Transcend DrivePro 220: Dashboard-Kamera für jedermann

Die Armaturenbrett-Kamera Transcend DrivePro 220 bietet WLAN-Unterstützung und eine eigene Smartphone-App. Wir haben die Dashcam getestet und einen Anwalt zur umstrittenen Rechtlage beim Einsatz solcher Kameras befragt.

Dashcams liegen schwer im Trend. Die meist überaus kompakten, über einen Zigarettenanzünder mit Strom versorgten Kameras zeichnen das Verkehrsgeschehen über die gesamte Fahrtdauer auf.

Transcend bietet mit der DrivePro 220 ein Modell an, dass mit lichtstarkem Objektiv, guter Aufnahmequalität und umfangreichen Zusatzfunktionen wie einem Fahrspurhalteassistent begeistern soll und zudem auch noch WLAN bietet.

Installation

Die Installation der DrivePro 220 ist  erwartungsgemäß unkompliziert. Die unserem Testexemplar beiliegende Saugnapfhalterung ermöglicht eine schnelle und stabile Installation, die Halterung lässt sich selbstredend problemlos wieder entfernen – ein großer Vorteil in Miet-, oder Firmenautos. Die Befestigung der Dashcam selbst erfolgt über einen Schiebemechanismus, über einen Kugelkopf lässt sich die Ausrichtung der Kamera zudem fein justieren.

Mit Strom versorgt wird die Dashcam über einen Mini-USB-Port. Transcend liefert ein über drei Meter langes Kabel für die Bordspannungssteckdose ("Zigarettenanzünder") mit. In beiden verwendeten Testwagen war das Kabel ausreichend lang. Es ist überdies sehr zu empfehlen, das Kabel nicht im direktem Wege zu verlegen, sondern wie in der Bedienungsanleitung vorgegeben über den rechten Teil der Mittelkonsole und der A-Säule entlang zum Rückspiegel und von dort nach unten zur Dashcam.

Die Erstinstallation der Kamera ist schnell abgeschlossen; hier ist eine Einstellung der Sprache und gegebenenfalls ein Firmware-Update nötig. Eine 16-Gigabyte-Speicherkarte des Herstellers befindet sich im Lieferumfang, einer sofortigen Verwendung steht somit nichts im Weg.

Das 2,4 Zoll große LCD-Display löst in Sachen Wiedergabequalität keine Begeisterungsstürme aus, reicht allerdings aus, um die Dashcam richtig auszurichten, Einstellungen vorzunehmen und auch Videoaufnahmen direkt mit einem Schreibschutz zu versehen.

Die Menüs sind sinnvoll strukturiert und die vier unter dem Display angebrachten Tasten ermöglichen eine schnelle Bedienung. Während der eigentlichen Fahrt stellt sich das Display auf Wunsch nach einer gewissen Zeit ohne Eingabe sinnvollerweise automatisch ab; die laufende Aufnahme wird dann nur von einer roten LED signalisiert.

Aufnahmequalität

Die wichtigste Funktion einer Dashcam liegt naturgemäß in der möglichst optimalen Aufnahme des Verkehrsgeschehens. Der Begriff "Bildqualität" ist hier auf den Einsatzzweck anzuwenden: Es geht nicht unbedingt um die beste Farbwiedergabe und die schönsten Aufnahmen, sondern vorrangig um die Erkennbarkeit anderer Verkehrsteilnehmer unter wechselnden Aufnahmebedingungen und auch in der Nacht.

Videos lassen sich in HD- (720p, 1280 x 720 Pixel) und in Full-HD-Auflösung (1080p, 1920 x 1080 Pixel) mit 30 Bildern in der Sekunde aufnehmen. In Full-HD finden gut zwei Stunden Aufnahmen auf der beliegenden Speicherkarte Platz. Ist diese voll, werden die ältesten Aufnahmen überschrieben. Auch wenn die Dashcam fortlaufend aufzeichnet, werden die Videos in wahlweise ein, zwei oder fünf Minuten große Video-Dateien verpackt – das ist kein Nachteil, sondern erleichtert die Suche nach der passenden Aufzeichnung ganz ungemein.

Die Videoqualität ist stark abhängig von der Beleuchtungsqualität und insgesamt gut bis sehr gut, könnte allerdings generell ein klein wenig mehr Schärfe vertragen. Während die am Tag gefertigten Aufnahmen neben der reinen "Verkehrsbeobachtung" durchaus auch dazu dienen können, landschaftlich schöne Strecken aufzunehmen, fällt die Ansehnlichkeit von Nachtaufnahmen naturgemäß ab.

