AMD Radeon Vega Frontier Edition im Test: Wandern zwischen den Welten

Die AMD Radeon Vega Frontier Edition will beides sein - Arbeitstier und hochpreisiges Spielzeug in einem. Doch während Nvidias Titan XP keine zertifizierten Quadro-Treiber unterstützt, fährt AMD mangels Alternativen das volle Radeon Pro Programm.

Damit ist dann im Ungefähren auch schon abgesteckt, wo AMD eigentlich hinwill. Während nämlich Nvidia aufpassen muss, nicht die eigene Schwesterkarte, die Quadro P6000, zu kannibalisieren, hat AMD (aktuell) keine hausinterne Schwester, die man damit schwächen könnte. Im Gegenteil, denn so versucht AMD recht elegant, die Lücke des Spitzenmodells in der fast schon aufgegeben scheinenden Radeon Pro-Reihe mit einem passenden Modell endlich irgendwie zu füllen.

Anders als Nvidias Titan XP setzt die Vega Frontier Edition nämlich auf die Möglichkeit, auf Wunsch auch die zertifizierten Radeon Pro Treiber nutzen zu können, was bei einigen Software-Paketen überhaupt erst die Grundvoraussetzung für einen Programmstart ist. Ob man sich nun im Kunstwort Prosumer wiedererkennt, was nichts anderes als einen professionellen Consumer beschreibt, oder sogar direkt aus der Workstation-Ecke kommt und gern eine blaue Karte der roten Fraktion hätte - die Karte kann bzw. soll es bieten.

Damit wäre elegant vom Content-Produzenten bis hin zum typischen CAD-Anwender eigentlich alles abgedeckt. Spielen können soll man damit auch, natürlich. Nur dass AMD hier eben NICHT den Schwerpunkt sieht, denn dafür launcht man in absehbarer Zeit ja RX Vega. Preislich wird die Gaming-Ablegerin dann sicher auch deutlich günstiger angeboten werden können.

Da unser Schwerpunkt nicht auf den Spielen liegt, wobei wir diese natürlich mit streifen werden, stellen wir die Radeon Vega Frontier Edition (im weiteren Verlauf einfach FE genannt) mit Absicht gegen die deutlich teurere Quadro P6000, die aktuell ungefähr dreimal so viel kostet.

Denn erstens hat so ein Vergleich durchaus seinen Charme, was die mögliche Preisersparnis anbelangt, zweitens können wir auch professionelle Software testen, die mit der Titan XP überhaupt nicht oder nur schlecht läuft und drittens liegt die Spieleperformance der Quadro P6000 im aufgewärmten Zustand ja eh kaum niedriger als die der Titan XP.  Denn wenn wir ehrlich sind, mit irgendetwas müssen wir uns ja von den bereits veröffentlichen Reviews abheben. Deshalb haben wir auch dem technischen Aspekt bis hin zur Platine deutlich mehr Raum gegeben.

Optik, Haptik und Anschlüsse

Die immerhin 1050 Gramm schwere Karte ist 26,8 cm lang (ab Außenkante Slot-Blende bis Ende Gehäuse), 10,5 cm hoch (ab Oberkante Mainboard-Slot bis Oberkante Gehäuse) und 3,5 cm tief. Damit ist es eine echte Dual-Slot-Karte, auch wenn die Backplate noch einmal ca. 0,4 cm auf der Rückseite benötigt.

Gehäuseabdeckung und Backplate sind aus blau eloxiertem Aluminium, welches sich wertig und kühl anfasst. Alle Schrauben sind mattschwarz lackiert. Nur das aufgedruckte Radeon-Symbol hebt sich farblich deutlich ab. Damit folgt AMD auch der Farbgebung der aktuellen Radeon-Pro-Reihe mit den WX-Karten, wobei dieses Blau deutlich dunkler und kräftiger ist.

Die Oberseite ist geprägt von den beiden 8-Pin PCIe-Spannunsgversorgungs-Anschlüssen, sowie dem in der Gehäuseecke eingefassten, gelb leuchtenden Radeon-Logo in Form eines Acryl-Würfels.

Das Kartenende ist geschlossen und am Rahmen findet man die bei Workstation-Karten üblichen Löcher fürs Mounting. Die mattschwarz pulverbeschichtete Slot-Blende beherbergt drei DP-Anschlüsse und einen HDMI-2.0. Auf einen DVI-I hat man aus strömungstechnischen Gründen cleverer Weise verzichtet, denn die Blende ist gleichzeitig ja der Auslass der warmen Abluft aus dem Kühlsystem.

