ATI Radeon HD 5830 - Die letzte Lücke wird gefüllt

Die letzten Monate sind stark von ATI-Produktvorstellungen geprägt. In der Tat, es ist seit Oktober kein Monat vergangen, in dem nicht mindestens eine neue Karte vorgestellt wurde. Man sollte denken, dass nun bald Schluss sein müsste; immerhin ist das Portfolio an DirectX-11-Karten eigentlich komplett, deckt es doch die gesamte Spanne vom Einstiegsbereich (Radeon HD 5400-, 5500- und 5600-Serie) über die Mittelklasse (HD-5700-Serie) bis hin zum High-End (HD-5800-Serie und HD-5970) ab.

Von Nvidia hört man derzeit nicht viel Konkretes. Stattdessen streut man geschickt Informationen über den heiß ersehnten neuen Grafikchip mit dem Codenamen Fermi und der Familienbezeichnung GF100. Mal twittert man, wie der Name lauten wird, mal nutzt man Facebook, um eine Ankündigung anzukündigen. So oder so, auf die Karten muss man warten. Derweil werden munter die „fabelhaften GPUs“ der aktuellen Generation eins ums andere Mal umbenannt. Also, zurück zu AMD/ATI.

Wo soll diese neue Karte aber ins Gefüge passen, wenn schon alle Posten besetzt sind? Ganz so dicht sind die Chips gerade zum oberen Ende hin dann doch nicht gestaffelt; es klafft eine riesige Lücke zwischen der Radeon HD 5770 als Topmodell der Mittelklasse (ab 110 Euro) und der HD 5850 als Einstiegsmodell im Enthusiast-Bereich (ab 240 Euro). Nvidia füllt diese Lücke gern mit der GeForce GTX 260 Core-216 (ab 150 Euro) oder theoretisch der GTX 275 (ab 180 Euro), die aber weit schwieriger zu finden ist. Im High-End ist man dann mit der GeForce GTX 285 vertreten, die preislich aber wieder zwischen der HD 5850 und der HD 5870 liegt.

Bislang gab die Radeon HD 4890 noch den Part des Lückenfüllers zwischen der neuen Mittel- und Oberklasse, doch zum Einen ist diese Karte nicht DX11-kompatibel, zum Anderen verschwindet sie zusehends aus den Händlerregalen, wo sie derzeit in homöopathischen Dosen noch ab 165 Euro zu finden ist. Also muss eine neue Lösung her, und die hat ATI nun in Form der Radeon HD 5830 vorgestellt.

Je nachdem, wie sich die HD 5830 schlägt, könnte sie eine würdige Nachfolgerin für die HD 4890 darstellen. Der Launch-Preis von 239 US-Dollar ist allerdings recht hoch angesetzt. Sicher, die HD 4890 kostete bei ihrer Enthüllung ähnlich viel, doch sieht das Leistungsgefüge heute grundlegend anders aus. Andererseits basiert die neue Karte aber auf der Cypress-GPU, die auch die beiden High-End-Modelle HD 5850 und 5870 befeuert, was eigentlich gute Performance verspricht. Außerdem sollte man nicht außer Acht lassen, dass der Markt sich selbst reguliert. Soll heißen: Es sollte nicht allzu lange dauern, bis die Preise sinken und sich anhand der gebotenen Leistung im Preisgefüge einordnen. Prinzipiell ist dieses Produkt also keine schlechte Idee, doch ist gut gemeint nicht automatisch gut gemacht.