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Führt 20-nm-Flash zu niedrigeren Preisen?

Intel SSD 335 (240 GB) im Test: Mit 20nm-NAND zum Preisrutsch?
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Wenn es einen Grund gibt, warum wir vor jedem neuen SSD-Artikel Bammel haben, dann ist es, immer neue Formulierungen für folgende Grundtatsache zu finden: Es kommt weniger darauf an, welche SSD man kauft, als vielmehr darauf, dass man zur SSD wechselt und als Systemlaufwerk einsetzt. Obwohl wir voll des Lobes für die Samsung 840 Pro sind – die schnellste SSD, die wir je getestet haben – werden aufmerksame Leser sicher bemerkt haben, dass wir nach wie vor die Crucial m4 empfehlen, obwohl sie mittlerweile eher am unteren Ende der Performanceskala liegt. Aber solange der Preis stimmt, gibt es eine ganze Reihe von SSDs, die wir guten Gewissens empfehlen können, und es muss nicht unbedingt die allerschnellste SSD sein.

Bei der Markteinführung der Intel SSD 335 – wie erwähnt, ist derzeit nur ein einziges Modell mit 240 GB verfügbar – geht es in erster Linie um Senkung der Fertigungskosten bei gleichzeitiger Beibehaltung der Qualitätsansprüche, für die der Name Intel steht. Die niedrigeren Fertigungskosten werden zumindest teilweise auch an den Endkunden weitergegeben und das Resultat ist ein niedrigerer Listenpreis - in der Tat handelt es sich bei der SSD 335 um die erste SSD von Intel, die nicht nur weniger als 1€ pro Gigabyte, sondern sogar weniger als 1 Dollar pro Gigabyte kostet.

Maximale Performance war nie eines der Designziele dieser SSD – zum Beispiel ist der Controllerchip der bekannte, mittlerweile fast zwei Jahre alte Chip von SandForce. Und in der Tat liegt der Datendurchsatz des neuen SSD-Modells nicht höher als der des Vorgängermodells. Der Stromverbrauch liegt erwartungsgemäß niedriger, aber der einzige Grund für die neue Modellbezeichnung ist es, klar darauf hinzuweisen, dass 20nm NAND Flash Verwendung findet. Manche Hersteller behalten die Modellbezeichnung eines Geräts bei, selbst wenn sich das Innenleben völlig geändert hat, was schon oft zu Kundenfrust geführt hat – daher begrüßen wir, dass Intel mit offenen Karten spielt.

Das führt uns zur nächsten Frage: Können wir den Kauf einer SSD 335 empfehlen? Bei Onlinehändlern kostet die SSD 335 derzeit 166€, während die mit 25nm-Flash bestückte 240GB-Variante des Vorgängermodells SSD 330 ab 156€ verkauft wird. Außerdem gibt es natürlich auch von anderen Herstellern 240GB-SSDs mit dem gleichen SandForce-Controllerchip, zum Beispiel die Mushkin Enhanced Chronos Deluxe, die nur 151€ kostet, aber quasi als Zugabe eine höhere Performance aufweist. Warum werden viele Hardware-Enthusiasten dennoch 15€ mehr für eine langsamere Intel-SSD ausgeben? Die Antwort liegt im Ruf von Intel, keine Kompromisse bei der Qualität einzugehen.

Wenn sie auf Hardwareprodukte von Intel schwören, aber auch ihre Brieftasche schonen wollen, empfehlen wir den Kauf einer 120 oder 180 GB großen SSD 330. Selbst wenn es doch 240 GB sein müssen, ist die SSD 330 noch preiswerter als das neue Modell. Wir nehmen aber an, dass die SSD 335 bald weniger kosten wird als die SSD 330 und daher die 240GB große SSD 330 von den Händlerregalen verdrängen wird. Nach nüchterner Betrachtung der SSD 335 sind wir von ihr nicht vollends begeistert, aber es erscheint uns logisch, dass auch die Fertigung von Flash-Speicher sukzessive auf kleinere Halbleiterprozesse umgestellt wird, und wir sind Intel dankbar, dass diese Produktpflege offen und nicht klammheimlich durchgeführt wird.

Die Konkurrenz, von schnell nach langsam sortiert
Gleiche Tabellenposition 
bedeutet ähnliche Performance
NAND
Onlinepreis
Preis pro GB
Garantiezeit
Intel SSD 520: 240 GB
Intel SSD 520: 180 GB
OCZ Vertex 3: 240 GB
Synchron203€
138€
174€
0,85€
0,77€
0,73€
Fünf Jahre (SSD 520)
Drei Jahre (Vertex 3)
Intel SSD 335: 240 GB
Intel SSD 330: 240 GB
Intel SSD 330: 180 GB
Synchron166
156€
112€
0,69
0,65€
0,62€
Drei Jahre
OCZ Agility 3: 240 GB
OCZ Agility 3: 180 GB
Asynchron145€
138€
0,60€
0,77€
Drei Jahre
Intel SSD 520: 120 GB
OCZ Vertex 3: 120 GB
Synchron102€
84€
0,85€
0,70€
Fünf Jahre
Drei Jahre
Intel SSD 330: 120 GBSynchron81€0,68€Drei Jahre
OCZ Agility 3: 120 GBAsynchron79€0,66€Drei Jahre
Intel SSD 520: 60 GB
Synchron75€1,25€Fünf Jahre
OCZ Vertex 3: 60 GB
Intel SSD 330: 60 GB
Synchron55€
59€
0,92€
0,98€
Drei Jahre
OCZ Agility 3: 60 GBAsynchron53€0,88€Drei Jahre

