Einkaufsratgeber für Outdoor-Smartphones: Darf es etwas Robustes sein?

Outdoor-Handys sind schon lange keine Nischenprodukte mehr. Große Hersteller wie Samsung oder Sony setzen vermehrt auf Smartphones mit Outdoor-Qualitäten. So sind zum Beispiel das Xperia Z Ultra und das Xperia Z1, Sonys neuste Flaggschiffe,  wasser- und staubgeschützt. Auch Samsung hat mit dem Galaxy S4 Active sein Vorzeigemodell in einer Outdoor-Variante herausgebracht. Will man Gerüchten glauben, sollen auch das Galaxy S5 und das Galaxy Note 3 als Active-Version auf den Markt kommen.

Doch eignen sich diese Smartphones für die Baustelle, eine Mountainbiking-Tour oder einen längeren Ausflug in die Wildnis? Wohl kaum. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie beim Kauf eines Outdoor-Handys achten müssen, welche Modelle sich wirklich für den Einsatz im Freien oder in rauen Umgebungen eignen und mit welchen Modellen sie getrost daheim in der Badewanne planschen können.

Bildquelle: © Magnus Akselvoll / flickr.comBildquelle: © Magnus Akselvoll / flickr.com

Wogegen sollte ein Outdoor-Handy geschützt sein?

1. Wasser und Staub

Der Schutz gegen das Eindringen von Wasser und Staub ist das wichtigste Merkmal, das ein Outdoor-Handy besitzen sollte. Erst dadurch, dass ein Handy ein wasser- und staubdichtes Gehäuse hat, eignet es sich wirklich für den Einsatz im Freien: Es kann in eine Pfütze oder in den Schlamm fallen, staubig werden und Regenschauer oder sogar kurze Tauchgänge überstehen, ohne dass die Funktionen des Handys beeinträchtigt werden.

Wer ein gegen Wasser und Staub geschütztes Handy kaufen will, muss jedoch einiges beachten: Nicht jedes Outdoor-Handy ist dafür geeignet, längere Tauchgänge zu überstehen; viele Geräte bieten lediglich Schutz gegen Spritz- oder Strahlwasser.

Hier empfiehlt es sich, nicht auf die manchmal schwammigen Angaben der Hersteller zu vertrauen, sondern auf den sogenannten IP-Code (IP steht für International Protection), welcher in verschiedenen deutschen und internationalen Normen festgelegt ist und den Schutzgrad des Gehäuses gegen Berührung, Fremdkörper und Wasser definiert. Was die IP-Codes im Einzelnen bedeuten, könnt ihr auf der nächsten Seite nachlesen.

2. Stöße

Nach dem Schutz gegen Wasser und Staub ist der Schutz gegen Stöße der zweitwichtigste Schutz vor Umwelteinflüssen, den ein Outdoor-Handy bieten sollte. Wenn man das Handy im Freien benutzt (zum Beispiel beim Extremsport, Trekking oder auf einer Mountainbike-Tour) kann es immer passieren, dass das Handy herunterfällt – und zwar unter Umständen nicht nur auf den weichen Waldboden, sondern auf einen Kiesweg oder einen Stein. Auch in rauen Arbeitsumgebungen - beispielsweise auf einer Baustelle - ist es zwingend erforderlich, dass ein solches Handy Stürze oder Stöße unbeschadet übersteht.

Im Gegensatz zum Schutz gegen Wasser und Staub gibt es für den Schutz gegen Stöße leider keine festgelegten Normen im Rang der IP-Codes. Es gibt zwar gewisse Militär- und sonstige Standards, die mit Fallhöhentests einergehen, aber das hat leider nichts mit international verbindlichen Normen zu tun. Wenn ein Hersteller solche Angaben macht, sollte man sich definitiv mit dem Testprocedere beschäftigen, bevor man ihnen vorbehaltlos vertraut.

Über den Autor

Finn Hillebrandt ist selbständiger Internet-Unternehmer, Blogger und Handy-Enthusiast. Seit Anfang 2011 schreibt er auf seinem Blog (http://www.outdoor-handys.com) über das Thema Outdoor-Handys und Outdoor-Smartphones.

In seiner Freizeit ist viel draußen unterwegs, z. B. zum Radfahren, Wandern oder Tauchen. Er interessiert sich zudem für das Kochen und Gadgets jeglicher Art, für die er mitunter viel zu viel Geld ausgibt.

Beim Kauf muss man also darauf achten, wie der Hersteller die Stoßfestigkeit spezifiziert. Zudem empfiehlt es sich, auf das verwendete Gehäusematerial zu achten, da dies Rückschlüsse auf die Stoßfestigkeit zulässt: So sollte ein Outdoor-Handy auf keinen Fall komplett aus Metall oder Glas bestehen, da sich bei diesen Materialien die Druckverteilung  in der Regel in Richtung Display auswirkt, was zu Displaybruch führen kann. Besser ist hier Polycarbonat, welches zwar kratzanfälliger, aber auch weicher ist und dementsprechend die Wucht des Aufpralls stärker abdämpfen kann.