Transcend bewirbt die 'Wide Dynamic Range'-Technologie der Kamera und tatsächlich überblendet etwa eine helle Beleuchtung eines entgegenkommenden Fahrzeuges in der Nacht nicht ganze Bildausschnitte. Die Qualität der wahlweise aufgezeichneten Sprachaufnahmen ist dagegen mittelprächtig, aber immerhin sind Gespräche innerhalb des Wagens verständlich zu hören.

Um das Überschreiben von wichtigen Aufzeichnungen zu verhindern, gibt es sogenannte Notfallaufnahmen. Maximal 15 dieser vom Überschreiben geschützten Aufnahmen lassen sich manuell oder automatisiert via Beschleunigungssensor auf der Speicherkarte ablegen. Diese Notfallaufnahmen sind generell sehr sinnvoll und speichern 30 Sekunden vor dem Tastendruck oder der Erschütterung und eine halbe Minute danach auf.

Während das Auslösen einer solchen Notfallaufnahme per Schalter problemlos funktioniert, bereitet die Aktivierung per Beschleunigungssensor schon einmal Kopfzerbrechen, registriert dieser doch auch Schlaglöcher, Kopfsteinpflaster und gewisse Fahrmanöver – aber immerhin lässt sich die Empfindlichkeit in drei Stufen regeln und der G-Sensor bei Bedarf auch komplett abstellen. In der Praxis erscheint diese Notfallaufnahme weniger bedeutend, lassen sich aufgezeichnete Videodateien doch auch im Nachhinein mit einem Schreibschutz versehen.

Eine wichtige Rolle kommt dem Bewegungssensor dagegen in der Parküberwachung zu: Da die DrivePro über einen Akku verfügt, kann Sie auch zur Überwachung des abgestellten Autos eingesetzt werden. Bei einer Erschütterung beginnt die Aufnahme, allerdings bietet die Dashcam hier nur zeitlich begrenzte Aufnahmekapazitäten. 

Wichtig: In Abhängigkeit vom Fahrzeugmodell kann es Herstellerangaben zufolge dazu kommen, dass die DrivePro 220 bei ausgeschalteten Motor weiterhin Strom zieht und damit die Autobatterie strapaziert oder gar komplett entleert.

Die Videos kommen zudem auf Wunsch mit Markierungen der entsprechenden GPS-Koordinaten, der Momentangeschwindigkeit und der Datums- und Zeit-Angabe. Die Erfassung der Positionsdaten erfolgt wahlweise über GPS oder das Alternativsystem GLONASS. Im Test kam ausschließlich GPS zur Verwendung, welches keinerlei Anlass zur Kritik gab: Das GPS-Signal ist schnell gefunden und genau. Die Positionsdaten werden sauber in einer extra Datei gespeichert und lassen sich für sich genommen auch in Google Earth anzeigen.

Was die Kamera hingegen nicht bietet, ist eine Verschlüsselung der Aufnahmen, letztlich lassen sich somit alle getätigten Aufnahmen von jedermann anschauen. Screenshots lassen sich direkt am Gerät anfertigen - sowohl während als auch nach der Aufnahme.

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12 Kommentare
    Dein Kommentar
  • Verhält sich der rechtliche Aspekt dabei genauso wie beim Thema Actioncam am Motorrad? Im Prinzip ist es ja noch schlimmer, da ich ja erst recht keinen wirklichen Grund zur Aufnahme habe und die Aufnahme zudem auch noch über längere Zeit erfolgt. Auch wenn ich die Aufnahmen nur für den privaten Gebrauch mache und nie veröffentliche ist das Ganze rechtlich doch eher Grauzone, oder?
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  • platt gesagt, du darfst im öffentlichen raum so viel filmen wie du willst solange du es NICHT veröffentlichst und auf ausdrücklichen Wunsch auch löscht.

    und ich will den Richter sehen, der eine solche aufnahme bei einem prozess nicht zulässt, wenn damit die unschuld des angeklagten bewiesen werden kann ;) So ein urteil wird doch direkt wieder kassiert - es geht ja dann auch direkt um die "notfallaufnahmen" zumindest bei dieser cam...

    einen anderen verkehrsteilnehmer basierend auf diesem material "grundlos anschwärzen" zu wollen dürfte aber genausosicher in die Hose gehen :-p
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  • Böse Zungen würden behaupten, dass der Anschaffungspreis den Restwert meines treuen Automobils übertseigt - und das liegt nicht daran, dass die DrivePro teuer wäre ;)
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  • Die Nachtaufnahmen sind irgendwie seltsam, sieht aus als wäre die Scheibe ziemlich dreckig.
    Hat da jemand vergessen zu putzen?

    Also ich fahre niemals wieder ohne DashCam.
    Wer schon mal die Begegnung der dritten Art mit höheren Beamten hatte, und dann allein im Auto unterwegs war...

    Lieber ärger ich mich, wenn das Video doch nicht zugelassen wird, als wenn man überhaupt keine Zeugen hat.
    Und es gibt kaum Autos, in die genug Zeugen passen, wenn zwei Beamten gegen Einen stehen...

