Abschnitt 1 - Internet-Kriminalität im Wandel
Von einsamen Hackern in Kellerräumen zur organisierten Bandenkriminalität
Noch im Jahr 2000 wurde Computerkriminalität hauptsächlich von "einsamen" Internetkriminellen begangen: Hacker, Skript-Kids, Kididioten und Lamer. Diesen Hacker-Einzelfällen ging es zum größten Teil darum, in der Öffentlichkeit bekannt und berüchtigt zu werden.
In der landläufigen Meinung sind Hacker jung, männlichen Geschlechts und gehören einer sozialen Randgruppe an. John Suler, Experte für Cyberspace-Psychologie an der Rider-Universität in Lawrenceville, New Jersey, USA, erklärt dies so:
"Einige von ihnen sind von der Herausforderung und der Aufregung fasziniert, die mit dem Eindringen in einen verbotenen Bereich einhergeht. Die Tatsache, dass sie etwas tun, das andere nicht können, vermittelt ihnen ein Gefühl von Leistungsfähigkeit, Beherrschung und Macht. Sie beziehen ihr Selbstwertgefühl aus der Tatsache, dass sie mit ihren Handlungen andere, und hierbei besonders andere Hacker, beeindrucken können. Indem sie das etablierte System knacken, umgeben sie sich den autoritären Systemen gegenüber mit einer Art Aura des Rebellentums."
Und er fährt fort:
"Ein Hacker fühlt sich dazu gedrängt, darzustellen, dass er besser und schlauer ist als andere. Das Katz-und-Maus-Spiel gegen das System gerät zum nimmermüden und unnachgiebigen Streben nach Selbstbestätigung."
Böswillige Viren, E-Mail-Betrügereien oder Schneeballsysteme waren schon immer ein lästiger Nebeneffekt des Internets. Für gewöhnlich waren sie das Werk irgendwelcher Betrugskünstler oder anarchischer Einzeltäter, die durch das Hacken eines Systems Aufmerksamkeit erlangen wollten. In den vergangenen zwei Jahren wandelte sich die Internetkriminalität von der Domäne "normaler" Krimineller, wie z. B. Hacker, in immer stärkeren Maß in eine für kriminelle Vereinigungen, die die riesige finanzielle Ausbeute erkannt haben, die das Internet bietet. Kurz gesagt: Die Internetkriminalität ist auf dem Vormarsch.
Im Bereich des organisierten Verbrechens selbst stehen kein allzu großes Expertenwissen und ein eher begrenzter Zugang zu den Ressourcen zur Verfügung, die für die Durchführung von Straftaten im Internet erforderlich sind. Aber dafür sind erhebliche Mittel vorhanden, um die Leute zu kaufen, die die Straftaten dann ausführen. Diese (menschlichen wie finanziellen) Mittel sind beträchtlich, und die Arbeiten werden hoch professionell ausgeführt.
Die organisierte Kriminalität hat sich schnell an die neue High-Tech-Welt angepasst und Schlagring und Baseballschläger durch hoch entwickelte unsichtbare Waffen ersetzt, beispielsweise durch Bot-Netze.
Herkömmliche kriminelle Banden gehen langsam dazu über, das Internet nicht nur zur Kommunikation zu nutzen, sondern auch höchst effizient und ohne großes Risiko als Werkzeug für die Durchführung "klassischer" Verbrechen, wie Erpressung, Betrug, Geldwäsche, Einschüchterung und Diebstahl. Außerdem dringen sie dabei in andere kriminelle Bereiche vor. Durch die weltweite Verbreitung des Internets, ist die Versuchung erheblich und das Ausmaß des Problems beträchtlich.
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