AMD Radeon RX 580: Chip-Kosmetik oder echter Zugewinn?

Kein April-Scherz: AMD stellt mit der neuen Radeon RX 580 die Nachfolgerin für die Radeon RX 480 vor, ändert aber am Gesamtkunstwerk nur wenig. Es sollen vor allem kleine, aber nötige Verbesserungen werden, die den Chip noch interessanter machen sollen.

Die GPU selbst ist, wie die Radeon RX570 auch, keine echte Neuentwicklung, sondern nur die Fortschreibung dessen, was AMD mit "Ellesmere" und Polaris 10 letztes Jahr begonnen hat. Da unser Launchartikel "AMD Radeon RX 480 im Test: Kann Polaris gegen Pascal kontern?" bereits alle wichtigen theoretischen Grundlagen und tieferen Informationen zur Architektur enthält, schenken wir uns die langatmige Wiederholung.

Außerdem verweisen wir in diesem Zusammenhang auch noch auf den Nachfolgeartikel "AMD Radeon RX 480 im Detail: Leistungsaufnahme, Layout und Normen" und natürlich auf unseren Artikel "Das große Radeon RX480 Test-Roundup".

Da AMD kein eigenes Referenzdesign für die Polaris-Neuauflage entwickelt hat und das alte aus bekannten Gründe wie z.B. dem unzweckmäßigen Balancing bei der Spannungsversorgung ungeeignet ist, überlässt es der Hersteller einmal mehr den Boardpartnern, die neue Radeon RX 580 für die Presse zu bemustern. Soweit also zur Einführung, denn die Unterschiede finden wir später erst im Detail.

Natürlich hat es sich AMD trotzdem vorbehalten, nur ausgesuchte Boardpartner und deren Spitzenmodelle unter den Redaktionen höchstselbst zu verteilen, was am Ende leider zu erhöhtem Unmut bei einigen, nicht berücksichtigten Herstellern auf der einen und den Redaktionen auf der anderen Seite führte, zumal einige der Karten erst ganz knapp vor den Feiertagen eintrafen. Aus Zeitgründen werden wir deshalb die kleine Schwester Radeon RX 570 erst morgen noch einmal ausführlich im Detail betrachten und nicht heute, auch wenn die Benchmarkergebnisse bereits in den Chartsgrafiken enthalten sind.

Sapphire Radeon RX 580 Nitro+ Limited Edition

Diese Karte besitzt zwei BIOS-Modi, die mit unterschiedlichen Taktraten versehen wurden. Während der Boost-Mode der Limitied Edition mit 1450 MHz und deren Silent-Mode mit 1411 MHz noch relativ hoch ausfallen, liegen die Taktraten der "normalen" Nitro+ mit 1411 MHz für den Boost-Modus und 1340 MHz für den Silent-Modus im Rahmen dessen, was man erwarten konnte.

Genau aus diesen Gründen wird der heutige Test somit weniger zu einer tatsächlichen Bestandsaufnahme für die neuen Polaris-Karten, sondern eher zu einem Produkt-Einzeltest, der zeigt, was Sapphire mit den neuen Chips anstellen konnte. Doch auch das ist interessant genug, denn es wird zumindest einen Trend aufzeigen können, was nunmehr möglich ist.

Die nachfolgende schematische Darstellung der Karte zeigt den neuen Aufbau, der vom Vorgängermodell, der Sapphire RX 480 Nitro+, doch erheblich abweicht.

Explosionszeichnung der Sapphire RX 580 Nitro+ LEExplosionszeichnung der Sapphire RX 580 Nitro+ LE

Natürlich werden wir die Kernausagen genau überprüfen und die Karte dazu später komplett auseinander nehmen und beurteilen. Rein äußerlich ist die RX 480 Nitro+ zumindest ein eher zurückhaltender Hingucker, was durchaus positiv gemeint ist. Die Kunststoffabdeckung in Gun-Metal-Optik sieht allerdings deutlich besser aus, als sie sich dann anfasst, denn es ist nun mal kein Leichtmetall, auch wenn esden Anschein erwecken will. Dieses findet man hingegen auf der sehr auffälligen Backplate auf der Rückseite der Karte.

Die 974g schwere Karte ist mit 26,2 mm realer Einbaulänge (Außenkante Slot-Blende bis Ende des Covers), einer Höhe von 13,2 cm (Oberkante Mainboard-Slot bis Oberkante Heatpipes) und einer Einbautiefe von 3,5cm eine mittelgroße Dual-Slot-Karte, die auf der Rückseite noch einmal ca. 0,5 cm Platz benötigt, was man bei großen Turmkühlern und mini-ITX-Platinen berücksichtigen sollte.

Auf der Oberseite sehen wir die zwei dicken 8-mm-Heatpipes aus vernickeltem Kompositmaterial, den blau beleuchteten Sapphire-Schriftzug, sowie die zwei 6- und 8-Pin Spannungsversorgungsanschlüsse.

