So testen wir Grafikkarten, Stand Februar 2017

Performance und Zusammenfassung

Messung der Performance

Auch hierfür verwenden wir nur den geschlossenen Zustand und aufgewärmte Karten, denn nur der endgültige, resultierende Takt der vollständig erwärmten Karten ist eine objektiv verwertbare Größe. Der Rest ist schöngefärbt und damit für die Praxis unbrauchbar. Die genauen Methoden haben wir im Grundlagenartikel THDE intern: So messen und bewerten wir die Grafik-Performance (Englisch PresentMon: Performance In DirectX, OpenGL, And Vulkan) bereits sehr ausführlich beschrieben.

Neben anderen Erfassungsmethoden (z.B. FCAT) nutzen wir bei Tom's Hardware ein von mir programmiertes Tool auf Basis von PresentMon zur Auswertung. Um Zeit zu sparen, kann man in diesem Tool alle häufig genutzten Benchmark-Spiele mit je einem einmalig anzulegenden (und auch zu bearbeitenden) Profil hinterlegen, das anwendungsabhängig automatisch zur Steuerung der PresentMon-Parameter dient, wenn eine der gespeicherten Anwendungen erkannt wird.

Dazu habe ich auch ein eigenes, frei konfigurierbares Hot-Key-System implementiert, mit dem sich PresentMon starten, automatisch steuern (Aufzeichnungszeit, Voreinstellungen) und bedarfsweise auch manuell beenden lässt, während man sich im Spiel oder einer bestimmten grafischen Anwendung befindet. Im Prinzip funktioniert die Software wie AMDs OCAT, nur eben wesentlich komfortabler - und dies tat sie bereits viele Monate vor dem Launch von OCAT.

All diese Daten ergeben einen riesigen Haufen binärer Informationen, der erst einmal verarbeitet werden will. Dafür nutze ich ebenfalls eine eigens für diesen Zweck selbst programmierte Software, die die beiden Log-Dateien zusammenführt und alle nötigen mathematischen Berechnungen durchführt, die auf Grund ihrer Komplexität und des erheblichen Umfangs nur schwer oder überhaupt nicht mit Excel ausführbar wären.

Mit unserem Log-File-Interpreter der nunmehr dritten Generation kann man nun exakt diese Berechnungen im Handumdrehen erledigen und auch neue Auswertungen bei Bedarf implementieren. Was wir genau auswerten und wie dann die Ergebnisse aussehen: Siehe Link oben.

Zusammenfassung

Mal abgesehen davon, dass nun alle Messungen deutlich zügiger, praxisnäher und somit auch objektiver ausfallen, hat mich am Ende auch die sehr enge Zusammenarbeit mit Lian Li bei diesem speziellen Projekt deutlich vorwärts gebracht. Ich kann nun endlich das tun, was ich mir schon lange gewünscht habe und die Leser stets und ständig einforderten: Schluss mit Open-Benchtable-Messungen und hin zu realistischeren Bewertungen.

Was nutzen einem Leser auch die schönsten Frischlufttemperaturen, wenn es im Komponentenkäfig später viel hitziger zugeht? Und außerdem wird sich durch die geschlossene Messung auch die Spreu stärker vom Weizen trennen, denn so manche Schwachstellen einiger Grafikkarten werden viel deutlicher sichtbar werden. Auch diese Erkenntnis kommt am Ende dem Leser zu Gute, der sich dann besser orientieren kann.

Nach fast sechs Monaten Planung und einigen Tagen Zusammenbau, Test und Kalibrierung kann ich nur sagen: Ich mach's nie wieder ohne (Deckel)!

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5 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • Ge0815
    "Was denkst Du?" Sehr clever! Gerade im Hinblick auf die kommenden Prozessoren und Grafikkarten ist das ein Schritt, der sehr vorausschauend ist. So wurde bspw. für den Ryzen angekündigt, dass dieser seinen Boost-Takt in sehr feinen Schritten drosselt, und dieser wiederum abhängig von der Temperatur bzw. aufgenommenen Leistung ist (bekanntlich ist diese bei Halbleitern auch abhängig von der Temperatur). Das wird bei den kommenden Grafikkarten von Nvidia und AMD ebenso der Fall sein, dass die erreichbaren Taktraten erheblich von der Temperatur abhängig sind.
    Also ist die ausführliche Aufzeichnung dieser Temperaturen und das gesamte Test-Setup wirklich gut geeignet, das Verhalten kommender Hardware zu analysieren und ein Otto Normal-Desktopsystem entsprechend anzupassen.
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  • FormatC
    Boost ist heute schon ein Thema und leider hat man offen ab und an dann auch viel zu hohe Benchmarkwerte.
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  • JPCM2014
    Danke FORMATC! Freue mich auf den Test der 1080 Nachfolger (1080ti¿) und die neuen AMD Karten.
    Falls du mal was ganz verrücktes testen möchtest, teste eine aktive Backplate sowas haben sich schon welche bauen lassen, finde aber nirgends Aussagen zur Temps oder bessere übertaktung.
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  • Aldidas
    Gibt es dann auch wieder Charts? Hab da immer sehr gerne reingeschaut und Grafikkarten verglichen.
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  • FormatC
    Die mache ich heute noch, nur dass sie nur Frankreich nutzt.

    Aber:
    Wir warten auf das Re-Design vom Front-End. Dann sollte das wieder klappen.
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