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AMDs Radeon HD 7770 und 7750 im Test: Sehr effizienter Performance-Stillstand

AMDs Radeon HD 7770 und 7750 im Test: Sehr effizienter Performance-Stillstand
Von , Chris Angelini, Igor Wallossek

Heute stellt AMD die kleinsten Vertreter der Graphics Core Next Generation vor. Rechtfertigen die 28-nm-Fertigung, ein neues Design und neue Funktionen ein Upgrade von bisherigen Preis-Leistungs-Siegern wie Radeon HD 6850 oder GeForce GTX 460?

Seit kurzem geben wir in unserer Serie Die besten Grafikkarten fürs Geld einen Überblick, welche Karten wir in den verschiedenen Performance- und Preisklassen für besonders empfehlenswert halten. Aufgrund der Marktpreise schwanken die Empfehlungen natürlich, doch hat sich gerade in der Klasse bis 150 Euro gezeigt, dass AMD mit der Radeon HD 6870, 6850 und darunter mit der HD 6670, sowie der HD 5570 recht starke Karten im Angebot hat, was das Preis-Leistungs-Verhältnis anbelangt. Die Konkurrenz ist allerdings ebenso stark in diesem heiß umkämpften Segment. Verständlich, dass AMD in diesem Bereich, der aufgrund des Preises auch für viele Käufer mit etwas geringerem Gaming-Anspruch interessant ist, auch weiterhin gut aufgestellt bleiben möchte.

Nachdem man mit der kurz vor Jahresende 2011 vorgestellten Radeon HD 7970 alias Tahiti XT und der im Januar erschienenen Radeon HD 7950 (Tahiti Pro) bereits das High-End abgedeckt hat, schaltet AMD nun zwei Gänge zurück und versucht, das Portfolio im Einsteiger- und Mittelklassebereich mit neuen Karten auszubauen. Diese Familie trägt die Bezeichnung HD 7700 und wird wie die Tahiti-Chips der Flaggschiff-Karten in 28 nm gefertigt. Außerdem nutzen die Neuvorstellungen die gleiche GCN-Architektur (Graphics Core Next), die auf GPU-Berechnungen hin optimiert worden ist, und bringen andere Boni wie eine anständige Multi-Monitor-Unterstützung und eine dedizierte Video-Encoding-Einheit mit – zumindest auf dem Papier, doch dazu später mehr. 

Leicht werden es die neuen Karten aber nicht unbedingt haben, und das liegt nicht mal an den konkurrierenden Nvidia-Angeboten. Die ärgsten Rivalen kommen aus eigenem Hause, denn wie eingangs erwähnt, hat AMD bereits einige bezahlbare Modelle im Angebot, die durchaus angemessene Performance  bieten.

High-End? Check. Low-End? Check.

AMDs Umstieg auf die GCN-Architektur ist also nun in vollem Gange. Die HD-7900-Serie mit Tahiti-GPUs zeigte bereits, was für Rechenleistung in diesem neuen Design auch abseits der Grafikaufbereitung steckt. Die beiden Modelle Radeon HD 7770 und 7750 bringen GCN nun in den Einsteiger- und unteren Mittelklassebereich. Beide Karten basieren auf einer GPU mit dem internen Codenamen Cape Verde, die wie erwähnt in 28 nm gefertigt wird, sich aber je nach Karte im Ausbau unterscheidet.

Im Gegensatz zur Tahiti-GPU, die ihre 4,31 Milliarden Transistoren auf einem 365 mm² großen Die unterbringt, sind die 1,5 Milliarden Schaltkreise und die Die-Größe von 123 mm² geradezu schlank zu nennen. In voller Ausbaustufe besitzt Cape Verde 10 Compute Units, die jeweils vier Vector Units mit je 16 Stream Processors enthalten. Insgesamt kommt man also auf maximal 640 Shader mit neuer GCN-Architektur.

Cape Verde bringt vier ROP-Partitionen mit, also nur halb so viele wie Tahiti. Maximal sind so also 16 Rasteroperationen pro Takt möglich. Per Crossbar-Verbindung kommunizieren diese Partitionen mit zwei 64-Bit-Speichercontrollern; Cape Verde hat also ein 128-Bit-Speicherinterface.

Wie man sieht, ist AMD ist einen interessanten Weg gegangen, um vom Tahiti-Chip der Radeon HD 7970 zu Cape Verde in der 7700-Familie zu gelangen. Der kleine Chip besitzt 31 Prozent der Shader, 50 Prozent der ROP-Partitionen, 66 Prozent des L2-Caches und nur 27 Prozent des maximalen Speicherdurchsatzes der Flaggschiff-GPU. AMD erklärte uns, dass sich nach vielen Simulationen diese Konfiguration als diejenige herauskristallisiert habe, die die beste Performance bot. Das Ziel war dabei nach eigenen Angaben, spielbare Performance bei 1920x1080 zu erreichen. Die Performance mag also bei höheren Auflösungen mit Anti Aliasing abfallen, doch ist das bei einer Einsteiger- bis Mittelklassekarte durchaus akzeptabel. Man sollte sich aber gleich aus dem Kopf schlagen, mit dieser Karte auf mehreren Monitoren spielen zu können.

