Nvidia GeForce GTX 960: Maxwell kommt in der Mittelklasse an

Die GeForce GTX 760 musste sich lange Zeit gegen die starke AMD-Konkurrenz in der Mittelklasse behaupten. Heute ersetzt Nvidia die letzte der noch auf Kepler basierenden GTX-Grafikkarten durch die GeForce GTX 960.

Seit Nvidia Ende letzten Jahres die GeForce GTX 970 für 330 US-Dollar auf den Markt brachte, fristeten die GeForce-Modelle GTX 760 und 770 ein unbehagliches Nischendasein in einer Art preislichem Niemandsland. Die GeForce GTX 770 war im Vergleich zum Neuzugang viel zu teuer – und die GTX 760 schnitt noch schlechter ab, speziell im Vergleich zu AMDs überlegener Radeon R9 285.

Nvidia musste also ein bisschen Maxwell-Magie in die Marktlücke sprenkeln, die sich zwischen der mit 150 US-Dollar ausgepreisten GeForce GTX 750 Ti und der 330 US-Dollar teuren GeForce GTX 970 auftut – und exakt das hat Nvidia mit dem heutigen Launch der neuen GeForce GTX 960 getan.

Es fühlt sich so an als würden wir schon seit einer Ewigkeit auf einen Ersatz für die GTX 760 warten. Es ist nicht ganz ein Jahr vergangen seitdem Nvidia im Februar 2014 seine effiziente Maxwell-Architektur mit dem Einstiegsmodell GeForce GTX 750 erstmals vorstellte und vor rund vier Monaten ersetzte der Hersteller seine High-End-Modelle GeForce GTX 780 und GTX 780 Ti durch die neuen GeForce-Grafikkarten GTX 970 und GTX 980

Während dieser Zeit hatte die GeForce GTX 760 schwer mit den Radeon-Modellen R9 280 und R9 285 zu kämpfen. Schauen wir mal, ob Nvidias Midrange-Fans dank der Ankunft der neuen GM206-GPU wieder etwas aufatmen können:

Es kursierten Gerüchte, dass die GTX 960 eine beschnittene Version des GM204-Grafikprozessors nutzen würde, der in der GTX 980 und GTX 970 zum Einsatz kommt – aber das ist nicht der Fall. Die GM206-GPU ist ein komplett neuer Chip, der deutlich kleiner ist als der GM204.

Die essenziellen Eckdaten der GeForce GTX 960 entsprechen denen der GeForce GTX 980 – nur um die Hälfte reduziert: Zwei Graphics-Processing-Cluster, acht Streaming-Multiprozessoren, 1024 CUDA-Kerne, 256 Load/Store-Einheiten, zwei 64 Bit-Speicher-Controller für ein aggregiert 128 Bit breites Speicher-Interface, 64 Textur-Einheiten, 32 ROPs, acht Polymorph-Engines, zwei Render-Backends und ein Megabyte gemeinsam genutzten L2-Cache.

Trotz der geringeren Größe verfügt die GM206- über die gleichen Upgrades wie die GM204-GPU: Jeder SMM kann auf einen 96 KByte großen Anteil des gemeinsam genutzten Adressraums für GPU-Rechenaufgaben zurückgreifen, der L1/Textur-Cache ist für je zwei CUDA-Rechenblöcken 24 KByte groß (also 48 KByte je SMM) und so weiter.

Die GeForce GTX 960 läuft mit einem Basistakt von 1126 MHz (das entspricht übrigens der GTX 980) und hat einen Boost-Takt von 1178 MHz (also 38 MHz weniger als die GTX 980). Auf der Karte sind zwei Gigabyte RAM verbaut, der mit 1750 MHZ arbeitet – das ist ein effektiver GDDR5-Takt von sieben Gigahertz. Aber wie schlägt sich die neue GTX 960 im Vergleich zur GTX 760, die sie ersetzen soll, und der Radeon R9 285, ihrer wahrscheinlich schärfsten Konkurrentin?