Die Unterseite gestattet den Blick auf den GPU-Heatsink, die beiden anderen 6-mm-Heatpipes, sowie den Heatsink für die Kühlung der VR-MOSFETs.

Da die Lamellen horizontal ausgerichtet sind, ist das Ende der Karte als Luftaustritt offen gehalten worden. Gleiches gilt für die Öffnungen an der Slotblende, die aber von einem mittlerweile eher überflüssgen DVI-D-Anschluss behindert werden. Hier hätte man besser auf mehr Luftaustritt und weniger auf einen kaum noch benötigten Anschluss setzen sollen. Interessant sind die beiden HDMI-2.0-Buchsen, die den Anschluss von VR-Brillen ermöglichen und die beiden DisplayPort-1.4-Buchsen, die die Konnektivität abrunden.

Wie diese Karte im Detail funktioniert, werden wir später natürlich noch genau hinterfragen, hier zunächst noch einmal ein tabellarischer Vergleich:


Nvidia
GeForce
GTX 970   
Nvidia
GeForce
GTX 1060
AMD
Radeon
RX 480
Sapphire
RX 580
Nitro+  LE
Sapphire
RX 580
Nitro+   
AMD
Radeon
R9 390X
Shader-
Einheiten
16641280
2304230423042816
ROPs5648
3232
32
64
GPUGM204GP106
EllesmereEllesmere
("Polaris 20")
Ellesmere
("Polaris 20")
Hawaii/
Grenada
Transistoren5 Mrd.
4.4 Mrd.
5.7 Mrd.
5.7 Mrd.5.7 Mrd.6.2 Mrd.
Speichergröße4 GB6 GB
8 GB8 GB8 GB8 GB
Interface256 bit192 bit
256 bit256 bit256 bit512 bit
GPU-Takt
MHz
1051 MHz+1506 Mz+
12661450/
1411
1411/
1340
1050
Speichertakt
MHz
1750
1750 MHz
2000
2000
2000
1500

Testsystem und Messmethoden

Das neue Testsystem und die -Methotik haben wir im Grundlagenartikel "So testen wir Grafikkarten, Stand Februar 2017" (Englisch: "How We Test Graphics Cards") bereits sehr ausführlich beschrieben und verweisen deshalb der Einfachheit halber jetzt nur noch auf diese detaillierte Schilderung. Wer also alles noch einmal ganz genau nachlesen möchte, ist dazu gern eingeladen.

Interessierten bietet die Zusammenfassung in Tabellenform schnell noch einen kurzen Überblick:

Testsysteme und Messräume
Grafikkarten:
Sapphire Nitro+ Radeon RX 580 8GB Limited Edition
Asus ROG Strix Radeon RX 570 4GB
MSI Radeon RX 480 Armor 8G OC
Asus ROG Strix Radeon RX 470 4GB
MSI Radeon R9 380 Gaming 4G
Gigabyte GeForce GTX 1060 G1 Gaming 6G
Gigabyte GeForce GTX 1060 WindForce OC 3G
MSI GeForce GTX 1050 Ti 4G OC
Gigabyte GeForce GTX 970 G1 Gaming 4G
Testsystem:
US:
Core i7-7700K
MSI Z270 Gaming Pro Carbon
G.Skill F4-3200C14Q-32GTZ @ 2400 MT/s

Deutschland:
Core i7-7700K
MSI Z270 Gaming Pro Carbon
G.Skill F4-3200C14Q-32GTZ @ 2400 MT/s
1x 1 TByte Toshiba OCZ RD400 (M.2, System SSD)
2x 960 GByte Toshiba OCZ TR150 (Storage, Images)

Be Quiet Dark Power Pro 11, 850-Watt-Netzteil
Windows 10 Pro (alle Updates)
Kühlung:
Alphacool Eispumpe VPP755
Alphacool NexXxoS UT60 Full Copper 360mm
Alphacool Cape Corp Coolplex Pro 10 LT
5x Be Quiet! Silent Wings 3 PWM
Thermal Grizzly Kryonaut (für Kühlerwechsel)
Gehäuse:
Lian Li PC-T70 mit Erweiterungskit und Modifikationen
Modi: Open Benchtable, Closed Case
Leistungsaufnahme:
berührungslose Gleichstrommessung am PCIe-Slot (Riser-Card)
berührungslose Gleichstrommessung an der externen PCIe-Stromversorgung
direkte Spannungsmessung an den jeweiligen Zuführungen und am Netzteil
2x Rohde & Schwarz HMO 3054, 500 MHz Mehrkanal-Oszillograph mit Speicherfunktion
4x Rohde & Schwarz HZO50, Stromzangenadapter (1 mA bis 30 A, 100 KHz, DC)
4x Rohde & Schwarz HZ355, Tastteiler (10:1, 500 MHz)
1x Rohde & Schwarz HMC 8012, Digitalmultimeter mit Speicherfunktion
Thermografie:
Optris PI640, Infrarotkamera
PI Connect Auswertungssoftware mit Profilen
Akustik:
NTI Audio M2211 (mit Kalibrierungsdatei)
Steinberg UR12 (mit Phantomspeisung für die Mikrofone)
Creative X7, Smaart v.7
eigener reflexionsarmer Messraum, 3,5 x 1,8 x 2,2 m (LxTxH)
Axialmessungen, lotrecht zur Mitte der Schallquelle(n), Messabstand 50 cm
Geräuschentwicklung in dBA (Slow) als RTA-Messung
Frequenzspektrum als Grafik

