Intels Core-CPUs der zweiten Generation: Das Sandy Bridge Review

Die CPU-Kerne in Intels Sandy-Bridge-Architektur ähneln ihren Nehalem-Vorfahren zwar stark, doch ein neuer Grafikkern und ein Ring-Bus bescheren dem Mainstream-Publikum deutlich mehr Performance. Intels eigentliche Geheimwaffe heißt aber Quick Sync.

Wer sich derzeit einen High-End-Prozessor kaufen möchte, kommt um Intel nicht herum. Sicherlich hat AMD mit seinem Phenom II X6 Sechskern-CPUs bezahlbar gemacht, doch von der Performance her unterliegen selbst die Spitzenmodellen Intels Core-i7-900-Familie und teilweise sogar der Core-i5-Riege. Wer also das nötige Kleingeld besitzt und sich einen möglichst potenten Rechner zusammenstellen will, findet kaum eine bessere Lösung als einen übertakteten Core i7-950. Wenn jeder Kern und Thread zählt, steht auch noch der Core i7-970 mit sechs Kernen und zwölf Threads zur Auswahl – allerdings auch zu einem, sagen wir mal, gehobenen Preis.

Im Mainstream liegen die Dinge dann weit weniger klar, denn hier herrscht deutlich mehr Konkurrenz. Der erfreuliche Nebeneffekt für den Käufer ist ein dementsprechend niedrigeres Preisniveau, denn Konkurrent belebt bekanntlich das Geschäft. So bekommt man beispielsweise einen Core i5-760 mit vier Kernen ab 170 Euro, was ein wirklich brauchbares Angebot ist – ebenso wie AMDs praktisch preisgleicher Phenom II X6 1075T, der allerdings über sechs Kerne verfügt. AMDs Black-Edition-CPUs stehen zwar bei Übertaktern hoch im Kurs, doch auch Intel hat dieses Publikum für sich wieder entdeckt und legt seit kurzem mit den K-Modellen der Core-i-Familie wieder CPUs mit offenem Multiplikator auf. Zuvor war dieses Privileg den Prozessoren der 1000-Euro-Klasse vorbehalten.

Heute stellt Intel nun seine neueste Architektur namens Sandy Bridge vor. Als die Prozessorschmiede das letzte Mal eine komplett neue CPU-Reihe auflegte, startete man mit den High-End-CPUs der Core-i7-900-Reihe und ließ Mainstream- und Einsteigermodelle erst später folgen. Dieses Mal macht man es umgekehrt, denn Sandy Bridge geht zunächst in den unteren Preisklassen an den Start und wird erst in der zweiten Jahreshälfte mit dem LGA-2011-Interface in Rechnern der Workstation-Klasse auftauchen.

Intel, hier und jetzt

Bis dahin wird aber noch einige Zeit vergehen, und bis dahin bleibt LGA 1366 Intels elitäre High-End-Option. Den breiten Markt sollen die Sandy-Bridge-Prozessoren mit dem neuen LGA-1155-Interface bedienen und aufgrund eines Performance-Vorteils, der laut Intel um die 30 Prozent gegenüber den Lynnfield- und Clarkdale-CPUs beträgt, die Käufer in Massen anziehen.

Für AMD bedeutet das natürlich nichts Gutes, denn bislang hat die Firma ihrem großen Konkurrenten nichts weiter entgegen zu setzen, als regelmäßige inkrementelle Taktratenerhöhungen existierender Architekturen. Einen Performance-Zuwachs im zweistelligen Prozentbereich schafft man damit aber nicht, und genau den bräuchte AMD wohl, um Intels neuer Architektur Paroli bieten zu können. Gut möglich, dass sich das noch stärker als bisher auf die Preisgestaltung der Phenom-II-Familie auswirken wird. 2011 soll dann mit Bulldozer auch bei AMD eine neue Prozessorgeneration mit wirklich neuer Architektur erscheinen – und dieser Launch kann für die Firma eigentlich nicht bald genug geschehen.

Fällt die Performance bei Sandy Bridge allerdings zu gut aus, läuft Intel Gefahr, seine eigene Core-i7-900-Serie in Frage zu stellen. Um in dieser Liga mitzuspielen, muss man allein für den Prozessor mindestens 235 Euro hinlegen. Dazu kommen noch die anspruchsvolleren Mainboards mit X58-Chipsatz, die nach Triple-Channel-Speicherkits verlangen. Bislang waren wir ziemlich fest davon überzeugt, dass die X58-Plattform noch eine ganze Weile Intels Nonplusultra für den Desktop darstellen würde. Nach einem Blick auf unsere Benchmarkergebnisse müssen wir uns aber fragen, ob der X58 nicht früher abgelöst werden wird, als Intel eigentlich geplant hatte.