Noch klafft zwischen der High-End und Einsteigerklasse eine Lücke, lange wird das aber nicht mehr der Fall sein. Den Bereich, in dem derzeit die Radeon HD 6870 und die 6900-Familie zu finden sind, soll schon bald eine dritte GCN-GPU ausfüllen, die den Namen Pitcairn trägt. Aber alles zu seiner Zeit…

Radeon HD 7770 und 7750

Offiziell heißt die schnellere der beiden Cape-Verde-Karten Radeon HD 7770 GHz Edition, ein Hinweis darauf, dass die Karte mit einem Kerntakt von eben 1 GHz läuft. Aus AMDs Sicht ist dies ein Meilenstein, und alle Partnerkarten werden diese Bezeichnung tragen, unabhängig davon, ob sie mit Referenztakt oder erhöhten Taktraten und eigenem Kühler antreten. Andererseits ist es kein Geheimnis, dass der Kerntakt nur eine Variable ist, die sich am Ende auf die Performance auswirkt. Insofern hinterlässt der Beiname einen faden, effektheischenden Marketing-Beigeschmack

Die 1 GHz schnelle Cape-Verde-GPU der Radeon HD 7700 kann auf alle 640 Shader zurückgreifen und erreicht damit eine theoretische Rechenleistung von 1,28 TFLOPS. Da jede der Compute Units vier Textureinheiten enthält, sind es bei der HD 7770 insgesamt 40 an der Zahl. Auch das Backend läuft in voller Ausführung und besitzt vier ROP-Partitionen und einen 128 Bit breiten Speicherbus, an dem 1 GB GDDR5-Speicher mit einem Takt von 1125 MHz hängt.

Mit einer Länge von 21,6 cm ist die Radeon HD 7770 fast genauso lang wie die Radeon HD 5770, gegen die sie sich unter anderem in diesem Feld behaupten muss. Doch wo sich die alte Juniper-basierte Karte eines Radiallüfters bedient, um sich der warmen Kühlluft zu entledigen, trägt die Radeon HD 7770 einen zentral angeordneten Axiallüfter, der auf einem extrudierten Aluminiumkühlkörper sitzt. Normalerweise sind wir nicht gerade Fans von Kühllösungen, die ihre Abluft einfach wieder im Gehäuse verwirbeln, allerdings liegt die TDP mit 80 Watt niedrig genug, dass sich die zusätzliche Wärme nicht wirklich auf die anderen Komponenten auswirken sollte.

Thermisch sind die 80 Watt also kein Problem, bedeuten aber, dass sich die Karte beim Strom nicht allein aus dem PCI-Express-Slot versorgen kann; der darf nur maximal 75 Watt bereitstellen. Deshalb trägt die HD 7770 einen zusätzlichen Sechs-Pin-Stromanschluss. Der Fortschritt gegenüber der HD 5770 ist aber deutlich, denn die alte Karte war mit 108 Watt angesetzt - das sind beinahe 30 Watt mehr. Die HD 7770 baut ihren Stromsparvorteil dank ZeroCore sogar noch weiter aus, wenn der Bildschirm sich in den Standby schaltet, denn dann soll die gesamte Karte weniger als 3 Watt aufnehmen.

Auch wenn eine der beiden rückwärtigen Blenden für die Entlüftung reserviert ist, finden sich mit einem Dual-Link DVI-Ausgang, einem HDMI-Port in voller Größe und zwei mini-DisplayPorts eine gute und flexible Auswahl an Anschlussmöglichkeiten. Theoretisch kann die Karte sogar bis zu sechs Displays gleichzeitig ansteuern, aber dazu fehlen derzeit noch die passenden DisplayPort 1.2 Multi-Stream Transport Hubs.


