AMD Ryzen Threadripper 1950X und 1920X - AMD's Kernkompetenz auf dem Prüfstand

Mit 16 Kernen, 32 Threads, 64-PCI-Express-3.0-Lanes und bis zu 2 TB adressierbarem Speicher ist AMDs Ryzen Threadripper 1950X eine CPU der Superlative. Doch auch die kleine Schwester 1920X steht ihr mit 12 echten Kernen kaum nach. Was also erwartet uns?

Ja, also noch einmal zum genauen Mitlesen: Der Ryzen Threadripper 1950X verfügt über satte 16 Kerne, respektive 32 Threads, 2 TB adressierbarem Speicher (den man mangels passender 256-GB-Module aktuell noch nicht einmal theoretisch ausnutzen könnte), sowie einen Basistakt von 3,4 GHz. So ähnelt der Prozessor auf dem ersten Blick auch sehr stark dem kürzlich kolportierten Intel Core i9-7960X, welcher voraussichtlich um die 1.500 Euro kosten wird.

Allerdings bietet AMD beim Threadripper immerhin 20 PCI-Express-3.0-Lanes mehr für deutlich weniger Geld, denn man rechnet aktuell mit Marktpreisen um die 1000 Euro nach der Einführung, Tendenz für später wohl sogar eher noch etwas darunter. Für Vielnutzer von schnellen SSDs und mehreren Grafikkarten ist dies natürlich mehr als nur eine nette Offerte.

Der Threadripper Ryzen 1920X besitzt immerhin noch 12 Rechenkerne, ermöglich mittels SMT 24 Threads und besitzt einem Basistakt von 3,5 GHz. Beide CPUs können aber Dank Boost alle auf maximal 4 GHz takten und mittels XFR sogar noch einen Tick höher, wenn die Temperaturen stimmen. AMD plant auch noch einen kleineren Ableger mit 8 Kernen, der den Ryzen 7 ähnelt, aber ebenfalls auf die X399-Plattform setzt, deren gewaltiger Sockel SP3 (TR4) mit 4094 Pins versehen ist und auf das LGA-Format (Large Grid Array) setzt. Damit entfallen die bekannten Pins an der SPU und man setzt stattdessen wie Intel auf Kontaktflächen.

Die Details zur Ryzen-Architektur und alle Besonderheiten haben wir im Launchartikel zum Ryzen 7 1800X bereits sehr ausführlich beschrieben, sodass wir uns nach all den ganzen Follow-Ups zur Ryzen-Familie eine nochmalige Wiederholung sparen möchten. Wer es genauer wissen möchte, darf sich hier gern noch einmal einlesen und alles über CCX, XFR und die SenseMI-Suite erfahren.

Der Vorteil der Architektur besteht in ihrer Skalierbarkeit, soviel wissen wir ja bereits noch aus den ganzen Ryzen-Artikeln und der Möglichkeit, die Kernzahl sogar innerhalb eines Die zu variieren. Doch auch in die andere Richtung stehen viele Möglichkeiten offen. AMDs CCX und Infinity Fabric ermöglichen es nämlich auch, mehrere solcher Dies miteinander fast nahtlos zu verbinden. Sind es bei AMDs Serverprozessoren der Epyc-Reihe noch vier Dies, setzt Threadripper auf insgesamt zwei. Wenn wir uns das nachfolgende Schema anschauen, dann sehen wir auch die erwähnte Nahtstelle.

Am Ende ist so ein Ryzen Threadripper also fast nichts anderes, als zwei Ryzen 7 mit jeweils acht Kernen in einem gemeinsamen Gehäuse. Den Unterschied macht die gesamte Infrastruktur, die mit dem X399-Chipsatz auch viele neue Möglichkeiten eröffnet. Das Unboxing beider CPUs haben wir vorab schon gespoilert, so dass man alle Details zur Verpackung und der Montage dem Bericht "AMD Ryzen Threadripper: Unboxing und erster Hands-On-Test" entnehmen kann.

Testsystem und Einführung

AMD stellte uns für die Tests (wie fast allen anderen Redaktionen auch) ein Asus X399 ROG Zenith Extreme als Mainboard zur Verfügung. Zur Wasserkühlung von Thermaltake, einem OEM-Produkt von Asetek, werden wir später noch etwas schreiben. Luftkühlung wäre für Threadripper sicher theoretisch und praktisch sogar möglich, scheitert aktuell aber an passenden Kühlern. Trotzdem setzen wir auf Wasser, aus gutem Grund.