Modell Radeon
Vega FE
Radeon
R9 Fury X
Titan
Xp
Quadro
P6000

Geforce
GTX 1080 Ti
GPUVega 10 XTXFiji XTGP102 (450-A1)GP102
(350-K1-A1)
Chipgröße484 mm²596 mm²471 mm² 471 mm² 
Transistorennicht bekannt
8.9 Mrd.
12 Mrd.
12 Mrd.
GPU-Basistakt/
Boost-Takt
1138 MHz (?)
1382 MHz
k.A.
1050 MHz
1480 MHz
1582 MHz
1506 MHz
1645 MHz
1480 MHz
1582 MHz
Shader/SIMD4096/644096/64
3840/303584/28
Textur-Einheiten/ROPS
256/64256/64240/96224/88
Pixel-Füllrate
88,4 GPixel/s
67,2 GPixel/s
151,9 GPixel/s
144,6 GPix/s141,7 GPixel/s
Textur-Füllrate353,8 GTexel/s
268,8 GTexel/s379,7 GTexel/s361,4 GTexel/s354,1 GTexel/s
Speicheranbindung2048 Bit
4096 Bit
384 Bit
352 Bit
SpeichertypHBM2HBMGDDR5XGDDR5X
Speicherbandbreite
483,8 GB/s512,0 GB/s547,6 GB/s432,0 GB/s
484,0 GB/s
Geschw. Grafikspeicher
1,89 Gbps1,0 Gbps11,4 Gbps
9 Gbps
11,0 Gbps
Speicherausbau
16 GB
4 GB
12 GB
24 GB
11 GB
DX12 Feature-Level12_112_012_112_1
PCIe-Buchsen2 × 8-Pin2 × 8-Pin6 + 8-Pin8-Pin
6 + 8-Pin
TBP
300 Watt275 Watt<250 Watt <225 Watt
<250 Watt 

Testsystem und Messmethoden

Das neue Testsystem und die -methodik haben wir im Grundlagenartikel "So testen wir Grafikkarten, Stand Februar 2017" (Englisch: "How We Test Graphics Cards") bereits sehr ausführlich beschrieben und verweisen deshalb der Einfachheit halber jetzt nur noch auf diese detaillierte Schilderung. Wer also alles noch einmal ganz genau nachlesen möchte, ist dazu gern eingeladen. Allerdings haben wir CPU und Kühlung erneut verbessert, um für diese schnelle Karte mögliche CPU-Flaschenhälse weitgehend auszuschließen.

Interessierten bietet die Zusammenfassung in Tabellenform schnell noch einen kurzen Überblick:

