Anmelden mit
Registrieren | Anmelden

2D-Leistung im Rückwärtsgang? Eine umfassende Analyse

2D-Leistung im Rückwärtsgang? Eine umfassende Analyse
Von

Zunächst möchten wir an dieser Stelle unbedingt auf den ersten Teil des Artikels verweisen, der die Grundlagen enthält, auf denen diese Fortsetzung aufbaut. Der erste Teil wird zum besseren Verständnis vorausgesetzt: ATI im Rückwärtsgang? 2D-Leistung bleibt auf der Strecke

In diesem zweiten Teil beschäftigen wir uns nun verstärkt mit der Relevanz des GDI, erklären die 2D-Grafikausgabe im Detail und stellen unseren einfachen 2D GDI-Benchmark vor. Um dessen Ergebnisse richtig einordnen zu können, sind natürlich einige theoretische Grundkenntnisse nötig. Wir haben deshalb die Thematik etwas weiter vertieft, wobei wir auch diesmal die Darstellung stark vereinfacht haben, so dass es einfach und verständlich bleibt. Natürlich bleiben dadurch technische Finessen auf der Strecke, aber die Verständlichkeit für die breite Leserschaft hat Vorrang.

Direct2D oder GDI? Oder sogar beides?Direct2D oder GDI? Oder sogar beides?

Warum testen wir in Zeiten von Windows 7 und Direct2D noch das GDI?

Man könnte meinen, spätestens seit der Einführung von DirectX10-fähigen Grafikkarten und Vista wäre das alte GDI für die Ausgabe der 2D-Zeicheninhalte überflüssig. Mit WPF (Windows Presentation Foundation) und damit auch Direct2D steht auf diesen Systemen der von Microsoft propagierte Nachfolger seit längerer Zeit schon in den Startlöchern. Allerdings gibt es auch heute noch eine Menge Argumente und Gründe, warum das GDI (Graphics Device Interface) immer noch eine nicht zu bestreitende Bedeutung besitzt und man deshalb einen Teil des Augenmerkes auch auf diesen Bereich legen sollte.

  • Das GDI unterstützt auch ältere Grafikkarten, Direct2D benötigt zumindest eine Grafikkarte mit DirectX10-Unterstützung
  • Das GDI gibt es, seit es Windows gibt, Direct2D läuft erst ab Vista und Windows 7
  • Alle Programme, die zu XP (und älter) kompatibel sind nutzen das GDI


Viele Softwarehersteller schrecken bis heute vor der Umstellung zurück, denn man greift bei unterschiedlichen Programmen oft genug auf die gleichen Bibliotheken zu, die einmal fertig erstellt wurden. Eine Umstellung dieser Module hätte auch eine Anpassung aller betroffenen Programme zur Folge. Da die Leistungssteigerung in vielen Fällen kaum subjektiv spürbar ist, verdrängen Softwarehersteller diese Umstellung gern aus ökonomischen Gründen. Wenn man zum Beispiel mit verfolgt, wie lange allein die Implementierung von Direct2D in Teile des Mozilla Firefox dauert, wird man die Industrie verstehen, wenn sie diese Umstellung nur sehr langsam vollzieht. Darüber hinaus wäre es für viele Firmen aus betriebswirtschaftlichen Gründen keine Option, XP-Kunden als Zielgruppe komplett auszuschließen. Beides zu implementieren würde sich dann auf den Preis niederschlagen, den keiner mehr zu zahlen bereit wäre. Das GDI wird uns allein aus diesen Gründen sicher noch so lange erhalten bleiben, wie XP eine nennenswerte Rolle im Endanwenderbereich spielt.

Direct2D als Teil der Direct3D-Ausgabe (D3D)Direct2D als Teil der Direct3D-Ausgabe (D3D)

Doch es gibt auch technische Gründe. Der bestehende und oft sehr ausgereifte Code ist nicht wirklich 1:1 portierbar. Direct2D erzeugt zudem einen nicht zu verachtenden Overhead und kann eigentlich nichts, was Direct3D auch könnte. Und wo man auf Direct3D lieber verzichtet, wird man die Gründe sicher gut abgewogen haben. Das GDI kann zudem unabhängig vom Ausgabegerät (Monitor, Drucker) genutzt werden. Eine einzige Routine kann so innerhalb eines Programmes gleichzeitig zum Anzeigen und zum Drucken aufgerufen werden, der Code und der Programmieraufwand reduzieren sich dadurch auf die Hälfte und auch die Fehlerwahrscheinlichkeit sinkt.  Viele der vorhandenen preiswerteren Drucker sind zudem GDI-Drucker, so dass  dieser Bestandteil des Betriebssystems  vorerst wohl auch weiter erhalten werden wird, zumal es immer noch genügend  Druckertreiber gibt, die nur das GDI unterstützen.  

Der Sinn des Ganzen

Wir selbst sehen die Umsetzung von WPF/Direct2D natürlich als von Microsoft forcierten und wohl sicher auch unumkehrbaren technischen Fortschritt, möchten aber bei aller Euphorie über neue Techniken mit diesem Artikel noch einmal nachdrücklich an die Gegenwart erinnern.  Es gibt einschließlich Windows XP noch so viele technische Altlasten, dass man sich nicht nur nach vorn orientieren kann, ohne die aktuelle Lage zu berücksichtigen. Dass so etwas schnell schief gehen kann, erkennt man am Beispiel der XP-Phobie der 780G/785G-Onboardgrafik wohl am besten.