GeForce GTX 760
GeForce GTX 960
Radeon R9 285
Shader-Kerne:
1152
1024
1792
Textur-Einheiten:
96
64112
ROPs:
32
32
32
Fertigungsprozess:
28 nm28 nm
28 nm
Kerntakt:
980/1033 MHz1126/1178 MHz
bis zu 918 MHz
Speichertakt:
1502 MHz GDDR5
1752 MHz GDDR5
1375 MHz GDDR5
Speicherbus:
256 Bit
128 Bit
256 Bit
Speicherbandbreite:
192,2 GByte/s
112,2 GByte/s
176 GByte/s
Idle/Max. TDP:
170 Watt
120 Watt
190 Watt
Stromversorgung:
2 x 6 Pin1 x 6 Pin
2 x 6 Pin
Marktpreis/UVP:
180 – 365 Euro
(Geizhals)
199 Euro
(UVP)
196 – 252 Euro
(Geizhals)

Zu AMDs 280er Familie muss man zudem noch anmerken, dass der Hersteller als vorbeugende Reaktion auf die GTX 960 gestern noch Preissenkungen angekündigt hatte. Wann und wie die sich am Markt manifestieren werden, bleibt abzuwarten.

Was sofort (negativ) ins Auge fällt, ist das nur 128 Bit breite Speicher-Interface der GeForce GTX 960 und die daraus resultierende geringe Speicherbandbreite von nur 112,2 GByte/s. Sowohl die GTX 760, die sie ersetzt, als auch die Radeon R9 285, die sie bekämpfen soll, haben ein 256 Bit breites Interface mit 192,2 bzw. 176 GByte/s Bandbreite. Nvidia behauptet allerdings, dass die GTX 960 dank der Farbkompressions-Engine der dritten Generation effizient genug ist, um es trotzdem mit den beiden aufzunehmen – und wenn man unsere Erfahrungswerte bei der GeForce GTX 980 und 970 zum Vergleich heranzieht, ist das vermutlich nicht ganz aus der Luft gegriffen.

Es gibt aber bestimmt Situationen (beispielsweise bei hohen Auflösungen), wo dies zum limitierenden Faktor werden könnte; wir werden in den Benchmarks gezielt darauf achten.

Ein weiterer Punkt: Das einfacher zu produzierende 128-Bit-Interface könnte Nvidia mehr Flexibilität hinsichtlich der künftigen Preisgestaltung geben. Vielleicht spielt das auch schon in den Launch-Preis von 199 Euro (inkl. MwSt.) hinein. Zum Vergleich: Die GTX 760 war ebenfalls mit 199 Euro ausgepreist, als sie auf den Markt kam – allerdings zuzüglich Mehrwertsteuer, was in knapp 240 Euro brutto resultierte.  

Auch bei den TDP-Werten sticht die GTX 960 ins Auge – diesmal aber positiv. Maxwell hat sich als die effizienteste Desktop-Grafik-Architektur etabliert – und die GTX 960 fällt hier nicht aus der Reihe. Ihr 120-Watt-Limit liegt 50 Watt unter dem der GTX 760 und 70 Watt unter dem der Radeon R9 285. Sie braucht nur einen einzelnen 6-Pin-PCIe-Anschluss zur Stromversorgung und laut Nvidia reicht ein 450-Watt-Netzteil im System völlig aus.

Im Vergleich zur GTX 760 hat die neue GTX 960 zudem weniger CUDA-Kerne und Textur-Einheiten, aber das wird durch einen höheren Kerntakt ausgeglichen. Mittlerweile ist ja bekannt, dass die Maxwell-Architektur aus weniger mehr macht. Wir erwarten daher, dass die GTX 960 mit ihrem Vorgänger mithalten und mit der Radeon-Grafikkarte konkurrieren kann.

H.265 (HEVC) Video Decoding Engine

In einem Bereich ist die GM206- der GM204-GPU sogar überlegen: Sie hat eine neue Video-Engine. Während die GeForce GTX 980 und 970 H.265 (HEVC) Video-Encoding unterstützen, unterstützt nur die GeForce GTX 960 auch das Decoding dieses vielversprechenden Formats. Die GeForce GTX 960 ist daher eine exzellente Wahl für einen Home Theatre PC (HTPC): Sie kann mit 4K-Video umgehen, hat eine geringe Energieaufnahme (was in einer niedrigen Wärmeabgabe und einem niedrigen Betriebsgeräusch resultiert) und bietet nativen Support für HDCP 2.2-Inhalte über HDMI 2.0.

Von diesen Features abgesehen hakt die GTX 960 die gleichen Checkboxen ab wie die beiden größeren GeForce GTX-Modelle 980 und 970: DirectX 12-Kompatibilität, VR Direct-Support, Voxel Global Illumination (VXGI), Multi-Frame Sampled Anti-Aliasing (MFAA) und Dynamic Super Resolution (DSR). Wer sich diese Features noch einmal näher in Erinnerung rufen möchte, sollte sich einfach nochmal in unserem Artikel zum Launch der GeForce GTX 980/970 nachlesen: Nvidia GeForce GTX 980 und GTX 970: Maxwell mit maximaler Power?.

