnam & zeutan: Danke für die Korrekturen. Das Ganze ist mit ziemlich heißer Nadel zusammengestrickt worden, da sich Nvidia a) sehr überraschend damit angemeldet hat, es b) mit einem anderen großen, länger geplanten Launch-Artikel kollidierte und Nvidia es c) dann nochmal einen Tag vorgezogen hat. Man beachte auch die überzeugende, europäischen Arbeitsverhältnissen unglaublich entgegegenkommende Launch-Zeit von 0 Uhr am Montagmorgen...

    Dass es kein Testmuster gab, hatte mit Igors Abwesenheit übrigens nix zu tun - Nvidia zieht einfach nur seine "One media, one sample"-Regel knallhart/blind durch. Und Tom's Hardware USA und Tom' Hardware Deutschland wurden (diesmal) als "ein Medium" behandelt. Wie sinnvoll wir das finden, darf sich jeder selbst ausmalen.
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  • Derfnam
    Korrigier doch bitte, dass ich was korrigiert hätte, das ist nicht korrekt und bedarf einer Korrektur.
    Myrkvirdyge Nummer, yo.
    0
  • gst
    Sorry - fffcmad statt Derfnam. Ich bin unausgeschlafen; komm' mir doch nicht so! ;)
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