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Was ist n-Key Rollover?

Exklusiv im Test: Tt eSports Poseidon ZX "Tenkeyless" von Thermaltake
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Wichtige Vorbemerkung

Zunächst müssen wir erst einmal klarstellen, dass das gern beworbene n-Key-Rollover (NKRO, also das gleichzeitige Übermitteln beliebig vieler gleichzeitig gedrückter Tasten) ja nur dann zustande kommt, wenn sowohl die Logik bei der Erfassung der gleichzeitigen Tastenanschläge und die dazu notwendige Übertragung an den PC in gleichem Maße funktionieren. Dabei spielt die Ausführung der Taster und deren Verschaltung (Logik) eine nicht unwesentliche Rolle, aber es ist eben auch nicht alles. Gehen wir deshalb erneut schrittweise bei der Erklärung vor.

Drücken einer Taste

Je nach Bauart, Aufwand und Preis gibt es wirklich extreme Unterschiede. Einfachere Tastaturen (meist nach dem Rubberdome-Prinzip) werten nicht jede einzelne Taste aus, sondern arbeiten lediglich nach dem Matrix-Prinzip. So gibt es nicht mehr für jede Taste einen eigenen Zustand, sondern man teilt einfach die Tastatur in Zeilen (vertikal) und Spalten (horizontal) auf. So haben wir Leiterbahnen als waagerechte Zeilen, die faktisch eine durchgehende und gemeinsame Kontaktschiene für jeweils alle auf einer Höhe nebeneinanden liegenden Tasten darstellen.

In einem geringen räumlichen Abstand dazu liegt darunter (oder darüber) ein flexibler Träger mit vertikalen Leiterbahnen, wobei auch hier (meist diagonal) eine Verbindung der übereinander liegenden Tasten realisert wird. Das ist nun wie beim Schach oder in Excel, wo die Zelle in der dritten Spalte der zweiten Zeile vereinfacht mit C2 bezeichnet wird. Durch das Drücken auf eine bestimmte Taste entsteht dann an dieser Stelle ein Kontakt zwischen einer der horizontalen und vertikalen Leiterbahnen:

Schaut man sich das Ganze auf der Animation an, dann ist das Prinzip sehr leicht nachzuvollziehen. Man spart Aufwand und Geld, indem man einen Tastenanschlag anhand dieser Logik ermittelt.

Drücken zweier Tasten in unterschiedlichen Spalten und Zeilen

Das ist noch relativ easy, denn das eben Beschriebene gilt in gleichem Maße. Da zudem durch den räumlichen Abstand unterschiedliche horizontale und vertikale Leiterbahnen genutzt werden, ist die Erfassung weiterhin eindeutig:

Die zwei erzeugten "Kurzschlüsse" sind für die Verschaltungslogik leicht und sicher auszuwerten, was sich in der Theorie sogar mit drei oder vier Tasten gleichzeitig machen lässt, solange kein geschlossener Block innerhalb zweier nebeneinander liegender horizonzalen und vertikalen Bahnen entsteht.

Geht dies in der Realität trotzdem in die Hose, liegt es nicht am Matrix-Prinzip als solchem, sondern an der limitierten Logik im (extrem niedrigpreisgen) Schaltkreis bei der Auswertung der Matrix. Trotzdem können wir bei z.B. sechs auf diese Weise noch erfassbaren Anschlägen nicht von einem echten 6-Key-Rollover (6KRO) sprechen, denn der Teufel steckt im Detail und es gehört noch viel mehr dazu.

Kollineare Tastenanschläge

Keine Angst, wir sparen uns professorale Abschweifungen. Aber: Was passiert, wenn wir nicht voneinander völlig unabhängige Kombinationen nutzen, sondern eine der Leiterbahnen (z.B. die waagerechte) bei allen gedrückten Tasten die gleiche ist? Kollinear wären also alle nebeneinander liegenden Tasten, beispielsweise S, D und F. Was passiert, wenn man alle drei gleichzeitig drückt?