Man sollte nicht vergessen, dass Nvidias neueste Treiber nicht nur Maxwell-Karten um DSR-Support erweitert haben, sondern auch Grafikkarten der Fermi- und Kepler-Generation. Das bringt bei anspruchsvollen Game-Engines zwar nicht viel, aber DSR ist eine interessante Option für Leute, die Spaß an Spielen mit sehr hohen Frameraten haben. MOBAs wie League of Legends und DOTA 2 fallen in diese Kategorie und DSR ist eine interessante Möglichkeit, die Grafikwiedergabe auf einem 1080p-Monitor zu verbessern.

Wir sind außerdem gespannt, wie die GTX 960 mit MFAA klarkommt. Dieses Feature wurde zur Markteinführung der GeForce GTX 980/970 Treiber-seitig noch nicht unterstützt; das war dann erst mit dem Treiber 344.75 im November 2014 der Fall. Das ist genau die Art Technologie, die eine niedrige Speicherbandbreite kompensieren könnte und ist damit perfekt für die GTX 960 geeignet.

Nvidia hat diesmal keine Referenzkarten an Tester vergeben und sich stattdessen dafür entschieden, die Board-Partner Hardware bereitstellen zu lassen. Schauen wir uns als nächster daher mal einen großen Querschnitt der zu diesem Launch verfügbaren GeForce GTX 960-Grafikkarten von allen möglichen Herstellern an.

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58 Kommentare
    Dein Kommentar
  • 3125b
    Joa, nicht übel für das, was sie ist. Ich würde zwar keine so langsame Karte mehr kaufen, aber wenn man meint ...

    Wenn sie sich - für vernünftige Modelle - um 180€ einpendelt, hat sie wohl durchaus ihre Daseinsberechtigung. Kann dann auch meinetwegen 15€teurer als die R9 280 sein, das Geld kann man am Netzteil sparen. Etwas ärgerlich sind da nur die abnorm hohen Peaks, man sollte also doch lieber 150W einkalkulieren ... sonst sind die Caps zu schnell hinüber.
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  • maguumo
    Guter Test, aber bei AC Unity ist entweder irgendwas schiefgelaufen oder der erste Bench wurde falsch beschriftet, die 760 wird sich wohl kaum vor die 770 schieben?
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  • Derfnam
    Die in dieser Nachricht - http://www.tomshardware.de/nvidia-geforce-gtx-960-maxwell-overclocking,news-251984.html - angekündigte doppelte Leistungsfähigkeit einer GTX 660 wird in welchem Bereich erzielt?

    Übrigens fehlt die Zotac auf Seite 19.
    0
  • FormatC
    Zotac und EVGA liefern mir in Deutschland leider keine Karten, traurig, aber nicht zu ändern.
    0
  • Derfnam
    Dann ist das evgal^^.
    Zu meiner Frage: wie gut lieg ich mit der Vermutung Leistung pro Watt?
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  • 7664stefan
    Danke für den schönen Test! Nette Karte. :-) Kommt noch ein separater OC-Test? Die Temps sehen ja in der Tat so aus, als wäre da noch Luft nach oben. :-)
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  • FormatC
    OC mache ich etwas später, zusammen mit SLI. Nur - die Gigabyte läuft ja schon mit 1450 MHz unter Last. Viel mehr geht da auch nicht mehr, wenn man nicht großes Glück mit dem Chip hat.
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  • Tesetilaro
    wie wäre es mit einem HTPC / wohnzimmerPC - "silentworkshop zusammen artikel" mit Kai und Dir?

    Ich würde mit der Karte keine Rekorde in Performance aber definitiv in leise brechen wollen... vielleicht mit ner U/S/T CPU und passiv zusammen und dann ggf. nur ein 14er im gehäuse für in und übers netzteil raus?
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  • FormatC
    Die Karte ist etwas überflüssig irgendwie, weil die Lücke zur 970 zu groß ist. Da kommt noch was :D
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  • Big-K
    Danke Igor. Das war vermutlich wieder viel Arbeit. "Hot chilli" der Name passt ja ;-).
    Ansonsten keine wirklichen Überraschungen. Ich vermute mal viele werden mittlerweile gleich oder mit mehr Leistung eingedeckt sein. Z.B. wenn man sich vor 3 Jahren ne 7950 geholt hat.
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  • Tesetilaro
    ach komm, willst Du jetzt schon die 960 Ti anteasern? :-p
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  • Take
    Es wurden Versionen mit 4gb angekündigt. Ist da ein SLI sinnvoll. Brauch ich nicht aber wollte ich schon immer mal sowas :D
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  • Peter Prager
    Die einzigen Benchmarks die in diesem Bericht was taugen sind jene bei Punkt 14. Performancevergleich der Partnerkarten.
    Denn wie ihr selbst richtig mit "Gleiches Recht für alle" eingesteht, kann man eine werkübertaktete Karte auch nur mit werksübertakteten Karten vergleichen.
    Somit sind alle Benchmarks davor, wo die werksübertaktete ASUS GTX 960 gegen die Referenz-AMD-Karten verglichen wird irreführend.

