Google lüftet den Schleier um Project Ara

Die Idee eines modularen Smartphone sorgt vor allem bei PC-Enthusiaten für leuchtende Augen, die sich ein leistungsfähiges Smartphone auf ihre individuellen Bedürfnisse anpassen wollen. Konzepte wie Googles Project Ara (aber auch andere wie das Puzzlephone and Vsenn) versprechen genau diese Flexibilität, wirkten bisher jedoch noch eher wie eine Utopie. Das ändert sich nun.

Fahrplan

Google eröffnete die zweite Project-Ara-Entwicklerkonferenz mit der Ankündigung, im Laufe des Jahres eine erste Version am Markt testen zu wollen. Gegen Ende 2015 soll der offizielle Launch stattfinden.


Mit dem heute vorgestellten zweiten Prototypen, Spiral 2 genannt, werden eine Reihe neue Schlüsselfunktionen genauso wie 11 weitere Modul-Prototypen vorgestellt, die die Entwickler als Referenzdesign für ihre eigenen Kreationen verwenden können. Bis Jahresende sollen 20 bis 30 verschiedene Module zur Verfügung stehen, die in drei Kategorieren angeboten werden sollen. Außerdem wurde die Version 0.20 der MDK veröffentlicht.


Die größte technische Veränderung im Vergleich zum ersten Prototypen Spiral 1, der 2014 vorgestellt wurde, ist zweifelsohne der Wechsel vom FPGA- zum ASIC-Standard beim UniPro-Protokoll, was nach Ansicht der Entwickler zu einer Steigerung der Performance in der Kommunikation zwischen den einzelnen Modulen führen soll. Gleichermaßen können die Einzelkomponenten nun mit dem Endoskelett - also dem Rahmen des Smartphones - kommunizieren.


Prinzipiell ist UniPro ein auf Schichten basierendes Protokoll, das eine effektive Kommunikation zwischen Geräten und Komponenten bewerkstelligen soll und unterschiedlichste Inhalte - von Daten und Streams bis zu Anwendungsprozessen - übertragen kann. Es wurde speziell für den Einsatz in einem mobilen Umfeld entwickelt und erfüllt somit die Anforderungen nahezu ideal, die von einem modularen Smartphone gestellt werden, bei dem einzelne Teile mit einem Endoskelett in Verbindung treten.


Eine weitere Veränderung wurde beim Elektropermanentmagnet vorgenommen, der die einzelnen Module im Rahmen, aber auch untereinander zusammenhält. Zudem wird ein 3G-Modem unterstützt. Der analoge RF-Bus, der nun Teil des Rahmens geworden ist, sorgt dafür, dass sich mehr als ein Modul mit dem Modem verbinden kann. Damit kann der Funkchip beispielsweise auf mehrere Antennen zugreifen, die mit dem Endoskelett verbunden sind.


Das Entwicklerteam hat außerdem Fortschritte bei der Benutzeroberfläche der zugehörigen Handelsplattform gemacht, auch wenn eine schicke UI noch keinen funktionfähigen Marktplatz macht. Es stehen nun eine Vielzahl von Komponenten für den Konfigurationprozess zur Verfügung.

Zudem wurden die Reiter "Specs", "Phone", "Stash" und "Market" eingeführt. Bei der Demonstration wurde der Erklärung der einzelnen Sektionen zwar nicht sonderlich viel Zeit eingeräumt, doch immerhin scheint die Bedienung nun flüssig von der Hand zu gehen. Dem Nutzer wird eine Darstellung des Endoskeletts angezeigt, dem per Wischbewegung einzelne Module hinzugefügt oder entnommen werden können.


Das Ergebnis der Zusammenstellung kann aus mehren Blickwinkeln betrachtet werden. Aktuell können beispielsweise ein Kamera- und ein USB-Modul, aber auch ein Pedometer, ein Thermometer u.v.m. ausgewählt werden. Unter einem eigenen Reiter können die Kosten, die mit der Zusammenstellung verbunden sind, im Blick behalten werden. Schwierigkeiten gibt es offensichtlich noch beim Abschließen des Vorgangs, der bei der Demonstration mit einem Fehler endete.

Puerto Rico?

Eine der Ankündigungen, die sicherlich am meisten überrascht hat, betrifft das Land, das für einen ersten Testlauf auserkoren wurde: Puerto Rico. In der Pressemitteilung erklärt die Softwareschmiede ihre Gründe.

Das kleine Land in Mittelamerika bietet dem Hersteller eine ganze Reihe von Vorteilen: Zunächst ist die Anzahl der aktiven Provider begrenzt, was den Marktstart vereinfacht. Das kleine Land hält einen begrenzten Kundenkreis bereit, sodass der Aufwand für eine notwendige Infrastruktur im Rahmen gehalten werden kann. Auftretende Kinderkrankheiten können vor dem offiziellen Start beseitigt werden und beschädigen nicht vorschnell den Ruf des modularen Konzepts.

Zudem sind die Nutzer weitweniger technikaffin. Damit können zum einen umfassendere Erfahrungen mit Otto-Normal-Nutzern gesammelt werden, zum anderen werden fehlende Funktionen - beispielsweise ein nicht vorhandenes LTE-Modul - weniger stark kritisiert.

Warten auf Spiral 3

Daneben hat Google auch schon erste Andeutungen zu dem gemacht, was vom kommenden Spiral-3-Prototypen erwartet werden kann: Eine induktive Datenkommunikation soll die Kommunikation zwischen Modul und Endoskelett auch dann aufrecht erhalten, wenn kein physischer Kontakt besteht. Daneben sollen leistungsstärkere Akkus sowie ein 4G/LTE-Modem angeboten werden. Außerdem wird es neue Prozessoren geben, denn zukünftig wird sich auch Rockchip zu den SoC-Lieferanten gesellen. 

Abzuwarten bleibt, ob Spiral 3 ein Standard-Android als Betriebssystem nutzen wird. Einen eigenen Android-Fork lehnen die Google-Entwickler zwar ab, aber die Modul-Kommunikation, Hot-Swap-Fähigkeit und andere speziell für das modulare Smartphone gedachte Features machen im Standard-Betriebssystem wenig Sinn.

Mit Spiral 3 dürfte sich die aktuell mit 50 Partnern schon eindrucksvolle Liste weiter verlängern, der für das Ara-Smartphone bestimmte Online-Shop sollte dann funktionieren und auch die MDK dürfte in der neuen Version 5.0 veröffentlicht werden.

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1 Kommentar
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  • rroman
    Warum wurde die "Zusammensetllung" von der UI nicht an die seit Jahrzenten perfektionierte Oberfläche der Computerspile angepasst? Jedes zweitbeste Weltraumsim und einige Strategiespiele haben Schiffs/Unit-Konstruktor.
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