Auch das funktioniert noch prächtig, da ja bei jeder Taste noch eine abweichende vertikale Leiterbahn dafür sorgt, dass man sie logisch auseinander halten kann. Auch dies können billige Tastaturen meist problemlos. Deshalb kommen wir nun auf den Punkt und betrachten die Situation, die den Spreu vom Weizen trennt.

Ghosting und Jamming im Tastenblock - Schrecken aller Gamer

Jetzt wird es fies, denn wir drücken im Geiste mal die Tasten S, D und E. Wir laufen also schräg rückwärts (S + D) und wollen mit E gleichzeitig z.B. etwas aufheben. Betrachten wir nun den Block aus den Tasten W, E, S und D. So lange nur zwei der vier Tasten gedrückt sind, ist die Auswertung möglich, da entweder kollinear oder diagonal versetzt kurzgeschlossen wurde. Kommt jedoch eine dritte Taste dazu, ist Ende Gelände. In genau diesem Moment sind alle vier Leiterbahnen untereinander kurzgeschlossen!

Die Logik ist also nicht in der Lage, noch genauer auszuwerten. Da die aktuelle Bedingung im Beispiel nicht nur für die drei gedrückten Tasten S, D und E gilt, sondern ja auch noch für das W, erscheint dieses als sogenannter Ghost. Manche Tastaturen verschlucken sich dann sogar und melden den dritten Anschlag aus Plausibilitätsgründen schon gar nicht mehr ("Key-Blocking").

Dann hat man das klassiche 2-Key-Rollover (2KRO) der meisten Billigtastaturen.

Zusammenfassung

Unter "Ghosting" und "Jamming" versteht man ein Problem, wenn einige Tastenkombinationen auf der Tastatur nicht mehr eindeutig funktionieren, weil mehrere nebeneinander im Block liegende Tasten gleichzeitig gedrückt werden.

Dies ist somit ein rein logisches Problem bei den als Spalten-Zeilen-Matrix verschalteten Tastaturen, welches sich im Endeffekt darin äußert, dass im Eifer des Spiels manche Tasten nicht oder nur noch sehr träge zu funktionieren scheinen oder eine Taste gemeldet wird, die gar nicht gedrückt wurde ("Ghost"). Die Tasten erscheinen unter Umständen aber auch als Buchstabensalat ("Jamming"), bei dem bereits identifizierte Tasten verschluckt oder überschrieben werden.

Natürlich könnte man auch bei Rubberdomes die Matrix ersetzen bzw. zusätzliche Unterscheidungsmerkmale einführen, aber das kostet mehr Geld in der Herstellung. Einige Hersteller befreien dann wenigstens bei ihren Gaming-Tastaturen den WASD-Block von diesen Fesseln, was aber für all jene in die Hose geht, die eine eigene Belegung vorziehen.

Somit bleibt am Ende als Vorteil der mechanischen Tastaturen vor allem auch die bessere Logik übrig, die eigentlich von Haus aus bereits einem NKRO nicht im Weg steht, da fast immer jeder Schalter auch als solcher einzeln ausgewertet wird.

Bei preiswerten Office-Tastaturen wird übrigens generell auf 2KRO begrenzt, die dritte Taste in einem Block wird also schon gar nicht mehr ausgewertet. Dies ist die einfachste und auch billigste Form des "Anti-Ghostings". Wirklich schön ist sie aber nicht gerade.

Bliebe jetzt nur noch die Frage, wie man diese Informationen zum PC und dann auch ins gewünsche Spiel überträgt und was auf dem Weg dorthin noch alles passierten bzw. verloren gehen kann.

Um den Bogen zurück zum Test zu schließen noch ein schlichter Satz  zum Abschluss: Die Tt eSports Poseidon ZX vermeidet Ghosting und Jamming perfekt.

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