Overclocking
Pentium G6950: Wie man einen Clarkdale killt
Im Kapitel Overclocking gibt es, wie so oft, gute und schlechte Nachrichten. Fangen wir mit den Guten an: Beim „Warmlaufen“ für diesen Artikel schaffte unser Pentium G6950 eine Taktrate von 4,5 GHz. Wer hier ein von Intel selektiertes „Golden Sample“ wittert, irrt, denn diese CPU haben wir im Laden gekauft. Um auch in Benchmarks auf vertretbare Temperaturen zu kommen, verringerten wir den Takt auf 4,41 GHz, was immer noch eine beeindruckende Steigerung um 1,61 GHz bedeutet.
Jetzt zu den schlechten Nachrichten: Leider können wir die Ergebnisse nicht gelten lassen. Warum? Weil wir den Prozessor bei dieser Frequenz in die ewigen Jagdgründe beförderten. Nachdem wir die Temperatur auf einem akzeptablen Niveau wähnten, wurden wir offenbar ein wenig übermütig und verlangten dem armen Preiswert-Pentium zu viel ab. Den Todesstoß versetzte ihm wohl letztlich die von uns gewählte Spannung von 1,475 Volt.
Zu unserer Verteidigung möchten wir anführen, dass wir mit diesem Prozessor noch sehr wenig Erfahrung sammeln konnten. Tatsächlich ist dies der erste Pentium G6950, den wir im Labor hatten. Außerdem kündigte sich der drohende Hitzetod auf keine Weise an. Vielmehr überstand die CPU einen mehrstündigen Prime95-Lauf ohne zu murren. Nach der Hälfte der Benchmarks mit erhöhter Taktrate gab die Intel-CPU dann aber plötzlich den Geist auf. Nicht etwa beim Stress-Test mit Prime95, sondern beim schnöden Scan nach Viren mit AVG.
Deshalb steht bereits Teil Zwei zu diesem Artikel auf dem Plan, sobald unser Ersatz-Prozessor eintrifft. Dann bekommt der Pentium G6950 eine zweite Chance, sich im Overclocking-Durchlauf zu beweisen. Und ja, wir werden ein wenig zurückhaltender beim Einsatz der Kernspannung sein und uns auf 1,4 Volt beschränken. Außerdem soll dann für das Intel-System ein Mainboard zum Einsatz kommen, das in der gleichen Preiskategorie wie das ASUS M4A785TD-V EVO unserer AMD-Plattform angesiedelt ist.
Selbstverständlich können die Ergebnisse, die unser kleines Intel-System bei 4,41 GHz erzielten, nicht als repräsentativ angesehen werden – immerhin hat die CPU den Durchlauf nicht überlebt. Deshalb haben wir lange mit uns gerungen, ob wir die Ergebnisse überhaupt mit aufführen sollten. Am Ende versuchten wir, es aus der Leserperspektive zu sehen und waren uns einig: Würden wir diesen Artikel lesen, würden wir sie sehen wollen. Und auch wenn sie eigentlich bezogen auf ihre Praxisrelevanz nicht wirklich zulässig sind, kann man an ihnen doch erkennen, wie sich ein Clarkdale-Prozessor bei hohen Taktraten verhält. Außerdem ist es gut möglich, dass andere G6950-CPUs diese Taktrate bei geringerer Kernspannung besser bewältigen.
Phenom II Black Edition – OC Leicht gemacht
Mit dieser CPU kennen wir uns viel besser aus und haben schon Stunden damit verbracht, ihr per Overclocking mehr Leistung zu entlocken. Bei einer Kernspannung von 1,5 Volt, die AMDs 45-nm-Phenoms problemlos aushalten, solange man für ausreichende Kühlung sorgt, schaffte unser Phenom II X2 555 4 GHz im stabilen Betrieb. Schon 4,1 GHz waren ihm aber zu viel. Da wir also seine Grenze ausgelotet hatten, senkten wir den Multiplikator auf 19, um so den HyperTransport-Referenztakt anheben zu können und so einen zusätzlichen Leistungsschub von der schnelleren Verbindung und der höheren Speicherfrequenz zu bekommen.
Am Ende lief unser Phenom II X2 555 mit 4,065 GHz bei einem Referenztakt von 213 MHz, während der Speicher mit 713 MHz taktete (1,426 DDR).

Um mehr als 850 MHz übertaktet lief unser AMD-Prozessor komplett stabil. Die Stromsparfunktionen Cool’n’Quiet sowie C1E blieben dabei aktiviert, um so den Stromverbrauch im Leerlauf zu senken. Wir nehmen an, die meisten unserer Leser würden sich ähnlich entscheiden.
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Ich finde es nicht peinlich, wenn ein Testmagazin einen Prozessor himmelt. Immerhin gehört Extreme-Limit-Testing zu eurem Resort.