Testsysteme und Messräume
Hardware:
Intel Core i7-6900K @4,3 GHz
MSI X99S XPower Gaming Titanium
Corsair Vengeance DDR4-3200
1x 1 TByte Toshiba OCZ RD400 (M.2, System SSD)
2x 960 GByte Toshiba OCZ TR150 (Storage, Images)
Be Quiet Dark Power Pro 11, 850-Watt-Netzteil
Kühlung:
Alphacool Eisblock XPX
Alphacool Eiszeit 2000 Chiller
2x Be Quiet! Silent Wings 3 PWM (Closed Case Simulation)
Thermal Grizzly Kryonaut (für Kühlerwechsel)
Gehäuse:
Lian Li PC-T70 mit Erweiterungskit und Modifikationen
Modi: Open Benchtable, Closed Case
Monitor:Eizo EV3237-BK
Leistungsaufnahme:
berührungslose Gleichstrommessung am PCIe-Slot (Riser-Card)
berührungslose Gleichstrommessung an der externen PCIe-Stromversorgung
direkte Spannungsmessung an den jeweiligen Zuführungen und am Netzteil
2x Rohde & Schwarz HMO 3054, 500 MHz Mehrkanal-Oszillograph mit Speicherfunktion
4x Rohde & Schwarz HZO50, Stromzangenadapter (1 mA bis 30 A, 100 KHz, DC)
4x Rohde & Schwarz HZ355, Tastteiler (10:1, 500 MHz)
1x Rohde & Schwarz HMC 8012, Digitalmultimeter mit Speicherfunktion
Thermografie:
Optris PI640, Infrarotkamera
PI Connect Auswertungssoftware mit Profilen
Akustik:
NTI Audio M2211 (mit Kalibrierungsdatei)
Steinberg UR12 (mit Phantomspeisung für die Mikrofone)
Creative X7, Smaart v.7
eigener reflexionsarmer Messraum, 3,5 x 1,8 x 2,2 m (LxTxH)
Axialmessungen, lotrecht zur Mitte der Schallquelle(n), Messabstand 50 cm
Geräuschentwicklung in dBA (Slow) als RTA-Messung
Frequenzspektrum als Grafik
Treiber
Radeon: 17.20.1035
Quadro: R381 U2 (382.05)
Betriebssystem
Windows 10 Pro (Creators Update, alle Updates)
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20 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • ampre
    Interessant in 3d CAD ist man auf P6000 Niveau aber bei Games verliert man. Wie kann das sein?
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  • foldinghomalone
    Wurde doch mehrfach erwähnt. (Noch) schlechte / nicht optimierte Treiber fürs Gaming.
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  • Lumpus_Aldente
    Zum Thema Mining wäre ein kleiner Testrun interessant wieviel MH/S möglich
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  • FormatC
    Nun ja, komplett falsche Zielgruppe. Und: Mining ist mausetot.
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  • kleinstblauwal
    Der geneigte Suchmaschinennutzer wird bestimmt eine Angabe zu den MH/s bei anderen Quellen finden. Gut, dass hier keine Werbung für gemacht wird. Ohne, dass ich den Wert jetzt kenne, in Relation zum Kaufpreis ist er aber viel zu gering, hoffentlich ist es bei den Radeon RX Vega auch so, aufgrund der Verwendung des HBM2 sind die verfügbaren Stückzahlen wahrscheinlich eh nicht so groß, auch ohne dass Miner den Mark leer kaufen.
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  • amd64
    Ziemlich ernüchternde Ergebnisse, aber es hatte sich ja bereits angekündigt.
    Ich bin vor allem auf den Preis gespannt, den AMD für die teuerere HBM Lösung mit annähernd GTX1080 Leistung aufruft (Vega RX).
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  • foldinghomalone
    Naja, wieso Mining mausetot sein soll, würde ich schon gern wissen...
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  • MyRunner
    Anonymous sagte:
    Naja, wieso Mining mausetot sein soll, würde ich schon gern wissen...


    Wahrscheinlich, weil die Kurse eingebrochen sind und es sich fuer den Normalo-Miner kaum noch lohnt, zwischen Aufwand und Gewinn.

    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Innerhalb-von-vier-Wochen-Ethereum-Kurs-bricht-um-50-Prozent-ein-3769015.html
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  • foldinghomalone
    Und heute steigen sie wieder und morgen fallen sie wieder.
    Die Normalos sind sowieso nur die geringste Anzahl an Minern.
    Und die Miningfarmen werden sicherlich nicht so schnell aufhören zu minen, solange die Difficulty nicht zu hoch ist (und dann wird auf andere Coins gewechselt). Die minen sowieso auch wenn der Kurs niedrig ist und hoffen auf eine Preisexplosion.

    Und auch für Häuslebesitzer mit ausreichend dimensionierte PV-Anlage dürfte minen tagsüber wg. fehlenden/geringen Stromkosten immer noch lukrativ sein.
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  • msroadkill612
    This review opens my eyes.

    All the press have to say is what a failure FE is. Keeping debate games centric is convenient for Nvidea PR.

    As the author says, a work gpu that is also an OK gamer after work, is indeed very appealing, just as ryzen cpu is to gamers who work with PCs.

    1500usd vs 5000usd for 90% of the workstation performance, on the FE beta version of a new generation gpu architecture, which promises to improve greatly.

    FE sure looks temptingly cost effective. It sure beats $5k for a work gpu & $1k for a gaming gpu from nvidia.
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  • msroadkill612
    Excuse me if i missed reference to it in the story, but in a workstation context, i would think vegaS feature of 256GB+ of gpu memory/cache/workspace, has important possibilities (and caveats), in many niches?

    I refer to the raid0 nvme ssd ports on the vegaS Infinity Fabric. I would guess it now provides about 6GBps of sequential bandwidth. Slow by comparison with dram, but its undreamt of storage speeds until recently.