Radeon HD 7770
Radeon HD 7750
Radeon HD 6850
Radeon HD 5770
Stream processors
640
512
960
800
Textureinheiten
40
32
4840
ROPs
16
16
3216
GPU-Takt
1000 MHz
800 MHz775 MHz850 MHz
Texturfüllrate
40 Gtex/s
25.6 Gtex/s
37.2 Gtex/s49.4 Gtex/s
Speichertakt
1125 MHz
1125 MHz1000 MHz1200 MHz
Speicheranbindung
128-bit
128-bit256-bit128-bit
Speicherdurchsatz72 GB/s
72 GB/s
128 GB/s76.8 GB/s
Grafikspeicher
1 GB GDDR5
1 GB GDDR5
1 GB GDDR51 GB GDDR5
Die-Größe
123 mm2
123 mm2
255 mm2166 mm2
Transistoren (Milliarden)
1.5
1.5
1.71.04
Strukturbreite
28 nm
28 nm40 nm
40 nm
Stromanschlüsse
1 x 6-pin
None1 x 6-pin
1 x 6-pin
max. Leistungsaufnahme
80 W
55 W
127 W
108 W
PCI Express
3.0
3.0
2.0
2.0
Preis
159 € (UVP)
109 € (UVP)
~120 € (Straße)
~100 € (Straße)

Obwohl beide Cape-Verde-Karten auf dem gleichen Chip basieren, würde man die Radeon HD 7750 optisch nicht in der gleichen Familie wie ihre große Schwester einordnen – sie geht einen ganz anderen Weg. Dank ihrer maximalen Leistungsaufnahme von 55 Watt kommt sie beispielsweise komplett ohne zusätzliche Stromanschlüsse aus; ihr reicht der PCI-Express-x16-Slot als Stromgeber. Außerdem ist die Karte mit einer Länge von 16,5 cm klein genug, um auch in besonders engen Gehäusen untergebracht zu werden, zum Beispiel kleinen Desktops oder HTPCs. Bemerkenswert ist auch, dass die HD 7750 mit einer relativ einfachen Single-Slot-Kühllösung auskommt. Es ist schon eine Weile her, dass wir eine ernstzunehmende Karte mit einem so einfachen Kühler gesehen haben.

Natürlich klappt all das nicht ohne gewisse Kompromisse. AMD hat beim kleineren Cape-Verde-Modell zwei der CUs abgeklemmt, womit der HD 5570 noch 512 funktionierende Shader und 32 Textureinheiten bleiben. Außerdem liegt der Kerntakt mit 800 MHz niedriger, womit die theoretische Rechenleistung auf 819 GFLOPS sinkt. Am Back-End ändert AMD glücklicherweise nichts, und so findet man auch beim kleineren Chip vier ROP-Partitionen und einen 128-Bit-Speicherbus, an dem 1 GB GDDR5-RAM bei 1125 MHz hängt.

Laut AMD kann auch die HD 7750 bis zu sechs Bildschirme antreiben. Da sie aber nur einen Dual-Link DVI-Anschluss, einen HDMI-Ausgang und einen mini-DisplayPort-Ausgang mitbringt, dürfte sich die Umsetzung einer solchen Konfiguration noch schwieriger als bei der HD 7770 gestalten.

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  • Derfnam , 15. Februar 2012 09:15
    Moinsen.
    Vielleicht kann sich ja noch wer der Schaubilder auf der vorletzten Seite (2D) annehmen und die beiden Testprobanden einröten.
  • crazymath , 15. Februar 2012 10:01
    Da kann man sich eigentlich nur auf die mobilen Varianten freuen. Da dürfte auf jedenfall ein recht deutlicher Leistungssprung möglich sein.

    Im Desktopbereich kann man sich auf den Abverkauf der HD68xx freuen:-) Die müssen ja auslaufen, damit die HD77xx überhaupt nur ein bisschen Erfolg haben werden.
  • leckmichfett@guest , 15. Februar 2012 10:12
    Erinnert mich stark am Bulldozer-Lunch, man kann es sogar nochmal toppen - Und das größte übel imo, keine Karten in diversen Preisvergleichen zu finden.

    Passt zu der gestern veröffentlichten Meldung, dass ein technischer Leiter der Grafiksparte gegangen ist ;) 
  • FormatC , 15. Februar 2012 10:37
    Naja, also lunchen will ich so eine Karte nicht. Die liegt mir eh schon schwer im Magen ;) 
    Maximal wen lynchen...
  • benkraft , 15. Februar 2012 11:12
    Wäre halt ein Business-Lunch zum Abgang. :D 
  • leckmichfett@guest , 15. Februar 2012 11:28
    Da laden wir die Herren Albrecht/Strömer und Wellendorf noch mit ein, damit so ein Lunch richtig Lustig wird :D  :D  :D 

