[UPDATE] Roundup: 23 Smartphones im Vergleichstest (4x neu)

Lenovo Moto Z Play

Verarbeitung & Design

In früheren Tagen war die Smartphone-Mittelklasse etwas für Pragmatiker: Hersteller sorgten für ein Äußeres, das nicht zum Davonlaufen war, boten Prozessoren, die ein bisschen mehr Performance als billige Einsteiger boten, und offerierten insgesamt Geräte, die auch hinsichtlich der weiteren Ausstattung wie Kamera und Speicher durchaus Kompromisse von ihren Nutzern verlangten.

Doch mittlerweile werden auch unterhalb des Highend-Segments durchaus Smartphones angeboten, die kaum noch Wünsche offen lassen sollen. Das gilt auch für das Moto Z Play. Das Smartphone lässt äußerlich keine Anklänge an Lenovo - den eigentlichen Hersteller - erkennen, sondern wird weiterhin mit den von Motorola bekannten Logos versehen.

Rein äußerlich erinnert die Oberseite mit dem viereckigen Fingerabdruckscanner unterhalb des Displays an das Moto G4 (Plus), allerdings wird das Gerät von einem massiven Metallrahmen eingefasst. Zudem besteht die Rückseite aus einer edlen Glasplatte, die aber leider ein ziemlicher Schmutzfänger ist. Sie weist mit einer prominent platzierten Schnittstelle zudem auf zusätzliche Möglichkeiten hin, die das Play Z bietet. Die Kamera schaut allerdings etwas klobig aus der Glasfläche.

Aufgrund der geraden Flächen wirkt es zudem vergleichsweise rutschig in der Hand. Mit Außenmaßen von 15,6 x 7,6 x 0,7 cm ist die Grundfläche zudem recht groß und bringt gerade kleinere Hände bei der Bedienung an ihre Grenzen. Das Gewicht von 165 Gramm ist kein Brüller, für ein Phablet der 5,5-Zoll-Klasse aber durchaus noch akzeptabel.

Display

Mit einem Blick auf unser Testfeld kann man feststellen, dass eine Bildschirmdiagonale von 5,5 Zoll eine hohe Popularität in der oberen Smartphone-Mittelklasse genießt - und das Moto Z Play macht hier keine Ausnahme.

Auch die Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln entspricht Klassenstandard, allerdings setzt der Hersteller bei seinem Panel auf die Super-AMOLED-Technologie und bewerkstelligt so eine sehr gute Bildqualität. Angenehm fällt auf, dass die Farbintensität im Rahmen gehalten und auf eine übertriebene Sättigung verzichtet wird. Dass das präsentierte Bild aufgrund eines hohen Blauanteils etwas kühl ist, kann aber auch Lenovo nicht verhindern.

Ebenso typisch für ein (Super-AM)OLED-Display ist die im Vergleich zum klassischen LCD etwas geringere Helligkeit, die allerdings teilweise durch die aktiv leuchtenden Display-Pixel wieder wettgemacht wird. Mit einer durchschnittlichen Leuchtdichte von 299 cd/m² und gemessenen Extremwerten von 326 bzw. 275 cd/m² fällt die Bildschirmhelligkeit unterm Stich aber dennoch etwas gering aus. Dank des ordentlichen Schwarzwerts von 0,22 cd/m² ergibt sich ein Kontrastverhältnis von 1359:1.

Kernkomponenten

Der auch im Moto Z Play steckende Snapdragon 625 von Qualcomm scheint der direkte Nachfolger des Snapdragon 615 zu werden. Die wesentlichen Parameter des SoCs bilden acht Cortex-A53-Kerne, die von ARM entwickelt wurden. Sie takten mit zwei GHz und werden mit einer Adreno-506-GPU kombiniert. Dem SoC, das auch ein X9-LTE-Modem sowie Bluetooth 4.1 mitbringt, steht zudem ein drei Gigabyte großer Arbeitsspeicher zur Seite.

Kamera

Beim Moto Z Play setzt Lenovo auf eine Hauptkamera mit einer Auflösung von 16 Megapixeln, die dem ambitionierten Auftritt des Smartphones nicht vollends gerecht wird.

Die Aufnahmen geraten schnell verhältnismäßig dunkel, Kontraste und Farbdarstellung sind dagegen auf einem ordentlichen Niveau. Beim Zoomen - eine digitale Vergrößerung um das Achtfache ist möglich - zeigt die Software Schwächen: Bereits bei vierfacher Vergrößerung prägen digitale Artefakte die aufgenommenen Bilder. Die Bewegtbildaufnahmen sind gut; sie wirken heller als die Standbilder. Allerdings ist der Zoom sehr ruckelig und dürfte damit Hobbyfilmer enttäuschen.

