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Fazit: Heißes Eisen

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Bei P4 Prescott handelt es sich keinesfalls um faulen Zauber, denn im Schnitt liegt die Performance auf dem Niveau des P4 Northwood. SSE3 bringt derzeit wenig Mehrwert, da es kaum optimierte Applikationen dafür gibt. Ungewöhnlich ist, dass trotz der Reduktion des Fertigungsprozesses von 130 auf 90 Nanometer die Verlustleistung ansteigt. Früher hatte uns Intel gezeigt, dass man mit kleineren Strukturen die Verlustleistung senken kann.

Ist Prescott zukunftsweisend? Die im Schnitt gleichwertige Performance ist für einen neuen Prozessor kein überzeugendes Debüt, denn trotz 1 MB L2-Cache und diverser Optimierungen ist Prescott in etwa einem Drittel der Benchmarks doch langsamer als der Vorgänger. Dazu zählen zum einen diverse 3D-Spiele sowie "ernsthafte" Anwendungen wie der Lame MP3-Encoder, Microsofts Movie Maker 2, Mathematica, Cinema 4D oder gar 3DStudio.

Auf der anderen Seite stehen wiederum Applikationen, die mit Prescott teils schneller laufen als mit Northwood. Hierzu gehört DivX-Encodierung mit Xmpeg, das Archivieren von Dateien mit WinRAR, Video-Authoring mit Pinnacle Studio 9 sowie der runderneuerte SYSmark 2004.

Mit in die Rechnung sollte auch die größere Verlustleistung des Prescott einbezogen werden, von welcher der Anwender freilich nicht profitiert. Aufrüstwillige haben zudem mit dem Problem der unklaren Kompatibilitätssituation von Hauptplatinen zu kämpfen. Last but not least war unser Prescott-Prozessor so schlecht übertaktbar, dass wir auf Benchmarks verzichteten und dem 90-nm-Prozessor zum jetzigen Zeitpunkt kaum überzeugende Argumente bleiben - außer einem vielleicht: Er ist nicht teurer als Northwood.

Wer also heute einen Prescott kauft, glaubt zukunftssicher investiert zu haben. Das will uns Intel glauben machen, denn der wahre Generationswechsel steht mit Sockel 775 in wenigen Monaten erst ins Haus. Zukunftssicher(nd) ist der Prescott daher nur für Intel, zumal man die Fehler der Vergangenheit diesmal vermieden hat:

Manchmal muss die Architektur abgeändert werden, um höhere Taktraten zu erzielen - ist uns klar, wir kennen das von Pentium II und Pentium 4, der anfangs mehr als Lachnummer denn als Thronfolger der Pentium-Familie galt.

Ein solcher Architekturwechsel darf aus Erfahrung auch nicht unter einer neuen Modellbezeichnung laufen, denn Mehrleistung folgt ja erst später, mit höherem Takt - auch klar, darum heißt Prescott auch nicht Pentium 5.

Was uns aber ganz und gar nicht einleuchtet ist die Präsentation einer neuen, mit marketingfreundlichen Zahlen gewürzten Technologie kurz vor der Einführung einer neuen Plattform.

Welchen konkreten Sinn hat also dieser Durchschnitts-Prescott für den Anwender? Die Einführung von SSE3 hätte auch noch bis Frühsommer Zeit gehabt, denn die einzige SSE3-optimierte Software im Test (Mainconcept MPEG Encoder) zeigte keine Vorteile. Ohne hohe Taktraten, die Intel noch nicht im Griff zu haben scheint, ist Prescott nicht schneller als Northwood und damit zum jetzigen Zeitpunkt das fünfte Rad am Wagen; elegant als Fortschritt deklariert.

Denn Intel ist sehr wohl in der Lage, Prescott in mittleren Taktraten und großen Stückzahlen zu produzieren. Diese müssen nun Gewinn bringend verkauft werden, notfalls auch als Celeron und bei Bedarf zu Kampfpreisen - was soll’s, die Herstellung ist schließlich nicht teuer. Letzten Endes geht es gar nicht mehr um Prescotts Charakteristika - das zeigt dieser sinnlose Launch - sondern nur um einen Prozessor, der Intel für die kommenden Monate eine neue Flexibilität einbringen wird.

Das Paradoxe an der ganzen Sache ist die Tatsache, dass ein Konzern wie Intel im Sinne seiner Aktionäre gar nicht anders handeln kann. Wie sehr wünschen wir uns jetzt einen Über-Athlon von AMD, denn so unbeschwert wie jetzt konnte sich Intel vermutlich schon lange nicht mehr fühlen.

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