    Das wird alles andere als ein Lynch, von David ist nicht die Rede ^^
  • Gnorgel , 15. Februar 2012 13:57
    Dieser Launch scheint wirklich sowas wie ne 6850 Promo-Aktion zu sein - allerdings könnte es auch leicht passieren dass sich einige Leute die was in der 150 Euro-Klasse suchen - ebenso wie ich - ne gtx560 holen, 10% Aufpreis für 20-70% mehr Performance ist ok.
    Na gut der Stromverbrauch wird sicher nochmal 10 Euro im Jahr ausmachen, aber das ist in Anbetracht der Mehrleistung immernoch verschmerzbar.
  • markus88@guest , 15. Februar 2012 16:37
    Und was ist mit der 5850???
  • FormatC , 15. Februar 2012 17:10
    Bisschen arg alt...
  • xxl-et , 15. Februar 2012 20:40
    Ist eine 7750 als low profile Variante machbar/angekündigt?
    Die leistungsstärkste Alternative bisher war eine 6670, die aber zum gelegentlichen Zocken im kleinen Schnuckelgehäuse kaum zu gebrauchen ist, v.a. für 80Euro als low profile Variante. Die 7750 hätte bei ähnlichem Verbrauch fast die doppelte Performance.
    Danke für den schönen Test.
  • Siegeszug 2000 , 15. Februar 2012 20:50
    Ist es nicht schon immer so gewesen, das bei der neuen Generation die schwächere Abteilung so schnell ist wie die der alten Generation?
    HD4770 = HD3850
    HD5770 = HD4850
    HD7770 = HD6850
    Die HD6850 war ja nicht so richtig der Nachfolger der HD5850 ;-)
  • FormatC , 15. Februar 2012 21:39
    HD 7770 = HD6770 / HD5770 (hochgelabelt)

    Die HD 7790 ist die stromsparendere HD 6790. Mehr nicht. Die 4770 war 40nm und lief außer der Reihe ;) 
  • ashrakk , 15. Februar 2012 22:45
    Die HD 7750 trägt einfach nur die falsche Bezeichnung. Mit einem Verbrauch von maximal 55 Watt würde sie eine perfekte, neue HD 7670 abgeben. Und 109 € UVP? Warten wir es doch einfach ab, wie sie sich am Markt preislich einpendeln wird.
  • Techniker Freak , 16. Februar 2012 00:29
    Lücken im Portfolio waren ja zu erwarten aber die jetzige Aktion ist etwas hirnlos. Die 78xxer müssen ja nun den gesamten Bereich bis zur 7950 1,5GB abdecken. Das schreit nach einer 7830 und 7890, sonst bieten sie Nvidia eine riesen Angriffsfläche.
  • Denken , 16. Februar 2012 08:47
    Die aktuellen Gamingkarten sind im Grunde alle inakzeptabel laut und Strom hungrig im Gamingbetrieb. Hier sollte schon lange mal was passieren.
  • Derfnam , 16. Februar 2012 08:53
    Blödsinn. Die GTX 560 Ti ist im Gegenteil eine der leisesten Karten überhaupt im Gamingbereich. Mit der Originalkühlung. Das geht aus jedem Test dieser Karte hervor.
  • FormatC , 16. Februar 2012 09:14
    Sie lässt sich aber nicht wirklich passiv kühlen. Alles andere als leise zu bezeichnen ist pure Blasphemie - die 560 Ti ist nur weniger laut.
    Lüfter stinken eigentlich immer :D 
  • Derfnam , 16. Februar 2012 09:19
    Von dem Wunsch nach ner passiven Kühlung les ich nix und den 2. Satz bis zum Bindestrich versteh ich nicht.
  • FormatC , 16. Februar 2012 09:29
    Ich finde auch die Referenz 560 Ti zu laut. Im Büro-PC direkt neben mir war eine drin - nervt tierisch (der PC steht nun mal oben auf dem Schreibtisch). Ein wenig Grafikpower brauche ich aber zum Arbeiten. Nach 5 Minuten GPGPU lärmt aber auch deren Miefquirl wie bekloppt - entsorgt und durch eine (leider viel langsamere) passive GTS 450 ersetzt. Geht aber immer noch angenehmer und die paar Sekunden mehr nehme ich gern in Kauf.

    Wenn schon 28nm, dann gleich alles unter 100 Watt auch passiv anbieten. Ich bin kein Freund von billigen Propellermaschinen im PC, wenn ich da auch noch arbeiten muss. ;) 

    Mit leise ist es wie mit kalt. Eigentlich gibts so was gar nicht, denn es ist am Ende nur weniger laut bzw. warm :) 

  • Derfnam , 16. Februar 2012 09:41
    Okay, aber welcher Bürocomputer ist schon mit ner 560 Ti bestückt? Es ging mir mehr darum, das alles in Relation zur Leistung zu betrachten und nicht irgendwelche Pauschalurteile wie inakzeptabel laut und stromhungrig (ich hab echt versucht, das wie oben zu schreiben, aber das tat zu weh^^) zu fällen, ohne - Aufpassen!- nachzudenken^^.

    Apropos laut und stinken:
    http://failblog.org/2012/02/01/crazy-parenting-fails-parenting-fails-this-is-why-babies-shouldnt-have-teeth/

    :D 
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