Der mit acht Megapixeln auflösende Frontsensor macht eine gute Arbeit: Die Bilder besitzen einen guten Kontrast und eine gelungene Farbwiedergabe.

Software

Mit der Übernahme von Motorolas Smartphone-Sparte hat Lenovo auch die wesentlichen Grundzüge der Smartphone-Entwicklung der Amerikaner übernommen. Nicht nur optisch ist man dem mit dem Moto G eingeführten Design treu geblieben, sondern auch der Art und Weise der Software-Entwicklung: Installiert wird eine Vanilla-ROM von Google, bei der nicht nur auf optische Anpassungen größtenteils verzichtet wird, sondern - abgesehen von den Google-Diensten und -Apps - auch kaum weitere Apps mitgeliefert werden.

Lediglich zwei Moto-Symbole finden sich im App Drawer, wobei einer der beiden lediglich ein Link zur "Moto Mods"-Webseite darstellt, auf der der Hersteller eine Vielzahl von Individualisierungsmöglichkeiten für Moto-Smartphones anbietet. Weit interessanter ist dagegen "Moto", mit der das Ausführen bestimmter Aktionen mit Bewegungen verbunden oder Uhrzeit und eingehende Kommunikation dauerhaft auf dem Bildschirm präsentiert werden kann.

Erweiterbarkeit mit Hilfe von Modulen

Das Moto Play Z verfügt auf der Rückseite über eine auffällig platzierte Kontaktfläche, mit deren Hilfe sich die Fähigkeiten des Smartphones erheblich verbessern - oder besser: modifizieren - lassen: An dieser Schnittstelle können verschiedene Module angeschlossen werden - vom zusätzlichen Akku, über eine leistungstarke Kamera bis hin zu einem kleinen Beamer.

Der kleinste "Mod" ist eine Schutzabdeckung für die Glasrückseite, die bei üblicher Nutzung im Alltag schnell den einen oder anderen Kratzer aufsammelt. Die Abdeckung mit einem Textilüberzug über dem Halt spendenden Kunststoff wird - wie die anderen Mods auch - mit einem Magnet auf der Rückseite gehalten. 

Zusatzakku unterstützt kabelloses Laden

An der Sinnhaftigkeit von so manchem Zusatzmodul mag so mancher Nutzer durchaus zweifeln. Das Moto Z Play hat zwar von Haus aus einen sehr ordentlich dimensionierten Akku, doch gerade auf langen Reisen oder beim ausgiebigen Daddeln von Spielen wie Pokemon Go können auch die größten Energiespeicher an ihre Grenzen getrieben werden, sodass eine Reserver sehr willkommen ist.

Diese kann beim Moto Z (play) gleich mitbestellt werden: Mit einer Kapazität von 2200 mAh hält der Zusatzakku Reserven bereit, mit der sich die Akkulaufzeit des Smartphones um etwa zwei Drittel steigern lässt.

Durch die Verbindung von Smartphone und Akku soll ein leichterer Transport möglich sein als bei den üblichen Power Banks, die per Kabel angeschlossen werden. Mit einem Gewicht von 89 Gramm und einer Bauhöhe von wenig mehr als sechs Millimetern ist jedoch schon eine gewisse Belastung der Tasche nicht von der Hand zu weisen.

Dafür wird aber ein kleines technisches Schmankerl geboten, dass in Zeiten von immer niedrigeren Bauhöhen in Vergessenheit geraten zu sein scheint: Geladen werden muss nicht zwingend am Kabel, sondern es werden auch die kabellosen Ladestandards Qi 1.2.1 und PMA 3.0 unterstützt.

Wünschenswert wäre allerdings auch eine weitere USB-Schnittstelle gewesen, damit der Energiespeicher auch an einer stationären Ladestation aufgetankt werden kann und im Bedarfsfall vollends aufgeladen zur Verfügung steht.

Nüchtern betrachtet fällt der Verkaufspreis mit 89 Euro für einen Zusatzakku mit einer Kapazität von 2200 mAh jedoch recht hoch aus.

Soundbeschleuniger von JBL

Doch der Hersteller hat noch mehr im Angebot. Von JBL kommt ein Aufsatz mit zwei Lautsprechern, der ebenfalls auf der Rückseite montiert wird. Ein integrierter Klappfuß sorgt für einen guten Stand - und dafür, dass die beiden Boxen ihren Klang ungehindert im vollem Umfang in den Raum abgeben können.