Wir werden das System, wie auch schon bei Skylake-X, mit DDR4 3200 bestücken und benchmarken, wobei wir an dieser Stelle bereits auf den Abschnitt mit der Leistungsaufnahme hinweisen wollen, denn bezüglich des Speichertaktes muss man auch bestimmte Besonderheiten der CPU und der benötigten Teilspannungen beachten.

Über den neuen Sockel haben wir ebenfalls sehr ausführlich berichtet und verweisen diesbezüglich auch unseren Vorabbericht "Sockel SP3 für Threadripper - Kühlerkompatibilität und exklusive Detailzeichnungen". Wir haben natürlich auch Übertaktet und die Leistungsaufnahme, sowie die korrespondierenden Temperaturen von CPU und Spannungswandlern ermittelt und dokumentiert. Ohne vorab zu spoilern: diesmal gab es keinerlei Throttling, immerhin.

Wir möchten allen Tests unbedingt und explizit voranstellen, dass AMD mit den Ryzen Threadripper nunmehr spezielle CPUs auf den Markt bringt, deren Haupteinsatzgebiet eher im semi- und professionellen Bereich von Content-Creation, Workstation und Ähnlichem zu suchen sein wird und es sich definitiv nicht um eine Enthusiasten-CPU fürs High-End-Gaming handelt. Deshalb haben wir zwar auch sehr ausführliche Gaming-Tests mit verschiedenen CPU-Settings absolviert, verweisen aber gleichzeitig auch auf unseren Benchmarkteil mit echten Workstation-Anwendungen bis hin zum HPC-Szenario. Gaming geht natürlich auch, aber eben nicht nur.

Inbetriebnahme und technische Daten

Die neue Test-Methodik haben wir im Grundlagenartikel "So testen wir Grafikkarten, Stand Februar 2017" ja bereits sehr ausführlich beschrieben und so verweisen wir deshalb der Einfachheit halber jetzt nur noch auf diese detaillierte Schilderung. Wer also alles noch einmal ganz genau nachlesen möchte, ist dazu gern eingeladen.

Abweichend ist in diesem Falle nur die Hardwarekonfiguration mit CPU, RAM, Mainboard, sowie die neue Kühlung, so dass die Zusammenfassung in Tabellenform schnell noch einen kurzen Überblick über das hier und heute verwendete System gibt:

Testsysteme und Messräume
Hardware:

AMD Sockel SP3 (TR4)
AMD Ryzen Threadripper 1950X, 1920X
Asis X399 ROG Zenith Extreme
4x 8 GB G.Skill TridentZ DDR4-3200

Intel Sockel 2066

Intel Core i9-7900X
MSI X299 Gaming Pro Carbon AC
4x 4 GB G.Skill RipJaws IV DDR4-2600

AMD Sockel AM4 Workstation
AMD Ryzen 7 1800X, 1700X, 1600X, 1500X
MSI X370 Tomahawk
4x 8 GB G.Skill TridentZ DDR4-3200

Intel Sockel 2011v3:
Intel Core i7-6900K
MSI X99S XPower Gaming Titanium
4x 4 GB Crucial Ballistix DDR4-2400

Intel Sockel 1151:
Intel Core i7-7700K
MSI Z270 Gaming 7
2x 8GB Corsair Vengeance DDR4-3200@2400 MHz

Alle Systeme:
GeForce GTX 1080 Founders Edition (Gaming)
Nvidia Quadro P6000 (Workstation)

1x 1 TByte Toshiba OCZ RD400 (M.2, System SSD)
2x 960 GByte Toshiba OCZ TR150 (Storage, Images)
Be Quiet Dark Power Pro 11, 850-Watt-Netzteil
Windows 10 Pro (alle Updates)