    Schade, dass beim "Gleiches Recht für alle" nur Battlefield 4 getestet wurde
    und auch schade das bei der 4k Auflösung nicht auch beu ultra-settings getestet wurde.
    Somit muss man sich leider wieder aussagekräftige Benchmarks woanders ansehen.
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  • alterSack66
    Ich hätte die Karte stärker erwartet, aber dann wär wohl kein Platz mehr für ein ti oder eine GTX 965. Der Stromverbrauch hat schon was. Mal schaun wie lange es dauert bis die ASUS die ersten Mainboards zerstört :D
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  • FormatC
    @Peter Prager:
    Die "normalen Benchmarks" haben die Amis gemacht, leider. Aber das ist nun mal der Fluch der Kooperation wenn zwei an einem Artikel schreiben. Punkt 14. und der Rest ist dann von mir. Der Knackpunkt bei 4K: die Karten schaffen kein Ultra und sind auch für eine andere Zielgruppe konzipiert. Nutzlose Testerei, denn es sind nun mal Karten der unteren Mittelklasse.
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  • Big-K
    Wenn dich die paar % schon stören dann darfst du nicht auf bestimmte Seiten gehen welche die 290x im Reffernz so ersticken lassen das sie auf 700-800 MHz läuft. Die dann gegen ne 980 G1 OC und man kann behaupten NV ist fast doppelt so schnell wie AMD.
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  • Peter Prager
    keine angst auf solche seiten gehe ich schon nicht.
    was also nun die benchmarks vor punk 14 betrifft, so muss man sich was die ASUS-Karte angeht 9% runterrechnen um auf einen Referenzkarten-wert zu kommen und diesen dann mit den AMD 280X und 285 vergleichen.
    Im Grunde ist diese Karte bei 1920x1080 etwas schlechter als ne R9 285 und merkbar schlechter als ne R9 280X und bei höheren Auflösungen und/oder mehr Speicherbedarf bricht sie komplett weg.
    Einzig in Battlefield 4 und Watchdog bei 1920x1080 kann sie glänzen, bleibt aber trotzdem hinter der R9 280X.
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  • ichebem
    " Wenn ihr viele Gameplay-Videos aufnehmt (z.B. für Twitch), ist Nvidias Shadowplay-Rekorder die beste Option, die es derzeit gibt. "

    Sorry Bitte was? Für einen 720p Stream brauche ich bei dem Tool dank der komplett schwachsinnigen Einstellungen 3mbit Upload. Mit vernünftigen Einstellungen, kriege ich nen 720p Stream auch mit 1,5mbit Upload hin.
    Full HD kann ich mit Shadowplay gar nicht mal aufnehmen, geschweige denn irgendwas individualisieren, ein einfaches Chat-Fenster Overlay überfordert diese NvidiaTechnik schon.

    Da gibt es sehr viel bessere Lösungen. .. mal ganz davon abgesehen dass das gar nichts mit einer Grafikkarte zu tun hat.. an und für sich, aber das Tool ist einfach nur bad.
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  • FormatC
    Amis eben :D
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  • kleinstblauwal
    Das mit der Frequenzanalyse ist mal ein toller Aspekt, ich weiß nicht, ob es das noch irgendwo anders gibt, aber zumindest von den Hardwareseiten, die ich regelmäßig besuche ist das ein (weiteres) Alleinstellungsmerkmal. Und das ganze auch noch für 9 verschiedene Karten, zusammen mit dem ganzen anderen Kram mit dem Oszi, der IR-Kamera.
    Wieviel Tage vor NDA-Ablauf hat man eigentlich solche Karten im Labor, darfst du das sagen?
    Ist diese Frequenzanalyse auch für CPU-Kühler bzw. alle Produkte, die einen Lüfter haben geplant?
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