    Combined with AMDs excellent "memory extender toolkit" (HBCC, fabric,predictive fetch algoriths based on usage patterns), it can provide a better way than paging job segments in and out of restricted memory workspace.
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  • Plitz
    Diese Kryptowährungen haben ja noch mehr an sich, als nur den reinen Kurs. Je mehr von ihnen berechnet wurden, umso schwieriger und langwieriger wird es einen Weiteren zu errechnen. Es ist also nicht nur der Gegenwert an sich der stetig fällt, sondern du musst immer mehr Aufwand betreiben um diese Währung überhaupt erst zu bekommen. Für den Besitzer fallen sie nur durch den Kurs, aber für den Hersteller fallen sie durch Kurs und Aufwand einfach doppelt.
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  • FormatC
    Schneeballsystem und reine Spekulationsgewinne. Selbst zu Minen ist sinnlos, das Kaufen und Verkaufen ist mit etwas Glück deutlich gewinnbringender, wenn man es wie eine Aktienspekulation betrachtet.
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  • amd64
    Ist auch wurscht, da der Ethereum Hype eh vorerst vorüber ist und die Vega FE P/L technisch beim minern ziemlich schlecht abschnitten.

    Viel wichtiger ist die Frage: "Kommt der Wundertreiber mit der Vega RX?" :D
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  • FormatC
    Hmmm. Ich darf ja nix spoilern. Warte halt mal noch ein paar Tage...

    Warum muss ich bei Wunder-Treibern immer an Wunderwaffen denken? :D
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  • Gammablitz
    Mit steigender Komplexität, sprich geringerer Ausbeute, müsste rein theoretisch allerdings auch wieder der Kurs steigen, da das geringere Angebot zu einem höheren Wert führt. Am Anfang sind die Kursschwankungen aber voraussehbar sehr stark.
    Wie FormatC schon sagte, das ist alles Spekulation, die wissen doch selbst nicht, was diese Cryptowährungen wert sind, also wetten sie am Ende einfach. Das Zeug ist so viel wert, wie die Leute denken, dass es wert ist.

    Ich persönlich frage mich allerdings doch, was eigentlich den Wert dieser Währungen ausmacht. Sie müssen ja für irgendwas verwendet werden können und der einzige Bereich in dem es Sinn macht sie einzusetzen sind dann eher kriminelle Machenschaften, wenn es um Anonymität geht ;D
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  • foldinghomalone
    Anonymous sagte:
    ...Sie müssen ja für irgendwas verwendet werden können und der einzige Bereich in dem es Sinn macht sie einzusetzen sind dann eher kriminelle Machenschaften, wenn es um Anonymität geht ;D

    Genau. Aus diesem Grund gleich noch Bargeld verbieten, weil dadurch die meisten kriminellen Machenschaften vertuscht werden.
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  • Gammablitz
    Anonymous sagte:
    Genau. Aus diesem Grund gleich noch Bargeld verbieten, weil dadurch die meisten kriminellen Machenschaften vertuscht werden.

    Sicher und jedem noch zwangsweise einen RFID-Chip einsetzen, damit auch ja nichts schiefgehen kann.
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  • Plitz
    Anonymous sagte:
    Mit steigender Komplexität, sprich geringerer Ausbeute, müsste rein theoretisch allerdings auch wieder der Kurs steigen, da das geringere Angebot zu einem höheren Wert führt. Am Anfang sind die Kursschwankungen aber voraussehbar sehr stark.
    Wie FormatC schon sagte, das ist alles Spekulation, die wissen doch selbst nicht, was diese Cryptowährungen wert sind, also wetten sie am Ende einfach. Das Zeug ist so viel wert, wie die Leute denken, dass es wert ist.


    Das Problem ist, dass das Angebot ja nicht geringer wird. Es werden immer mehr Bitcoins, sie gehen ja nicht verloren oder verschwinden (außer man verliert seine "Wallet"). Wir bekommen also immer mehr Bitcoins, während die Nachfrage nicht wirklich steigt.
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  • Gammablitz
    Anonymous sagte:
    Das Problem ist, dass das Angebot ja nicht geringer wird. Es werden immer mehr Bitcoins, sie gehen ja nicht verloren oder verschwinden (außer man verliert seine "Wallet"). Wir bekommen also immer mehr Bitcoins, während die Nachfrage nicht wirklich steigt.

    Der Anstieg des Angebots wird geringer. Bei gleichbleibender Nachfrage steigt also der Wert pro Token, sprich der Kurs.
    Mit steigendem Kurs steigt erst mal die Nachfrage. Sobald die Leute dann ihren Profit mitnehmen und verkaufen wollen, sinkt er wieder, was dann wieder zu einer steigenden Nachfrage führt, usw.

    Wobei das eh alles nur schnöde Theorie ist, am Ende ist es eben wie FormatC schon meinte ein Schneeballsystem.
    Es wird einfach nur gewettet.
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