Be Quiet Dark Power Pro 11, 850-Watt-Netzteil
Windows 10 Pro (Creators Update)
Kühlung:
Alphacool Eiszeit 2000 Chiller
Alphacool Eisblock XPX
Thermal Grizzly Kryonaut (für Kühlerwechsel)
Monitor:
Eizo EV3237-BK
Gehäuse:
Lian Li PC-T70 mit Erweiterungskit und Modifikationen
Modi: Open Benchtable, Closed Case
Leistungsaufnahme:
berührungslose Gleichstrommessung am PCIe-Slot (Riser-Card)
berührungslose Gleichstrommessung an der externen PCIe-Stromversorgung
direkte Spannungsmessung an den Shunts, den jeweiligen Zuführungen und am Netzteil
Auslesen der Mainboard-Sensoren
2x Rohde & Schwarz HMO 3054, 500 MHz Mehrkanal-Oszillograph mit Speicherfunktion
4x Rohde & Schwarz HZO50, Stromzangenadapter (1 mA bis 30 A, 100 KHz, DC)
4x Rohde & Schwarz HZ355, Tastteiler (10:1, 500 MHz)
1x Rohde & Schwarz HMC 8012, Digitalmultimeter mit Speicherfunktion
Thermografie:
Optris PI640, Infrarotkamera
PI Connect Auswertungssoftware mit Profilen
Akustik:
NTI Audio M2211 (mit Kalibrierungsdatei)
Steinberg UR12 (mit Phantomspeisung für die Mikrofone)
Creative X7, Smaart v.7
eigener reflexionsarmer Messraum, 3,5 x 1,8 x 2,2 m (LxTxH)
Axialmessungen, lotrecht zur Mitte der Schallquelle(n), Messabstand 50 cm
Geräuschentwicklung in dBA (Slow) als RTA-Messung
Frequenzspektrum als Grafik
Erstelle einen neuen Thread im Artikel-Forum über dieses Thema
15 Kommentare
    Dein Kommentar
  • lowmotion
    Danke für den ausführlichen Test!

    Wie würde man den Threadripper als reine Spiele-CPU konfigurieren? Rein theoretisch ist die CPU selektiert und erreicht mehr als 4Ghz. Was passiert mit schnellerem Speicher (DDR4-4000+) oder/und ohne SMT mit nur 8 Kernen? Kann man für 24/7 8 Kerne mit 4,5Ghz betreiben? Oder bezieht sich die Selektierung nur auf die hohe Vcore Toleranz?
    0
  • foldinghomalone
    Ich kann mir vorstellen, dass für Gamer der TR 1900X recht interessant sein dürfte.
    0
  • bigreval
    Ist so gut wie gekauft! 2xAorus 1080Ti Extreme unter Wasser (schon vorhanden), dazu der 1950X und Papa hat seine neue Workstation...

    Im Ernst, wenn ich da Preis/Leistung sehe und was ich damit (theoretisch) einspare an Zeit und somit Geld, ist das Ding so gut wie gegessen. Nun noch ein paar MoBo Tests abwarten (Gigabyte + Asus + Asrock) und meine neue WS ist fertig!!!
    0
  • LokusKnall
    Ist fein wenn sich die Hitze nicht unter der Blechkappe zum Lagerfeuer trifft oder?
    0
  • LokusKnall
    toller Test
    0
  • Jolly91
    Ich sag es mal so, das sind 12, bzw. 16 Kerne. Logisch das man sowas nicht für´s Gaming nutzen kann, wo ich mich freue wenn einmal die hälfte meines 6 Kerners (i7-3930K) genutzt wird.

    Der 1900X könnte sehr interessant werden. Ähnlich wie damals zu X79 Zeiten, der i7-4820K auf einem X79 Board. Das Teil mit 8 Kerne dann auf 4,5 - 5,0Ghz takten und abwarten was passiert. Der wird warscheinlich auch nicht so viel kosten, nur hat man Platz für 8 Speicherriegel und 60 PCI-E Lanes.

    Aber Threadripper erinnert schon an den Q6600 wo Intel zwei E6600 vereinte.
    0
  • bigreval
    Ja, irgendwie müßen die ja die Waver verwerten, wenn alles in einem einzigen Die ist, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Ausbeute nicht so hoch. Ein defekter Kern und schon ist es ein Die für den “kleinen“....
    Aber mal ernsthaft, die Die-Aufteilumg ist doch klasse! Damit kann der HS doch die Abwärme besser verteilen! Und durch das Lot ist doch alles Presto! Ich bin ehrlich gesagt begeistert!
    @Igor: Wie viel Vorlaufzeit braucht dein Chiller bis er die 20°C halten kann? Ist ja doch eine Menge Flüssigkeit. Einmal bei “Raumtemperatur“ und im worst case bei 30°C Raumtemperatur ? Solche Angaben finde ich so gut wie bei keinem Hersteller.
    0
  • FormatC
    Für die 20°C brauche ich von 25°C nach unten hin keine 5 Minuten. Mit 40l/Minute läuft alles viermal pro Minute komplett durch. Dazu der Kompressor mit der immensen Anschlussleistung :D
    0
  • KalleWirsch
    Jetzt muss ich mal doof fragen: TR4 hat doch 4 RAM Channel angekündigt gehabt, ihr baut nur 2 Ram-Riegel rein?