Und: Der Klang ist alles andere als schlecht. Das Gesamtbild ist sehr ausgewogen, der Bass gerade im Hinblick auf die Bauform fast schon fett. Einfache Bluetooth-Boxen können an dieser Stelle nicht mehr mithalten. Auch die mögliche Maximallautstärke ist so hoch, dass das klassische Küchenradio abgeschafft werden kann. Damit das Ganze nicht zu Lasten des Smartphones-Akkus geht, steckt in der Box zudem ein Energiespeicher mit einer Kapazität von 1000 mAh.

Allerdings muss bei einer dann regelmäßig die Rückseiten gewechselt werden. Denn die JBL-Box bringt nicht nur zusätzliche 115 Gramm auf die Waage, sondern sorgt mit einer Bauhöhe von 13 Millimetern nahezu für eine Verdreifachung der Bauhöhe des Gesamtkonglomerats.

Präsentation mit dem Smartphone

Die Idee, eine Beamer ins Smartphone zu integrieren, ist nicht neu: Samsung zeigte bereits auf dem MWC 2012 mit dem Galaxy Beam ein Smartphone mit integriertem Beamer.

Lenovo setzt bei seinen Moto Mods nun ebenfalls auf einen Smartphone-Beamer, der allerdings als eigenständiges Modul über die Rückseite des Moto-Smartphones angebunden wird und so nur bei Bedarf mitgeführt werden muss. Für den Transport gibt es extra ein kleines Täschchen.

Der 15,3 x 7,4 x 1,1 Zentimeter kleine DLP-Beamer löst mit von 854 x 480 Pixeln auf und soll im Seitenverhältnis von 16:9 eine maximale Bildgröße mit einer Diagonale von 70 Zoll bewerkstelligen. Zudem wird eine Möglichkeit geboten, den Trapez-Effekt auf Wunsch automatisch zu korrigieren.

Auch die Helligkeit des Projektors kann händisch eingestellt werden. Letzteres ist jedoch kaum nötig - und vermutlich der unterm Strich größte Kritikpunkt: Die maximale Leuchtkraft verlangt auch in Innenräumen nach einer starken Einschränkung des Tageslichts, damit das Bild nicht zu sehr verblasst.

Gamer könnten sich überdies noch einen Moto-Controller, also einen angepassten Game-Controller wünschen. Dann würde das Smartphone fast als kleine "Hosentaschen-Konsole" durchgehen.

Allerdings dürften sich doch eine Reihe von Nutzern vom Preis abgeschreckt fühlen, der mit 349 Euro vergleichsweise hoch ausfällt. Damit ist der Moto Insta-Share Projector vor allem für eine Nutzergruppe eine Option: Geschäftlich Reisende, die immer wieder zu Präsentationen genötigt werden und dabei auf ein kleines Packmaß achten müssen.


Das generelle Problem von Modulen

Die Überlegung, ein Smartphone wesentlich modularer zu gestalten, gehört zu den Trends der Stunde und wurde vor gut drei Jahren mit Googles (mittlerweile eingestampften) Project Ara losgetreten, das je nach Wunsch vollständig aus einzelnen Bausteinen zusammengesetzt werden sollte. Auch andere Hersteller entwickelten daraufhin eigene Modul-Konzepte - dies galt insbesondere für LG. Die Koreaner präsentierten auf dem MWC das LG G5 mit einem Akku-Schubfach und ansteckbaren Erweiterungen - von einer Audiolösung  bis hin zu einer Kameraerweiterung.

Die Module sind - wie bei Lenovos Moto-Serie - keine günstigen Angebote, dürften aber bei dem einen oder anderen auf Nachfrage stoßen, der an genau dieser Stelle auf Verbesserung hofft.

Leider ist das mit der Möglichkeit der weiteren Nutzung so eine Sache: Smartphones gehen im Alltag schnell mal kaputt; vor allem die Bildschirme sind trotz Gorilla Glass anfällig. Beim Neukauf wird damit die Gerätewahl stark eingeschränkt, denn sonst sind die teuer erworbenen Module unbrauchbar.

Gerade das Beispiel LG zeigt, wie knapp bemessen der Spielraum an dieser Stelle aussehen kann: Das G5 ist bei weitem kein Kassenschlager und der Hersteller wird beim Nachfolger allem Anschein nach wieder zu einer konventionelleren Bauform wechseln - die Module können also nicht weiter verwendet werden. Lenovos Erweiterungen passen zwar zu allen Moto-Z-Modellen, doch keiner weiß, wie die nachfolgende Generation gestaltet wird und ob die Mods dann noch passen.