Vielmehr erschreckt mich, dass der Prozessor ohne erkennbare Anzeichen einfach abserbelt. Vielleicht war es einfach ein Montagsmodell und eine Ausnahme, denn normalerweise kündigen auch Intels ihren Unmut über exorbitante Übertaktungsversuche mit Bluescreens an, um sich zu schützen.
Zumindest haben beide Hersteller, AMD wie Intel aus der Vergangenheit gelernt. Das berühmte Bratferkel schafft man eher selten oder durch Unwissenhit, wenn man den Prozessor mit mehr als 30% mehr Spannung "versorgt" und nicht auf ausreichend Kühlung achtet (also Stickstoff oder sehr performante WaKü).
Von daher würd ich das einfach mal so sehen, dass die CPU durch widere Umstände euren Testparcours nicht überlebt hat.
Aber wenn der Intel 4,2 GHz primestable schafft, dann ist er fürs Budget durchaus brauchbar. Immerhin braucht es da bei einem AMD schon viel Glück, ihn auf 4.2 GHz primestable zu bekommen.
Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht neidisch auf Intel (habe selbst den 1090T), doch muss ich anerkennen, dass man aus den kleinen Biestern doch noch ein klein wenig mehr Pfupf rauskitzeln kann.
Dafür macht das AMD über den Preis wieder etwas wett... und wenn wir ehrlich sind... wer schafft es schon, seinen 4- oder 6-Kerner regelmässig an den Rand der Verzweiflung zu treiben, wenn er nicht regelmässig Numbercrunching macht oder mehrere Killerapps parallel laufen hat.
Ich finde es gut, dass ihr euch entschieden habt den Versuch und seine Folgen mit in den Artikel aufzunehmen. Das zeigt nur, dass die hohen MHz-Zahlen nicht selbstverständlich sind.
Ich finde die Clarkdale-CPU allerdings nicht sonderlich interessant, denn wenn jemand ein günstiges System zusammen bauen möchte, wird er sich wohl wegen der deutlich größeren Prozessorauswahl für ein AMD-System entscheiden. Die CPU ist wohl mehr was für OEMs.
Ihr kommt übrigens über die 4 GHz beim Phenom II wenn ihr die Tests mit Win7 32bit durchführt. anandtech.com hat sich darüber mal ausgelassen. Im Ergebnis haben sie es allerdings genau so gemacht wie ihr, man nimmt trotzdem 64bit und beschränkt sich auf 4 GHz.
Hm da bleibt die Frage, ob ein Athlon II mit 4 Kernen zum gleichen Preis das Bild noch etwas veraendert haette. Schliesslich sind gemaess AMD die Athlons die LowBudget Prozessoren.
Ich sehs jetzt mal nicht so tragisch, dass es den Pentium himmelte. So weis man wie die grenzen wirklich liegen. Somit sollte das jeder Übertakter als Warnung sehen und weis somit wo und wann er aufhören muss.
Andererseits, ein Hoby Bastler geht wohl auch etwas anders ans Übertakten. Denn so ne CPU zu himmeln ist immer eine Geldfrage.
Andererseits fide ich den Test auch ohne alle OC Ergebnisse interessant. Beide CPUs haben ihre Stärken und Schwächen. Wer sein Augenmerk auf Spielen legt, ist mit dem AMD besser beraten, für Office Anwendungen sehe ich Vorteile für den Intel.
Was auch noch interessant wäre für den Nachtest, wenn schon extrem, dann alles, lassen sich beim AMD noch Kerne freischalten? Ich selbst habe den Vorgänger (X2 550 BE) und dies funktionierte wunderbar bei mir. Und man merkt den Unterschied schon gewaltig zwischen zwei und 4 Kernen.
... warum erwähnt in dem Test keiner, dass man den Phenom X2-555 recht einfach per BIOS (in den allermeisten Fällen) zum X3 oder gar zum X4 freischalten kann? DAS nenne ich mal einen klaren Vorteil bei dem Preis
Habe selbst einen X2-550 als X3@4,1 Ghz laufen - und das für 80 Euronen...
Weil das halt nicht bei allen funktionieren wird. Bei den Prozessoren, bei denen es klappt, Glueckwunsch. Und ich denke, die Geschichte mit dem freischalten sollte laengstens bekannt und durchgekaut worden sein. Zumindest forumweit...und jene, die es nicht wissen, lassen es lieber:-)
@tuxpert: ich geb dir vollkommen Recht und schließ mich deiner Meinung an
@benkraft: Core Unlocking hätte man wenigstens erwähnen müssen, wenn man schon auf Overclocking testet. Ein X3 wird es in fast jedem Fall, oft gar ein X4. Da´s ist ein gewaltiger Mehrwert bei dem man bei AMD auch bezahlt. Der X2 555 ist preislich schon relativ hoch angesiedelt für einen X2. Ich denke auch dass ein Athlon X2 260 ein fairerer Gegner gewesen wäre. Zum Einen ist das wirklich low-budget, zum Anderen ist es dann ein echter X2 und nicht ein X4 mit 2 abgeschalteten Cores, die aber immer noch gewaltig Leckströme erzeugen. Das ist einfach nicht ganz fair. Und L3-Cache wäre jetzt nicht das, was die meisten füe einen Low-Budget Rechner brauchen.