Am besten sind jedoch Gehäuse, die teilweise oder komplett aus Hartgummi bestehen, wie es zum Beispiel bei Handys der Marke Sonim der Fall ist. Hartgummi hat zwar den Nachteil, dass er mit der Zeit brüchig werden kann, bietet aber den besten Schutz gegen Stöße und ist generell sehr stabil.

3. Kratzer

Für den Einsatz im Freien muss ein Handy nicht nur stoßfest, sondern auch kratzfest sein. Dies gilt vor allem für das Display, da ein verkratztes Display die Bedienbarkeit erheblich beeinträchtigen kann.

Als besonders kratzresistent gelten Displays mit Gorilla Glas, das von der amerikanischen Firma Corning Inc. hergestellt wird. Mittlerweile gibt es drei Generationen des Glases. Gorilla Glas 2 ist ähnlich stabil und kratzfest wie Gorilla Glas 1, aber rund 20 Prozent dünner. Die dritte Generation stellt jedoch die beste Wahl für ein Outdoor-Handy dar, da noch stabiler und bis zu dreimal kratzfester sein soll als die beiden ersten Generationen. Eine Liste aller Outdoor-Handys und -Smartphones, die mit Gorilla Glass ausgestattet sind, finden Sie hier.

4. Extreme Temperaturen

Für alle, die viel Zeit draußen verbringen, ist es wichtig, dass das Handy auch gegen Hitze und Kälte gewappnet ist. Wie bei der Stoßfestigkeit gibt es hierfür jedoch keine verbindlichen Normen oder Standards und man muss darauf achten, was der Hersteller für Maximaltemperaturen bei der Hitze- und Kältebeständigkeit angibt.

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7 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • Tesetilaro
    sehr schön, endlich hat das mal einer aufgedröselt :D

    Vielen Dank!!!
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  • gst
    Aber gern doch; we're here to serve und so weiter... :D
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  • avaka
    Cooler Test, wirklich. Was eventuell noch schön wäre:Wie sieht es mit massiven Smartphonehüllen aus? Fürs iPhone gibt es z.B. durchaus Hüllen die sinngemäß gegen nen nuklearen Winter resistent sein sollen. Ist dann zwar ein Klotz wie aus C-Netzzeiten aber manchmal ist das unwichtig.
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  • gst
    Wäre nicht uninteressant, die mal zu besprechen, stimmt. Andererseits: Sie reden ja anscheinend nicht von "einfachen" Schutzhüllen, sondern von sehr speziellen, sonst ließe sich ja z.B. keine Wasserdichtigkeit erreichen. Haben Sie da ein bestimmtes Beispiel im Sinn?Die Frage ist halt, wie relevant das ist. Schließlich will man ja nicht für einen 60-Minuten-Tauchgang am Riff unter Wasser abtauchen, sondern ein solches Smartphone im Alltag benutzen. Wenn man da jedesmal das Äquivalent eines externen Unterwassergehäuses für DSLRs bemühen muss... Und wenn es eher "normale" Schutzhüllen und -folien sind, dann machen die bezüglich Stoß- und Kratzfestigkeit zwar definitiv Sinn, machen das Gerät aber noch lange nicht zu einem "echten" Outdoor-fähigen Smartphone.
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  • Tesetilaro
    wobei man fairerweise - und zur Ehrenrettung normaler Spartphones - sagen muß, ein ordentlicher Siliconbumper, gepaart mit einer gescheiten Folie bringt einen wirklich weiter...

    Meine Frau hatte das für eins ihrer alten LGs - da hat mein kleiner Sohn drauf rum gekaut als er noch im passenden alter war... Mal davon ab, daß es fast nicht hinhaut, daß einem das Ding aus der Hand rutscht, wenns doch mal fällt, aus 1,5 m auf beton - da kann nix passieren...

    Man sollte halt nicht versuchen IM Aquarium zu fotografieren :P
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  • avaka
    Ich dachte an Otterboxen. Diese Kampfklasse an Handyschutzhüllen. Übermäßig kenn ich mich da nicht aus, sonst würde ich nicht fragen ;-)Ich habe mal von einer gelesen die hatte sogar einen Zusatzakku integriert damit das Ding wenigstens etwas länger hält. Ich weis aber nicht mehr Welche das war.
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  • derLordselbst
    Wie bei fast allen Smartphone-Tests wird ein entscheidendes Kriterium nicht mit untersucht:

    Die Sende- und Empfangsleistung

    Die meisten der hier vorgestellten Outdoor-Smartphones (wie eigentlich auch die meisten "normalen" Smartphones) sind da erbärmlich.

    Führend waren da die alten Blackberrys. Von den hier vorgestellten kann nur das XCover 2 gute Sende- und Empfangseigenschaften vorweisen, (ähnlich wie die 9000er Blackberrys). (Wir setzen das jetzt für unsere Außendienstler ein, da die neuen Blackberrys leider nicht mehr mit unseren Firmenanwendungen zusammenarbeiten.)

    Ein Outdoor-Smartphone, dass nur innerhalb von Städten Empfang hat, ist bestimmt nur begrenzt nützlich...
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