Bei den meisten Produktlinien, CPUs vielleicht ausgenommen, hat sich Intel selten, wenn überhaupt, in Preiskämpfe hineinziehen lassen – so auch bei den SSDs. Vielmehr setzt Intel auf den Ruf erstklassiger Qualität, um die höheren Preise zu rechtfertigen. Wenn man den Qualitätsanspruch von Intel berücksichtigt, sollte uns die niedrigere Anzahl von Schreibzyklen, die die neueste SSD-Generation aufweist, beunruhigen oder nicht?

Unsere Antwort auf diese Frage lautet: Nein, nicht grundlos, und derzeit gibt es keinen Grund zur Sorge. Intel weiß genau, wozu die Flash-Chips in der Lage sind, und weil die SSD 240 GB groß ist, erscheint es uns extrem unwahrscheinlich, dass ein normaler Anwender je an die Grenze der möglichen Schreibzyklen stößt. Ganz im Gegenteil – wir denken, dass Intel sogar eine 180GB-Variante dieser SSD herausbringen wird. Eher haben wir bezüglich der 64GB-Variante der Samsung 840 Pro Bedenken  - diese SSD verfügt über keine Hardware-Datenkomprimierungseinheit, die oftmals Write Amplification abfedern kann, ist aber bereits mit brandneuem 21-nm-Flashspeicher bestückt, der höchstwahrscheinlich ebenfalls nur eine geringere Anzahl an Schreibzyklen verkraftet als die Vorgängergeneration.

Jedenfalls ist die Intel 335 SSD mehr als die Summe ihrer Einzelteile – sie ist gleich schnell wie die SSD 330, weist einen geringeren Stromverbrauch auf und bietet ebenfalls eine dreijährige Garantiezeit. Darüber hinaus eröffnet die 20-nm-Technologie Intel die Möglichkeit, sich preislich den Konkurrenzprodukten wieder anzunähern. Solange die 240GB-Variante der SSD 330 noch weniger kostet, können wir aber keine Kaufempfehlung für die SSD 335 aussprechen – denn schließlich war eine Preissenkung der Hauptzweck dieses Modellwechsels. Sobald sich das ändert, spricht aus unserer Sicht nichts gegen den Kauf des neueren Modells.

Alle 4 Kommentare anzeigen.
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  • ypnaphelios , 12. November 2012 10:06
    Gibt es auch eine 480 GB große Variante mit 120 GB?

    ...die 240 GB große Variante mit 240 GB herausgebracht...

    Ansonsten: Schöner Artikel.
  • Brat , 12. November 2012 13:08
    fülle mal eine ssd mit 1byte grossen dateien auf 4kb sektoren, dann ja
  • benkraft , 12. November 2012 16:22
    ypnapheliosGibt es auch eine 480 GB große Variante mit 120 GB?...die 240 GB große Variante mit 240 GB herausgebracht...Ansonsten: Schöner Artikel.


    Danke für den Hinweis. Drei Mal drüber gelesen, dann doch nicht gesehen. Manchmal sind es die offensichtlichsten Dinge, die man nicht erkennt.... Ist korrigiert.
  • klomax , 17. November 2012 14:34
    Die höhere Lebenserwartung einer 240er gegenüber einer 60er oder 120er ist wohl in Relation zur Speicher-Auslastung zu sehen. - Und wie ich das Laufwerk überhaupt nutze (Auslagerung, Read-Only mit vereinzelten Installationen, etc...).

    Die Rechnungen klingen horrormäßig, sind aber für einen durschnittlichen Anwender zu vernachlässigen.

    Eine große SSD hält imo dann nicht länger, wenn sie bis unter den Rand andauernd vollgeschrieben und dann wieder gelöscht wird. - Deshalb lässt man ja auch einen prozentualen Anteil des Laufwerks frei, egal ob 60 GB oder 512 GB, um den Verschleiß zu minimieren.

    Dass eine kleine 20nm-Legion (von Speicherzellen) schneller aufgerieben werden kann als eine große, naja, das versteht sich beinahe von selbst. - Größere Legionen halten im günstigsten Falle natürlich länger durch, aber das hängt auch von der Strategie ab, im Falle der SSD-Technik vom Anwendungsszenario.
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