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11 Kommentare
    Dein Kommentar
  • foldinghomalone
    Anonymous sagte:
    Natürlich kann man den Jahresmehrverbrauch auch ignorieren, denn zugegebenermaßen sind die Mehrkosten bei Normalnutzern sicher so marginal, dass es keinen in den finanziellen Ruin treiben wird. Aber es ist irgendwie schon reichlich unnötig, denn es kommt auch zu mehr Wärmeentwicklung und damit gegebenenfalls neuen Kühlproblemen


    Bzgl. Leistungsaufnahme hoffe ich, dass AMD das Problem mit Vega in den Griff bekommt. Meine GPU läuft ca. 8-12h vollausgelastet am Tag (siehe Signatur) und deshalb kommt es für mich auf Effizienz an und nicht auf ein paar Promillepünktchen Leistung.

    Schön ist, dass sich die RX580 diesbezüglich zumindest gut undervolten lässt, aber auch im Idle eine niedrige Leistungsaufnahme bietet.

    Danke für den guten Test oder allgemeiner: die guten Tests. Immer wieder schön zu lesen.
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  • Skotti
    Die R9 390X ist kein Hawaii sondern Grenada.
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  • FormatC
    Grenada hat nur auf dem Papier der PR- und Marketingstrategen existiert; ich halte es da wie viele Kollegen (z.B. Techpowerup). Und weil jeder mitbekommen hat, wie albern das ist, hat man diesmal Ellesmere auch bei Ellesmere belassen. ;)

    Naja, ich kanns ja mal in Klammern dazusetzen :)
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  • moeppel
    Das Ergebnis ist wenig überraschend.

    Hätte mich nach wie vor über eine 490(X)/590(X) mit Polaris-Architektur und mehr ROPs/CUs gefreut. Hätte definitiv die Fury Serie abgelöst und potentiell sogar die Lücke zur 1070 geschlossen.

    Dann mal Vega aussitzen ;)
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  • FormatC
    Nun ja, schaumer mal. Ich hoffe, das ganze Gelaunche hört bald mal auf. :D
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  • mareike
    ....das ganze Gelaunche hört bald mal auf....
    Naja das abfüllen alten Weins in neue Schläuche Launch zu nennen, bedarf schon viel Wohlwollen für AMD. Das AMD nur die Brechstange kennt, ist auch nichts neues. Man denke nur an die 390X. Man fühlt sich halt immer wieder genötigt den Rückstand zu Nvidia mit Gewalt zu begrenzen, anstatt den Chip in seinem sweet Spot zu betreiben. Einfach als ein gutes Produkt.
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  • Epsylon
    Wo genau Testet ihr den in DOOM? Meine Fury macht da min 150FPS Bis 200FPS und so viel unterschied ist doch von der 480/580 zu Fury nicht.
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  • moeppel
    Anonymous sagte:
    so viel unterschied ist doch von der 480/580 zu Fury nicht.


    Das gilt meist nur für FullHD - auf WQHD weiß und die Fury-Serie sich meist noch durchaus von Polaris abzusetzen.

    Selbstverständlich ist man mit der Auflösung aber sicherlich in der Minderheit ;)

    Dürfte im Allgemeinen auch sehr Titelabhängig sein.

    Für den generellen Gebrauch ist Polaris aber den alten Furys vorzuziehen, was nicht heißt, dass Polaris mehr ROPs/CUs nicht unglaublich gut getan hätten :D
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  • FormatC
    In etwas härteren Scenen outdoor.

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  • Epsylon
    Danke für die Info irgendwie hab ich da doch einiges an FPS mehr muss mal meine Einstellungen kontrollieren.
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  • FormatC
    Wir haben alles auf Maximum, allerdings rechne ich die FPS aus den echten Frametimes hoch und nicht dem Unfug, den Doom da anzeigt. Deren Werte sind nicht low-level genug. Außerdem sind es Mittelwerte über einen längeren Run, nicht nur mal eben so 30 alberne Sekunden ;)

    Es gibt auch Stellen, da habe ich das Doppelte. Nur nützt das doch keinem.
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