Sandy Bridge bringt aber noch ein paar zusätzliche Überraschungen mit, und nicht alle sind so erfreulich wie die Performance. Zum einen wird sich das Übertakten von Intel-Plattformen grundlegend ändern, und die Flüssigstickstoff-Kühlfraktion dürfte alles andere als angetan von den Änderungen sein. Außerdem spielt die integrierte Grafik eine weit größere Rolle als bisher, der man mancherorts schon zutraut, das Ende der Low-End-Grafikkarte einzuläuten. So viel vorneweg: Das ist aktuell noch nicht der Fall, zumindest im Desktop-Bereich.

Intels Clarkdale bestand noch aus mehreren Chips.Intels Clarkdale bestand noch aus mehreren Chips.

Sandy Bridge bringt alles in einem Die unter.Sandy Bridge bringt alles in einem Die unter.

Andererseits hat Intel den Sandy-Bridge CPUs einen ganzen Block Transistoren spendiert, der komplett auf Videokodierung spezialisiert ist. Weder AMD noch Nvidia haben auf diese spezialisierten Ausführungseinheiten eine passende Antwort, liegen in dieser Hinsicht etwa ein Jahr hinter Intel und werden von den neuen CPUs in dieser Disziplin schlicht deklassiert.

Sandy Bridge: Vier Brücken im Test

Für den Launch von Sandy Bridge schickte uns Intel vier Modelle aus dem Desktop-Segment zum Testen, und zwar: Core i7-2600K, Core i5-2500K, Core i5-2400 und Core i3-2100. Die vier Probanden mussten allesamt unseren neuen, für 2011 zusammengestellten Benchmark-Parcours durchlaufen und traten dabei gegen diverse Intel-CPUs der Bloomfield-, Lynnfield-, Clarkdale und Yorkfield-Familien sowie AMDs Thuban- und Deneb-Reigen an.

Übrigens: In diesem Artikel soll es vornehmlich um die Hardware, die neuen Technologien und die Modelle gehen. Eine gesonderte Betrachtung der Effizienz nehmen wir im Artikel Effizienzvergleich: Sandy Bridge gegen CPUs von Intel und AMD vor.

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79 Kommentare
    Dein Kommentar
  • Einige erhellende Worte zu HandBrake wären nett, dort wird nämlich der Text zu MainConcept wiederholt.
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  • Saubere Performance. AMDs Bulldozer kann sich warm anziehen. Zumal das Spitzenmodell recht billig ist mit lediglich 300 Euro. Angesichts der Leistung ist der Preis auf jeden Fall gerechtfertigt.
    Ich finde es nur etwas schade, dass anscheinend die 6 Core CPUs wohl erst mit Ivy Bridge kommen werden.

    Ich glaube der 2600K wird meinen alten Q6600 ablösen :)
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  • Richtig geile CPU mit anständiger Grafik.
    Aber warum kriegen die die Treiber nicht gebacken? Die sind immer noch unter aller Sau. Die zwingen einen fast schon für Multimedia-Zwecke doch noch ne kleine zusätzliche Grafikkarte dazuzukaufen.
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  • Dass der i5 2500K scheinbar keine geringere Leistungsaufnahme besitzt als der i7 2600K liegt wohl an den Testsamples? In der Vergagenheit zumindest hat das zusätzliche Hyperthreading immer ordentlich mehr Watt aus der Steckdose gezogen. Das schreit nach einem Nachtest in einem folgenden Übertaktungsartikel. Darauf wie gut sie sich nun wirklich takten lassen, bin ich nämlich auch schon ziemlich gespannt.
    Damit werden die Phenom IIs wohl komplett eingestampft. Schade eigentlich.
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  • Wirklich schade, die Treiber der iGPU enttäuschen. Mal schauen wie es in 2 oder 3 Monaten aussieht.
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  • Vor lauter Text hab ich garnicht gelesen, ab wann es die geben soll. Stand irgendwo was von einem Datum? Mein Geburtstag rückt näher...
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  • und kein Wort über VT, danke
    Intels GPU/CPU soll besser sein als CUDA ?
    echt unglaublich, und die Aussage dass das Programm nicht so recht will - mit CUDA, bestätigt das nur
    mein Q6600 will auch in die Rente
    info-politik ist ech besch... von intel, danke für etwas info
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  • das weiss ich, danke, aber wie steht's um die MB ?
    auf einem Screenshot habe 1x nur Enable VT gesehen, sonst nirgends info
    darüber
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  • Wäre nett, wenn in dem zweiten Test auch gegen einen FSB 400 C2Q getestet wird.

