Samsung SSD 850 Evo im Test: Fortschritt gleich Zuverlässigkeit

3D V-NAND-Technologie mit 3 Speicher-Bits pro Flash-Zelle, höhere Langzeitzuverlässigkeit mitsamt fünf Jahren Garantie und robustere Performance sollen an die Erfolge der 840 Evo-Serie anknüpfen. Reicht das angesichts der starken Konkurrenz?

Nun ist es also soweit: Nach ein paar Monaten Verzögerung - das Topmodell SSD 850 Pro erschien schon im Spätsommer - ist nun auch Samsungs neue Mainstream-SSD am Start. Ab dem 10. Dezember (übermorgen) ist sie im Handel erhältlich.

Die Last des Erfolges wiegt dabei schwer, denn mit Ausnahme eines Performance-Bugs auf SSD 840 Evo-Laufwerken, den Samsung per Download-Tool allerdings erfolgreich und zügig korrigierte, hat der koreanische Hersteller mit seinen SSDs eine weiße Weste: Von Generation zu Generation stieg die Performance, mit der SSD 850 Pro wuchs der Garantie auf fabelhafte 10 Jahre und auch von größeren technischen Problemen oder Mängeln bei der Zuverlässigkeit hört man kaum etwas.

Nach Samsungs Aussagen wurde die SSD 840 Evo in Deutschland zwischen August 2013 und Dezember 2014 über 1,2 Millionen Mal verkauft – wieder ein Wert, von dem andere Anbieter nur träumen können. Gelingt es Samsung, mit der SSD 850 Evo die Erfolgsserie fortzusetzen und sich ganz an die Spitze zu setzen?


Ein Überblick

Der SSD-Markt ist für Samsung besonders wichtig, denn mit teils weit über 50 Prozent Marktanteil sind die Koreaner unangefochtener Marktführer. Mit den Serien 470, 830 und 840 hat sich Samsung zudem einen Ruf erarbeitet, der den vieler Konkurrenten überstrahlt - und das hat seine Gründe.

Ein Beispiel: Mit der SSD 840 Pro wurde die Garantie auf fünf Jahre erweitert; auf die 840 Evo gibt es drei Jahre Garantie und das Topmodell 850 Pro kommt sogar mit 10 Jahren Herstellergarantie. Mit der Einführung der 850 Evo greift Samsung das Thema abermals auf und erweitert die Garantie dieses neuen Basismodells auf satte fünf Jahre.

Das sucht im Consumer-Bereich derzeit seinesgleichen, auch wenn SanDisk noch vor Samsung mit zehn Jahren Garantie auf die Extreme Pro vorpreschte (dabei aber weniger Gesamtdatenmengen schreiben darf und keine Verschlüsselung besitzt) und auch OCZ mit der ARC 100 und der ganz neuen Vertex 460A ein Garantiepaket namens ShieldPlus oben drauf packt, das dem Käufer im Defektfall Sofortersatz zusagt (hier gibt es allerdings nur drei Jahre Garantie).

Warum das so wichtig ist? Es geht um unsere Daten! Es nützt am Ende herzlich wenig, wenn eine SSD ein paar Megabyte pro Sekunde oder IOPS mehr bewältigen kann, aber dann unerwartet mit allen gespeicherten Daten das Zeitliche segnet. Selbst Anwender, die regelmäßig Betriebssystem und Daten sichern (apropos: wie lang ist eure letzte Datensicherung her?), verlieren Zeit und strapazieren ihre Nerven durch einen Defekt. Aus unserer Sicht lautet die Regel somit: Robuste Zuverlässigkeit geht vor Performance - denn Leistung ist hinreichend vorhanden.

Auch diesen Punkt wollen wir kurz auch das Thema Performance ausführen: Nur die wenigsten Anwender werden im Alltag den Performance-Unterschied zwischen SSD-Modell A und Modell B bemerken! Aktuelle Modelle reizen die SATA-Schnittstelle aus und liefern große IOPS-Performance, können also tausende Blockoperationen pro Sekunde lesen oder schreiben – und darauf kommt es an. Alle Profi-Laufwerke können ihre Leistungsfähigkeit auch bei hoher Last besser beibehalten und vertragen größere Schreibdatenmengen – gefühlt schneller sind diese aber nur bei entsprechenden Anwendungen. Für den Autor sowie die meisten Anwender sind die Performance-Unterschiede bei SATA-Laufwerken im Alltag mit Office- und Multimedia-Anwendungen somit nur am Stammtisch ein Thema.

Werfen wir nun einen genaueren Blick auf die neue Samsung SSD 850 Evo, den Haupteinsatzzweck als Systemlaufwerk, Testergebnisse und das Marktumfeld samt Fazit.

Aber zuvor noch ein kleiner "philosophischer" Ausflug.

SSD statt Festplatte

Enthusiasten und Profis wissen Bescheid; Gelegenheits-Anwendern und technisch wenig versierten Usern kann man es nicht häufig genug erzählen: die SSD ist zur wichtigsten Komponente in PCs und Notebooks geworden. Eine schnelle CPU mit vielen Rechenkernen macht Sinn und bringt Tempo – allerdings nur wenn die verwendeten Anwendungen dies auch nutzen. Ähnlich verhält es sich mit mächtigen Grafikkarten oder üppigen RAM-Ausstattungen.