Also Nachtest mit einem Athlon zusätzlich wäre super und Core Unlocking gehört erwähnt. Wer sich fürs Übertakten begeistern kann, der wird auch am Unlocking gefallen finden. Und wenn man einen i5 750 mit in den Test nimmt, dann vielleicht auch einen X4 (640,945 oder 955). Sonst spannender Test, vor allem das der Pentium einfach so stirbt, übertakte ja auch und hab mich bisher auch auf Temperaturen verlassen und dann keine Sorgen mehr gemacht. Die Temperatursensoren messen natürlich nie wirklich die korrekten Temps.
Grüße
@benkraft: Core Unlocking hätte man wenigstens erwähnen müssen, wenn man schon auf Overclocking testet. Ein X3 wird es in fast jedem Fall, oft gar ein X4.
Wie immer, danke fürs Feedback!
An sich richtig. Es ging aber eben wirklich darum, wie sich die beiden CPUs als reine Dual-Core-Prozessoren schlagen. Es sind die beiden schnellsten und modernsten Vertreter ihrer Art (echte Zweikerner ohne HT) bei Intel und AMD, die auch noch preislich fast gleichauf liegen (zumindest beim CPU-Preis). Das interessierte uns.
Dass man mit ein wenig Glück tatsächlich ein oder sogar zwei Kerne beim AMD freischalten kann, stimmt. Das ist aber auch hinlänglich bekannt, und wie sich ein Phenom II X3 bzw. X4 schlägt, ist ebenfalls nichts wirklich Neues. Dazu gibt es schon Benchmarks zur Genüge, unter anderem ja auch bei uns.
Wie so oft kann man es nicht allen recht machen. Hätten wir den Phenom II unlocked, hätte sich die Intel-Fraktion gemeldet und gefragt, warum wir dann nicht gleich den Core i3-530 genommen haben (oder so). Hätten wir den X2 260 genommen, wäre AMD im Nachteil gewesen, denn der Pentium G6950 besitzt ja nun mal wieder L3-Cache... Oder man hätte Athlon II X2 und einen Core 2 gegenüberstellen können, was aber auch schon ad nauseam im Internet zu finden ist.
Wie gesagt: Es ging um die aktuellen und schnellsten reinen Zweikerner auf preislich ähnlichem Niveau.
Alles klar. Macht dann schon Sinn so. Danke für die Begründung.
Sehr schöner und vor allem stingenter Test. Nach der Begründung von Benkraft ist es komplett richtig, dass nicht versucht wurde die Cores freizuschalten. Auch dass ihr euer "Missgeschick" veröffentlicht habt finde ich sehr löblich. Auch die Begründung, warum genau diese CPUs getestet wurden, ist nachvollziehbar.
Auf Seite 6 finden sich zwischen den Bench-Grafiken noch 2 unübersetzte Absätze.
Ansonsten: Weiter so!
Holt euch einfach einen neuen G9650 und holt die Tests mit moderater Taktrate nach, selbst 2x4 Ghz sollten doch reichen.Wird noch manch einer neidisch drauf sein.
@Jean Luc - Danke, ist behoben.
@impaled - Teil II folgt bald, da geht dein Wunsch in Erfüllung
Richtig schöner Test, fast sogar mein derzeitiger Wunschtest.
Mein Wusch wäre der i3-530 gewesen im OC Test. Um zu sehen wie nah er an den I5-750 ran kommt. Da er über HT verfügt ist die Frage nicht unberechtigt.
Ihr habt ja glaub ich sogar einen da.
Nur schade, dass der G9650 drauf gegangen ist. Ich warte auf jeden Fall gespannt darauf, daß ihr nen neuen bekommt, und vielleicht nehmt ihr ja dann den i3 530 mit rein oder testet ihn mal seperat.
DAAANNNKE!
Endlich mal ein Duell zwischen dem wohl letzten Desktop-Pentium seiner Art und dem Phenom 2 555.
Irgendwie hemdsärmlig, daß nach dem Abschuss des 1. Prozzesors kein 2. gekauft wurde...
Exzellenter Test, die Ausscheidung des Intels war Tragisch jedoch Richtig in der Entscheidung kein 2. Model nachzukaufen, ein KO ist ein KO.
Eine Frage stellt sich mir beim Cool and Quiete des Phenom II, bei den meisten Boards schaltet sich das Cool&Quiete ab wenn man mit dem Multiplikator hoch geht, wie war das bei eurem Board?
für einen 10er mehr gibts einen Intel® Core™ i3-530 mit mehr L3 cache und HT :-) von da her ist der G9650 SINNLOS !!!
@Iraklis: für einen weiteren 10er gibt es einen X3
wo fängst du an und wo hörst du auf?
manch einer wird sagen, ok der ist es.2x4 Ghz reicht, schöne Graka, fertig ist die Semmel.