    Nehme an, als Zockerplattform ists immernoch voll ausreichend.
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  • Das sind ja mal nette Prozessoren. Mal paar Monate warten bis eventuell bessere Steppings kommen. (Ärgere mich bis heute über meinen Heizkörper - Q6600 B3)
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  • Nette CPUs, aber ich werde erst aufrüsten, wenn es 4 oder besser noch 6-Kerner gibt, die nur 65 W brauchen. Bin mal gespannt wie lange das noch dauert. Dann vereinen sich mein Gamer PC und der VDR/HTPC zu einer Kiste und gut ist o_O
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  • Ich würde auch gerne einen vergleich sehen Q6600 @3,2 - 3,6 vs Sandy. Und bitte mit FSB 400 und jeweils Multi eben von 8 bzw. 9. Meine Leistung reicht mir noch etwas, dennoch habe ich bei BF BC2 90% Last und bei GTA 4 sogar 97%.
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  • Was mich interessiert ist mehr der interne GPU.
    Ich frag mich immer noch warum der interne GPU unter Verwendung einer seperaten Grafikkarte deaktiviert wird. Gibts da nichts sinnvolles was der nebenher berechnen könnte wie diverse Physik Effekte?
    Gerade wenn keine PhysX fähige NV Karte im System steckt muss doch der CPU sowieso die Physikberechnung übernehmen.
    Und in Zeiten wo des öfteren seperate GPU´s rein zur PhysX Berechnung herangezogen werden wäre das doch an sich ne feine Sache wenn man das auf den in den CPU integrierten GPU abwälzen könnte.

    Kann mir das nur so vorstellen, daß der CPU die Physikberechnung immer noch besser hin bekommt wie die HD3000 und deshalb die Option gar nicht in Erwägung gezogen wird.

    Allerdings finde ich den Gedanken gar nicht so schlecht.
    Mit Sandy Bridge ist es vielleicht noch nicht möglich, aber für die Zukunft ein netter Ansatzpunkt wo man sich verbessern könnte.
    Dann würde der integrierte GPU auch was für Daddelkisten bringen und nicht nur für den Office, und HTPC Bereich.
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  • CPU-Kerne wie Sand am Meer, langsam wird es unübersichtlich! :o
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  • Quote:
    Wäre nett, wenn in dem zweiten Test auch gegen einen FSB 400 C2Q getestet wird. Nehme an, als Zockerplattform ists immernoch voll ausreichend.
    Ich hatte meinen sogar auf 517 MHz. Für normale Anwendungen und Spiele reichts noch. Trotzdem hängt er schon 10-15% hinter den Yorkfields hinterher. Was am meisten stört, ist die verheerend schlechte Effizienz. Deshalb ist der gute alte Doppelwhopper auch über den Jordan gegangen. :)

    Als Einsteigerquad ist das Teil fast schon ideal, nur eben nicht für 24/7.
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  • @Pascha sie wird deaktiviert, weil sie zu nichts zu gebrauchen ist. intel will auf kosten von kunden mit der entwicklung und herrstellung von GPUs rumexperimentieren um künftig rechner nur auf basis von GPUs produzieren zu können - wird wohl die zukunft der branche sein.
    Wer braucht schon einen 4C/8T im büro? andererseits was kann ein gamer mit der GPU anfangen? man kauft die cpu OBWOHL sie eine integrierte GPU hat :)
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  • P.S.: werd von 775 direkt auf am3 umsteigen :)
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  • Genau. Verschlechtere dich so richtig, Paul.
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  • Mein Meckern wurde erhört! Endlich mal ein CPU-Test der die guten alten Core 2 CPUs mal wieder mit getestet hat! Glückwunsch!

    Klar haben die nix mehr melden, aber für viele Heimanwender sind die Dinger einfach noch echt gut. Mein Q6600 (da bin ich ja hier in guter Gesellschaft) auf moderaten 3,0 GHz sucht schon lange ne Ablösung, aber bisher waren die Optionen von Intel und AMD einfach nur zu schlecht (zu hoher Preis gegen zu wenig Performance-Gewinn).

    Andererseits erschreck ich schon manchmal, wenn da beim Rechnerhochfahren so Jahreszahlen von 2006 auftauchen (Ultra-Durable-Mainboard und fettem CPU-Lüfter sei Dank noch keine Altersbeschwerden, aber wie lange noch...)

    Sieht auf jeden Fall nach einer ordentlichen Lösung aus, auch wenn Intels Kombinatorik etwas merkwürdig erscheint.
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