Den Unterschied zwischen SSD und HDD bei identischen Systemen bemerkt allerdings jeder, der auch nur einen Funken Ungeduld besitzt. Smartphones und Tablets lehren uns, dass es im Alltag nur selten Wartezeiten geben muss, und SSD-Technologie bringt dieses Performance-Erlebnis auch in den guten alten PC und in unsere Notebooks, wo Festplatten bauartbedingt ständig Schreib-/Leseköpfe hin und her bewegen und Speicherscheiben surrend vor sich hin rotieren. In anderen Worten: technisch haben sich Festplatten zwar erheblich weiterentwickelt, aber bauartbedingt lässt sich die Leistungsfähigkeit nun mal kaum steigern. Somit sind ein paar Extra-Euros immer gut investiert, wenn man als Systemlaufwerk auf eine moderne SSD setzt und gegebenenfalls auf ein paar Megahertz CPU-Takt verzichtet.

In der Praxis sollte das so aussehen: Ihr Betriebssystem und alle Anwendungen sowie die wichtigsten Daten gehören heute in jedem Fall auf eine moderne SSD. Viele Anwender kommen mit 120 GB schon klar; wir empfehlen generell, immer eine Kapazität größer einzukaufen. Auf 250 GB passen Windows und alle üblichen Anwendungen auch in den kommenden Jahren hervorragend. Wer das Kleingeld für ein 500-GB-Modell ausgeben kann ist bestens bedient. Durch den Betrieb von Windows und Anwendungen auf der SSD werden Wartezeiten zu großen Teilen eliminiert und ihr System kann seine Leistungsfähigkeit entfalten.

Alle anderen Daten – Videos, Musik, Fotos, Backup- oder Archiv-Dateien und alles, was nicht ständig im schnellen Zugriff sein muss, sind auch weiterhin auf Festplatten oder auch auf DVD und Blu-ray gut aufgehoben. Festplatten bieten viel Speicherplatz pro Euro und auch mittelfristig werden SSDs nicht in bezahlbarer Art und Weise mehrere Terabyte an Speicherkapazität zur Verfügung stellen können.

Fast überall, wo eine SATA-Festplatte zum Einsatz kommt, kann eine SSD mit SATA-Schnittstelle verwendet werden. In Desktop-PCs ist für den Ersatz einer 3,5“-Festplatte naturgemäß ein Einbaurahmen für die SSD notwendig, denn die Flash-Laufwerke sind praktisch immer im kompakten 2,5“-Format mit maximal 7 mm Bauhöhe, um auch in die meisten Notebooks zu passen.

Wenn wir den Kreis zur 850 EVO an dieser Stelle schließen, dann wollen wir die Performance-Charakteristik für den eben beschriebenen Einsatzzweck als Systemlaufwerk in allen typischen PCs und Notebooks beleuchten. Samsung gibt an, die Performance für die Queue-Tiefen QD1 und QD2 optimiert zu haben, also für einen oder zwei gleichzeitig eintreffenden Kommandos an die SSD. Server-Laufwerke fokussiert man dagegen auf bis zu QD32, wo also bis 32 Kommandos gleichzeitig in ständig zu optimierender Reihenfolge abgearbeitet werden. In der Praxis ist QD1 bis QD4 besonders wichtig und die Benchmark-Ergebnisse von 4 KB random read oder write sind der Hauptwert, auf Basis dessen eine Kaufentscheidung mit gestützt werden sollte.

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8 Kommentare
    Dein Kommentar
  • Tesetilaro
    danke für die Übersicht, Samsung ist konsequent in die richtige Richtung gegangen und hat mutig Unsummen investiert um ein, auf den erten Blick, erstklassiges Produkt zu schaffen, sobald die Preise stimmen und klar ist, ob die Haltbarkeit die zugesicherten Werte erreicht, steht einer Erfolgsstory nichts im Weg!
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  • jo-82
    80 € Aufpreis bei der 1 TB zur 840 Evo ist ziemlich heftig, hoffe das geht schnell runter.
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  • Tesetilaro
    hm, schneller, haltbarer - insofern sind die 80 € okay, wenn man bedenkt, daß Samsung hier richtig dicke Entwicklungskosten hat und jetzt am Anfang die Ausbeute noch eher schlecht sein dürfte... wart mal Ende Q1 ab ;)
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  • DaPete89
    Glaube euch ist ein kleiner Fehler unterlaufen :)

    "Nach Samsungs Aussagen wurde die SSD 850 Evo in Deutschland zwischen August 2013 und Dezember 2014 über 1,2 Millionen Mal verkauft"

    Oder Samsung ist mit seiner Zeitmaschine zurück um uns schon vorher die Teile unter zu jubeln :)
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  • gst
    Guter und richtiger Punkt, ist korrigiert. Danke für den Hinweis! :)
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  • Ulrico
    Aufgrund der positiven Berichte hier im Forum, habe ich mir die SSD 850 Evo mit 500GB zugelegt. Es klang alles so einfach. Ist es aber nicht!!!!
    Von meinem neuen Acer - Notebook Travel Mate wird - trotz Update auf die neueste Bios-Version - die SSD vom Bios nicht erkannt. Ich konnte über USB auf die SSD zugreifen und meine Festplatte klonen. Dies war kein Problem. Aber sie bootet nicht.
    Nach vielen Chats mit Samsung und Acer, kommt die Erkenntniss, das nicht alle Notebooks für diese Festplatte geeignet sind.
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  • Tesetilaro
    Frage der Spannungsversorgung, oder? Schade, magst Du uns das Acer Modell noch sagen, damit wir die leute vorwarnen können ;) das ist zwar kein trost für Dich, ggf. aber ne riesenerleichterung für den nächsten ;)
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  • Ulrico
    Ich habe das ACER TravelMate P455-MG-54208G50
    Ich werde nun leider auf die 840 umsteigen müssen schade..
    Ich muß allerdings ca. 1 Woche warten, da mein Händler die Platte nicht vorrätig hat.
    Ich werde dann berichten, ob die 840 erkannt wird.
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