    @Tesetilaro
    ... hast du schon mal mit Richtern in diesem Land zu tun gehabt ? Falls ja, wundert mich Deine Aussage ...
    Das Problem mit dem "Kassieren" ist, das man erstmal die Konsequenzen tragen muss, und das Gelingen des "Kassierens" erstmal unsicher ist. Das muss man sich erstmal "Leisten" können, und damit meine ich nicht nur Geld...
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  • oh habe ich schon mehrfach, und in einem Fall hätte ich mir die Cam gewünscht... (Abstandsunterschreitung - verursacht durch den üblichen "ich zieh mit 100 km/h hinter dem LKW raus ohne in den Rückspiegel zu schaun" Idioten) - da hätte eine Kamera aber sowas von geholfen.

    im anderen Fall hat die Stadt München 2 Prozesse verloren, weil ein Polizist eine nicht glaubwürdige Aussage abgeliefert hat, die dann im zweiten Prozess durch einen Gutachter (des Gerichts) für ca. 5000 € Kosten widerlegt wurde. Aber eine gute Rechtsschutzversicherung ist in jedem Fall eine gute Investition ;)
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  • Vielleicht mal ein neues Auto Myrkvidr? :)
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  • in seinem Fall wohl eher: "Kommt Zeit, kommt Rad" :-p
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  • Du darfst halt keine Afnahmen machen von Einzel Personen und Fahrzeugen die dem nicht zugestimmt haben. Entsprechend ist es nicht verwertbar vor Gericht.

    Du kannst ja in Spiegelschrift auf die Motorhaube "Dashcam on Board, Sie werden gefilmt" schreiben, vielleicht reicht das ^^

    Wie beim Schwarzfahren:
    Wenn Du Schwarzfahrer auf dem T-Shirt stehen hast, dann ist es keine versteckte Leistungserschleichung oder wie das heißt also kannst Du nicht mehr wegen trügerischer Absicht belangt werden.
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  • falsch @ rob, du darfst im öffentlichen raum so viel filmen und fotografieren wie du willst (street view) - du solltest nur eben nicht einzelne personen stalken... UND Du darfst die Aufnahmen nicht einfach so veröffentlichen, und mußt auf wunsch löschen, wobei hier nach nem unfall keiner kommen kann, lösch mal... das wäre vernichtung von beweismitteln *g*
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  • 65059 said:
    falsch @ rob, du darfst im öffentlichen raum so viel filmen und fotografieren wie du willst (street view) - du solltest nur eben nicht einzelne personen stalken... UND Du darfst die Aufnahmen nicht einfach so veröffentlichen, und mußt auf wunsch löschen, wobei hier nach nem unfall keiner kommen kann, lösch mal... das wäre vernichtung von beweismitteln *g*


    Das ist falsch siehe hier:

    http://www.br.de/nachrichten/mittelfranken/inhalt/dashcam-datenschutz-ansbach-100.html

    Ein Weitergabe an die Polizei ist nicht gestattet, bzw bringt nix, da Du vorher Kennzeichen unkenntlich machen musst ^^

    Absatz: "Was ist erlaubt?" Zitat: "Im Klartext: Wer mit der Dashcam Verstöße anderer aufnehmen und zur Anzeige bringen will, verstößt gegen geltendes Recht."

    Damit kannst Du niemandem was der Dir reinfährt belangen, höchstens nachweisen, dass Du selbst nicht schuldig bist.
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  • nein es ist schon genau so wie ich oben geschrieben habe - man kauft eine Dashcam um ggf. die eigene unschuld zu beweisen und oder schöne aufnahmen einer tollen strecke zu machen...

    dass es nicht erlaubt ist andere anzuschwärzen finde ich gut, aber auch hier kann sich das schnell ändern, und zwar wenn es nicht um lappalien geht, sondern um verbrechen (Körperverletzung) - dann bist Du zeuge und erwähnst daß Du es auch auf film hast - wie hoch ist die chance daß der Richter nein sagt?
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  • 65059 said:
    nein es ist schon genau so wie ich oben geschrieben habe - man kauft eine Dashcam um ggf. die eigene unschuld zu beweisen und oder schöne aufnahmen einer tollen strecke zu machen... dass es nicht erlaubt ist andere anzuschwärzen finde ich gut, aber auch hier kann sich das schnell ändern, und zwar wenn es nicht um lappalien geht, sondern um verbrechen (Körperverletzung) - dann bist Du zeuge und erwähnst daß Du es auch auf film hast - wie hoch ist die chance daß der Richter nein sagt?


    Genauso groß, wie die Chance, dass die Verteidigung in der zweiten Instanz damit durchkommt, dass das Beweismittel unzulässig war ^^
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