Immer schön cool bleiben: Sapphire RX Vega64 Nitro+ im Test

Spannungsversorgung und detaillierte Platinenanalyse

Platinen-Layout

Sapphire weicht bei der Gestaltung der Platine durchaus deutlich von AMDs Referenzdesign ab. Das ergibt an vielen Stellen sogar einen Sinn, da die Kühlung optimiert wurde und im Vordergrund steht. Durch den Wegfall der externen Speichermodule kann man, wie schon auf der Referenzplatine, die Spannungsversorgung etwas sorgenfreier rund um das Package herum verteilen. Wir sehen ein ordentliches 7+1 Phasen-Design für GPU und Speicher, sowie weitere Spannungswandler für die jeweiligen Teilspannungen. Auf all diese Dinge werden wir natürlich gleich noch detaillierter eingehen.

Die drei 8-Pin-Anschlüsse sind jeweils über einer Spule angebunden, was hilft, gewisse Spannungsspitzen zu glätten. Größere Kondensatoren konnten wir jedoch hier nicht finden. Auf der Rückseite sehen wir, neben dem sehr eng bestückten Sockel des Packages, als augenscheinlichsten Part den PWM-Controller, sowie weitere Komponenten, auf die wir noch weiter eingehen werden. Beim MLCC unterhalb des Packages reicht auch X6S, weil die Temperaturen Dank des vorzüglichen Kühlers niedrig genug bleiben sollten und man somit auch nicht aus Sicherheitsgründen auf Produkte der 125°C-Klasse zurückgreifen muss.

Spannungsversorgungs-Anschlüsse

Sapphire setzt auf insgesamt drei externe Buchsen, die jeweils durch zwei parallel verschaltete 10A-Schmelzsicherungen abgesichert sind. Jeder dieser Anschlüsse nutzt eine Spule als Filter im Eingangsbereich, was durchaus löblich ist, um die Wechselwirkungen zwischen Grafikkarte und Netzteil etwas zu verringern (Spitzen). Die Spannungsversorgung über das Mainboard setzt ebenfalls auf eine (einzelne) 10A-Schmelzsicherung, sowie auf eine normale Spule mit gekapseltem Ferritkern.

Wer jetzt die sonst üblichen Shunts vermisst, der kann beruhigt sein. Da Vega kein eingangsseitiges Monitoring unterstützt, können diese Shunts entfallen. Stattdessen setzt man ausschließlich auf die Kontrolle der ausgangsseitig fließenden Ströme, was mit digitalen PMW-Lösungen ja recht einfach zu realisieren ist.

Für die Spannungskontrolle finden wir auf der Platinenrückseite gleich zwei INA3221von Texas Instruments, wobei es sich um Triple-Channel Monitoring-Chips für die High-Side und die Bus-Spannungen handelt, die auch das I2C- und SMBUS-Interface unterstützen.

Spannungsversorgung der GPU (VDDC)

Im Mittelpunkt steht wie schon beim Referenzdesign erst einmal der IR3521 von International Rectifier auf der Rückseite der Platine, ein Dual Output Digital Multi-Phase Controller, der sowohl die 7 Phasen für die GPU, als auch eine weiter Phase bereitstellen kann, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen werden. Doch zurück zur GPU und damit zu dem, was wir im Schema oben als VDDC-Block sehen. Wir zählen 14 Spannungswandlerkreise und nicht sieben. Da aber nur sieben echte Phasen erzeugt werden, doppelt man jede dieser Phasen, um die Last auf zwei Wandlerkreise pro Phase aufteilen zu können.

Für dieses sogenannte Doubling kommen insgesamt sieben IR3598 zum Einsatz, die sich ja auf der Rückseite der Platine befinden. Die eigentliche Spannungswandlung eines jeden der 14 Wandlerkreise übernehmen je ein IRF6811 auf der High-, sowie ein IRF6894 auf der Low-Side, der zudem noch die benötigte Schottky-Diode enthält. Bei beiden handelt es sich um bereits schon früher von AMD verwendete HEXFETs von International Rectifier.

Bei den Spulen setzt AMD für den VDDC- als auch den MVDD-Bereich auf das, was man gern auch als Black Diamond Choke bezeichnet und bei denen es sich im Endeffekt um speziell gekapselte Ferritkernspulen handelt, die jedoch zusätzlich an der Oberfläche mit einer Art Kühlrippen versehen wurden. Bei den anderen Spulen, wie z.B. den Teilspannungsbereichen oder bei der Eingangsfilterung kommen dann wieder die üblichen gekapselten Ferritkernspulen ohne zusätzlichen Schnickschnack zum Einsatz.

Spannungsversorgung des Speichers (MVDD)

Wie bereits kurz erwähnt, wird auch die eine Phase für den Speicher vom IR35217 mit bereitgestellt. Eine Phase reicht für die Karte völlig aus, da der Speicher deutlich genügsamer ist. Der Gate-Driver CHL815 befindet sich wieder auf der Platinenrückseite, während für die Spannungswandlung ein NTMFD 4C85M von ON Semiconductor eingesetzt wird. Dieser Dual N-Channel MOSFET realisiert sowohl die High-, als auch die Low-Side.