    Hab ich was verpasst? Lieg ich falsch?
    0
  • FormatC
    32 GB (4x 8GB). Da war noch ein Fehler in der Tabelle. Natürlich Quad-Channel :)
    0
  • besterino
    Coole Plattform für'n All-in-one-Homeserver mit Virtualisierung, vor allem der kleinere für ca. 800 Euro. ECC, PCIe-Lanes ohne Ende... jetzt müsste nur noch'n ESXi drauf laufen. Magst Du das mal testen, Igor? Gerne mit PCIe-Passthrough und so... Wenn Du keine Lust hast, ich würde mich anbieten - müsstest mir nur die Hardware mal schicken... ;)
    0
  • fffcmad
    Gewinnspiel?
    0
  • Willi70
    Gut gemachter Test ! Die 1920 wird wohl meine nächste CPU...
    0
  • FormatC
    Anonymous sagte:
    Gewinnspiel?

    Träum weiter :P
    1
  • derGhostrider
    Hui, die vielen Grafiken haben eine Menge Arbeit gemacht...
    Danke für den Test, es wurde auch Zeit, dass man darüber etwas lesen kann.

    Nun fehlen noch die Intel-CPUs, die in diesem Bereich kontern.
    Entscheidend wird langsam aber sicher die Auslegung der Taktstufen bei Teillast.

    Wäre es in Zukunft möglich die "OC"-Ergebnisse durch blassere Balken bei allen CPUs zu kennzeichnen, ähnlich, wie es am Ende hier auch teilweise der Fall war?
    Hier spricht die Faulheit: Ich finde es etwas mühseelig immer dreimal hinschauen zu müssen, ob irgendwo ein Hinweis versteckt ist, ob das nun ein Wert für regulären Betrieb ist, oder nur ein OC-Experiment.
    Beide Werte haben ja ihre Berechtigung, doch eine durchgehaltene deutliche optische Trennung wäre einfach super.

    BTW: In einem Graph ist z.B. der 7900X zweimal, wobei beim übertakteten Ergebnis die Kennzeichnung fehlt.

    ---

    Und nun auf die Ergebnisse bezogen:
    Viel-hilft-viel (viele Kerne) vs schlechte IPC.
    In dem Vergleichstest ist es zwar schön zu sehen, dass die AMD-CPUs mit Kiddie-Namen prinzipiell wirklich gut abschneiden, doch ausgerechnet einem großen Teil der eigenen Zielgruppe nicht gerecht werden: Beim Spielen hinken sie dann doch etwas zu deutlich hinterher.

    Jetzt muss AMD natürlich hoffen, dass Intel noch etwas trödelt, bevor die großen CPUs released werden, da diese - mit steigender Kernzahl - ebenfalls skalieren werden und dann neben der höheren IPC auch hinreichend Kerne mitbringen.

    Damit dürften wir endgültig die Zeit verlassen haben, in der "die größte CPU" auch prinzipiell "die beste CPU" ist.
    Man kann sich allerdings fragen, warum es solche extremen mehrkern CPUs überhaupt im Consumer-Markt gibt. Die Boards sind teuer wie Workstation/Server Boards, die CPUs sind preislich ebenfalls in diesem Bereich angesiedelt, dafür allerdings Kindergartenoptik mit LED-Mayhem, etc.
    Das hätte man auch, wie all die Jahre zuvor, in dem Bereich belassen können, wo es eigentlich hingehört.

    Nunja, es gibt einen einfachen Grund:
    Benchmarkkronen verkaufen Hardware.
    Egal wie man diese Krone erhält, egal wie überteuert das Spitzenprodukt, das die Krone erobert hat, auch sein mag: Dieser Benchmark färbt auf die gesamte Produktpalette ab und steigert die Verkaufszahlen.
    Das ist bei Grafikkarten genau so und begründet auch das Rebranding von alten Karten: Die verkaufen sich dann besser, auch wenn sie nicht neuer oder schneller sind, als mit altem Namen.

    AMD konnte über die Kernzahl an Intel vorbeirutschen - darum wurde es gemacht.
    Dann bleibt nur zu hoffen, dass die Software angepasst wird: Programmierung weitestgehend parallelisieren, sofern sinnvoll, und wenn das bereits ausgereizt ist: Einfach mehr berechnen lassen, wofür früher keine Zeit / Rechenleistung vorhanden war. Man hat ja noch eine Hand voll ungenutzter Rechenkerne übrig.

    So schön das alles ist, so deprimierend ist es ebenfalls: Anwendungen, die sich nicht optimieren lassen, haben keinen Vorteil.
    Sind wir also bereits am Ende der Fahnenstange angekommen und wird es in Zukunft nur noch marginale Steigerungen geben?
    0