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11 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • Pootch
    Hier fehlt eindeutig das Moto G4 oder gen3
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  • matthias wellendorf
    Die hatten wir ja schon mal im Test - aber wir werden das ganze etwas klänger aktuell halten und sukzessive um weitere Geräte erweitern, vielleicht bietet sich da noch mal eine Möglichkeit.
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  • Tesetilaro
    ich finde mein S5 neo würde trotz des alters gut als vergleich rein passen...
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  • Michalito
    Vernee Thor 4G Smartphone..
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  • jayblackwind
    Hättet ihr noch das Xiaomi Redmi Note 3 PRO mit 3GB RAM und 32GB Storage mit Dual SIM testen sollen ... das macht alles besser als euer Testfeld und kostet bei AMAZON wohlgemerkt 191,09 Euro ! das NonPro mit 2GB/16GB gibts teilweise für unter 150 EURO!
    Den Vorgänger Note 2 für 130 - 160 .... Einfach mit nem anderem ROM flashen und fertig ist das beste Smartphone für wenig Geld!
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  • ShieTar
    Das Elephone gibt's auch in der Preisklasse, und das hat der Konkurenz zumindest in Sachen Hardwarespecs einiges voraus:

    http://geizhals.de/elephone-p9000-schwarz-a1416237.html
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  • gst
    @Shietar: Gibt's mehrere Elephone-Momdelle? Weil: Welle erzählte mirkürzlich, dass er sich um ein Elephone für das kommende Update dieses Artikels bemüht hat.

    @Jayblackwind: Klingt interessant, ich geb's mal weiter. :)
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  • matthias wellendorf
    China-Smartphones zu bekommen ist nicht so einfach, wenn sie nicht gleich gekauft werden sollen. Von Elephone sollte demnächst mal das P8000 eintrudeln, auch Xiaomi habe ich im Blick und bei einem Händler Mi5 und Redmi 3 angefragt angefragt. Was davon wann kommt und ob überhaupt, kann ich aber noch nicht sagen. Ich bleibe aber dran und werde sicherlich die Serie nicht nur um die Modelle erweitern, die auch bei MM und Saturn im Regal landen.
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  • ShieTar
    @gst: Vier Modelle scheints derzeit zu geben, wobei das P9000 für 220€ schon das "Top-Modell" darstellt:

    http://geizhals.de/?cmp=1457788&cmp=1337440&cmp=1457586&cmp=1416237
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  • tkoerbs
    Xiaomi Redmi Note 3 Pro wäre sehr interessant, wenn man es auf deutsch zu einem Preis < 170€ bekommen würde, aber man findet es meist nur englisch - dafür aber zu Kampfpreisen ab 150€.
    Die technischen Daten sind allesamt super - Prozessor, RAM, Display, Akkulaufzeit, Fotos - alles locker auf dem Niveau von Handys die die Konkurenz > 200€ anbietet.
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  • Max Dralle
    Vielen Dank für den umfangreichen Test und die regelmäßigen Erweiterungen.

    Besteht eine Chance, dass ihr auch mal das Vernee Apollo Lite durch euren Test Parcours schickt ?

    Preislich liegt es derzeit regulär bei ~200 Euro, bietet aber eine Leistung, die bei euch nur in der oberen Mittelklasse zu finden ist.

    Ich hatte mir im letzten September eins gekauft und bin sehr zufrieden damit.
    Inzwischen habe ich mir ein zweites gekauft, weil mir das erste Gerät zweimal kurz hintereinander auf Betonboden gefallen ist und beim zweiten Sturz der Display gerissen ist. Eine Reparatur hätte 105,- Euro gekostet, da das Gerät aber gerade für 145,- Euro im Angebot war und ich es täglich brauche, habe ich es mir neu gekauft.

    Meine aktuellen Ergebnisse mit halb-vollem Akku gestartet:
    Antutu (v6.2.7) - 82584
    PCMark Work 2.0 - 3847
    3DMark Slingshot ES 3.1 - 922
    3DMark Slingshot ES 3.0 - 1202
    3DMark Ice Storm Unlimited - 15163

    Nach den Benchmarks war der Akku auf ~30% runter, dh. die 5 Tests haben ca. 20% vom Akku verbraucht.

    Gruß,
    Max
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