Weitere Spannungswandler

Die Erzeugung von VDDCI ist leistungsmäßig kein großer Posten, aber wichtig. Sie dient dem GPU-internen Pegelübergang zwischen dem GPU- und dem Speichersignal, quasi so etwas wie die Spannung zwischen dem Speicher und dem GPU-Kern auf dem I/O-Bus. Darüber hinaus erzeugt man noch eine konstante Quelle für 0,9 Volt. Diese beiden sehr ähnlich ausgeführten Spannungswandler befinden sich auf der Rückseite der Platine.

Unterhalb der GPU findet man auch auf der Oberseite der Platine noch den APL5620 von Anpec für die VPP. Dieser Ultra-Low-Dropout-Chip erzeugt die sehr geringe Spannung für den PLL-Bereich (Phase Locked Loop). Außerdem existiert auf der Frontseite auch noch eine 1,8V-Source (TTL, GPU GPIO).

Damit wären wir dann auch schon fast durch, denn der Rest ist der übliche Standard. Auffällig sind nur noch die beiden separaten BIOS-Chips ST25P20VT von ST Microelectronics, sowie zwei programmierbare 8-Bit-Controller EM88F758N von Elan, mit denen u.a. auch die RGB-Effekte und die Lüftersteuerung realisiert werden.

Erstelle einen neuen Thread im Artikel-Forum über dieses Thema
Dieser Thread ist für Kommentare geschlossen
6 Kommentare
Im Forum kommentieren
    Dein Kommentar
  • ShieTar
    Zitat:
    Es steht allerdings auch nichts dagegen, das Geld für diese Karte auszugeben, wenn man denn zu den Glücklichen gehört, die überhaupt eine ergattern können.

    Ausser vielleicht der Tatsache das es eine gute GTX 1080 schon fuer 150€ weniger gibt? Und eine 1080 Ti fuer nichtmal 50€ mehr?
  • FormatC
    Die aber ihrerseits bestimmte Dinge nicht so gut können, dafür andere besser? Ich hätte mir auch für fast das gleiche Geld eine sogenannte deutsche Premium-Marke als Auto kaufen können, die angeblich alles besser kann und länger halten soll. Nur folge ich Emotionen und gewissen privaten Überlegungen, warum ich genau dies NICHT getan habe. Und bisher bin ich immer gut damit gefahren. :)
  • ShieTar
    Mit den Transportmitteln des letzten Jahrhunderts kenne ich mich nicht aus, hätte aber gedacht das die mehr als 750€ kosten. Aber irgendwie tut das auch nichts zur Sache.

    Das es abseits vom Cryptoterrorismus Dinge gibt, die eine Vega 64 besser kann als eine 1080 Ti wäre aber noch zu beweisen. In den von dir veröffentlichten Benchmarks habe ich auf jeden Fall nichts gefunden, was auch nur Ansatzweise für eine Vega 64 sprechen würde, solange sie im Preis nicht auf das Niveau der GTX 1080 fällt.
  • FormatC
    Versuchs mal mit Rechnen. ProRender kann in einer Workstation ein Segen sein und für DaVinci Resolve gibt es von NV auch nichts so recht Passendes. Es gibt für Grafikkarten nicht nur das Gaming. Und wir hätten noch so schöne Dinge wie Low-Level-APIs. Da wird es zum jetzigen Stand für NV reichlich düster. Vega in der FE war eine grandiose Offerte für die, die was damit anfangen können. Gaming, nun ja. Je nach Spiel. Unter Wolfenstein 2 (ich habe beide Karten unter Wasser) ist sie kaum schlechter als die 1080 Ti. :)
  • ShieTar
    Under in die Render-Workstation verbaust du eine Vega64 mit 8GB anstelle der FE mit 16GB? Moeglich, aber den passenden Test solltest du noch in den Artikel einbauen. Ansonsten kommt dein Fazit halt so ziemlich aus dem nichts und steht im Widerspruch zu den Testergebnissen auf den 12 Seiten davor.
  • FormatC
    Compute-Benches gibt es wie Sand am Meer, da reicht googlen. Ich habe die FE und die normale RX in der Workstation. Die können gut miteinander. Und da die FE die primäre Karte ist, laufen sogar die Pro-Treiber auf der normalen RX sauber mit. Das ist sicher ein Bug und so gar nicht gewollt, aber es funzt. Und solange das gut geht, why not? Für eine zweite P6000 fehlt mir das Kleingeld.

    Da ich US-kompatibel bleiben muss und die aktuell keine Workstation-Sachen nehmen, bleibt so etwas erst mal außen vor. Aber - da bin ich guter Dinge - es wird sich gravierend etwas ändern. Wenn ich den Umbruch mit überlebe. Stay tuned ;)

    Es ändert nichts am überzogenen Preis, doch solange die Kunden den zu zahlen bereit sind, währe AMD samt Boardpartnern doch megahohl, die Kohle einfach liegen zu lassen. Da zählen die Meinungen Eingeweihter wie Deine und meine einen alten Furz. Es wird mitgenommen, was man kriegen kann. Angebot und Nachfrage. Straßenpreise können sich nun mal nicht nur nach unten bewegen. Traurig, aber wahr.