Kopie oder Gegenentwurf?
Eine gute Frage, die man so leicht nicht beantworten kann. Auch wenn man sich an den Farben orientieren kann (und es wohl auch soll) - das Schaltgefühl ist durchaus etwas abweichend. Böse Zungen könnten nun behaupten, dass man bei Kailh einfach nur zu dumm zum richtigen Kopieren gewesen sei. Aber damit macht man es sich garantiert etwas zu einfach. Kailh ist zudem kein Neuling im Geschäft mit Schaltern aller Art und produziert seit nunmehr fast 24 Jahren branchenübergreifend so ziemlich alles, was auch nur irgendwie Klick, Klack und Ratsch macht.
Der Unterschied zwischen MX-Blue und Kailh Blue liegt eher in den Details der Feder- und Schalter-Charakteristik und ist beim Schreiben eigentlich kaum spürbar, was auch die nahezu identischen Daten und die Kurven der zwei Diagramme belegen:
| Cherry MB-Blue | Kailh Blue | ||
|---|---|---|---|
| Schaltertyp: taktil und mit ausgeprägtem Klickpunkt | Schaltertyp: taktil und mit ausgeprägtem Klickpunkt | ||
| Feedback/Charakteristik: präzise spürbar | Feedback/Charakteristik: präzise spürbar | ||
| Schaltweg: 2 mm ab Ausgangsposition 4 mm Hub gesamt | Schaltweg: 2 mm ab Ausgangsposition 4 mm Hub gesamt | ||
| Widerstände/Auslösepunkt: 50 g für den Federwiderstand allgemein ca. 60 g Spitzenwert zum Überwinden des Schaltpunktes | Widerstände/Auslösepunkt: 50 g für den Federwiderstand allgemein ca. 60 g Spitzenwert zum Überwinden des Schaltpunktes | ||
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Das Einzige, was einem im direkten Vergleich wirklich auffällt, ist der etwas zurückhaltender abfallende Widerstand nach dem Überwinden des Klickpunktes. Das würden wir sogar positiv bewerten, weil es das "Durchhämmern" etwas mildert und man faktisch mit dem Taster nicht so ausgeprägt durchsackt. Das kann bei etwas Training sogar dazu führen, dass man am Ende ein bisschen leiser schreibt, weil man nicht intuitiv so viel Kraft einsetzt. Ein taktiler Schalter mit einem sehr ausgeprägtem Klickpunkt bleibt es aber trotzdem.
Die Qualität der Tastenkappen ist akzeptabel und der Rest wie gehabt. Die Buchstabenaussparung wurde wie üblich gelöst, wobei die Farbbeschichtung doch recht dünn ausgefallen ist. Über die Haltbarkeit der ABS-Tastenkappen kann man nur spekulieren, wirklich praxisnah testen kann man es ohne Langzeittest im Labor leider nicht. Ein simulierter Abriebtest mit einer Polierscheibe ließ die Tastbeschichtung zumindest eine Minute unbeschädigt, was ein wenig Hoffnung gibt - das haben wir auch schon viel schlimmer in Erinnerung.
Ob hingegen die mechanische Haltbarkeit unter den etwas reduzierten Stegen leidet, kann ebenfalls kaum beantwortet werden. Die Tastenkappen wurden vom OEM zumindest noch einmal etwas minimalisiert und fallen somit deutlich einfacher aus als die beispielsweise auf den Roccat-Produkten verbauten Kappen.
Schriftart, Lesbarkeit und Ausleuchtung
Die gewählte Schriftart der Tastenbeschriftung ist klar und sehr gut lesbar. Hier hat sich der Hersteller anstelle des fast schon obligatorischen und viel zu fetten Firlefanzes anderer Hersteller wirklich etwas dabei gedacht. Die Ausleuchtung der unterhalb der Mittelachse platzierten Zeichen ist bauartbedingt nicht so optimal, denn die LED sitzt nun mal oben. Nutzt man ein US/UK-Layout, fällt dieser Nachteil jedoch nicht so extrem ins Gewicht wie z.B. auf der überladenen, deutschen Tastatur.
Wem bisher das Fehlen der Funktions-LED nicht aufgefallen sein sollte: Es gibt schlichtweg gar keine! Dinge wie Feststelltaste und Rollen werden so gelöst, dass diese Tasten nur dann permanent leuchten, wenn sie aktiviert sind. Ansonsten herrscht an diesen Stellen tiefe Nacht. Geschmacklich sicher diskussionswürdig, aber immerhin eine Lösung.
Die Helligkeit lässt sich per Fn- und F11-/F12-Tasten in mehreren Stufen regeln, was völlig ausreicht. Die hellen, blauen LED ergeben mit der perfekt konturierten Schrift ein gut erkennbares Tastenfeld bei fast jeder Beleuchtungssituation.