Wir wollen die Benchmarks des ersten Teils noch einmal mit einem modifizierten Programm wiederholen und dieses dann allen Lesern zum Download bereit stellen. Nur so viel sei verraten, auch extrem teure Karten patzen bei simplen Operationen, wenn sie von Nachlässigkeiten im Treiber ausgebremst werden.

183 Kommentare anzeigen.
Auf dieser Seiten können keine Kommentare mehr abgegeben werden
Sortieren nach: Neueste zuerst | Älteste zuerst
  • Theo204 , 20. Januar 2010 23:44
    Wo gibt des denn jetzt den achsodollen Downloadlink zum Benchmark ???
    Hab' schon das letzte Mal nicht gefunden ...

    Vielen Dank für den äußerst umfangreichen Artikel ...
  • FormatC , 21. Januar 2010 00:01
    Tja, irgendwie ist da heute abend was schiefgelaufen. Morgen wird es sicher gefixt - es ist keiner mehr da, der es richten könnte :) 
    Das letzte Mal gab die Vorab-Version auf Wunsch per PN. Diesmal offiziell. Wenn jemand mal den Schalter umlegt...

    So, ist erledigt. Der Download auf TH geht. Letzte Seite beim Fazit...
  • Enay , 21. Januar 2010 00:29
    Ich will wieder mehr solcher Artikel hier lesen!
  • klomax , 21. Januar 2010 01:02
    Frage: Was ist ein "GMA 450" ? :) 

  • Anonymous , 21. Januar 2010 03:15
    GMA steht für Graphics Media Accelerator, die Onboard-Grafik älterer Intel-Systeme.

    Aetius
  • intergalactic , 21. Januar 2010 08:34
    Danke an den Verfasser des Artikels für die Mühe. Trotzdem muß ich zugeben dass ich etwas enttäuscht bin. Ich hatte für den zweiten Teil eigentlich eine Stellungnahme seitens AMD erwartet.
  • FormatC , 21. Januar 2010 08:56
    Zitat :
    Trotzdem muß ich zugeben dass ich etwas enttäuscht bin. Ich hatte für den zweiten Teil eigentlich eine Stellungnahme seitens AMD erwartet.
    Auch ich muss zugeben dass ich etwas enttäuscht bin. Ich wollte für den zweiten Teil eigentlich eine Stellungnahme seitens AMD einbauen ;) 

    Nein, Du siehst nicht doppelt. Ich habe nämlich auch auf eine Antwort gewartet. Vergeblich. Was sich wiederum nahtlos ins Bild einfügt. Was hätten sie auch schreiben sollen? Es lässt sich doch leicht selbst nachvollziehen, dass was im Argen liegt.

    Der Catalyst 10.1 Beta, der durchs Netz geisterte ist nichts wert. Betastatus eben. 3D und 2D. Warten wir also auf den nächsten Treiber (wie immer) und schaun wir mal... Nvidia und XP ist auch keine sonderlich glückliche Ehe, wenn man sich die Teilleistung der GTX285 ansieht. Brauchbarer, aber weiß Gott nicht wegweisend.
  • FormatC , 21. Januar 2010 10:00
    Sie können. Weil all die kleinen Pickelgesichter ihre CS-Wallhacks trotz allem locker mit 100fps++ genießen können und sich keine Sau mehr ums 2D kümmert. Media & Co. bauen ein, was sie günstig als resteverwertetes Chip-Allerlei in die Ramschkiste geworfen bekommen, der Kunde schluckts und sucht dann bis ans Ende seiner Tage nach der Ursache fürs Knistern bei der Soundwiedergabe, falls er z.B. mit dem Nero Wave-Editor arbeitet. NVidia hat seine Treiber echt besser im Griff, wobei das NICHT heißt, dass man als XP-User damit zufrieden sein dürfte. Solange XP noch unterm Volk kursiert, können sich die Hersteller der Grafikkarten ihre Wolkenkuckucksheime gern sparen. Wir leben im Heute und nicht im Übermorgen.

    WPF mag ja ganz lieblich sein, aber wer sich diesen proprietären Overhead antut, der muss echt genügend Zeit und Geld mitbringen. Solange man nur für Windows programmiert mag das ja noch hinkommen, aber spätestens beim Portieren setzt das Gehirnsausen ein ;) 
  • Levi88 , 21. Januar 2010 10:07
    Der Bench auf dem Atomnetbook hat auch lang genug gedauert..
    Beide male beim Fensterverschieben über 30 Minuten x.O.
    Aber im Atom wars doch der GMA 950 und nicht 450 oder?
    In der Zeit hatte ich 2 ma PCs umgebaut.. *hust*

    Naja, hoffen wir, dasses was bringt, es liegt ja eigentlich bei allen was im Argen und das kanns net sein. Speziell, wenn ein 35€ nfurz Board alles andere Overall ziemlich alt aussehen lässt..

    @ Format, na immerhin waren 50% für dich zu gebrauchen ;) . Freut mich.
  • Sameneulmann , 21. Januar 2010 10:18
    Interessanter Artikel. Hebt sich durch Inhalt etwas von der Masse der anderen HW-Pages ab.
    Ich mag vielleicht noch etwas müde sein, aber ich finde den Download-Link für Tom2D nirgends. Ist der Link im Artikel mittlerweile zu finden?
  • Anonymous , 21. Januar 2010 10:30
    @FormatC

    Schöne Artikelserie.

    Mich würde aber mal interessieren, wie sich die aktuelle Riege der "Profi"-Karten beider großen Hersteller (FireGL/Quadro) bei diesem Test schlägt. Ob das wohl machbar wäre?
  • FormatC , 21. Januar 2010 10:40
    Da das Benchmarkprogramm (ich hoffe mal) heute noch verlinkt wird, kann ich nur an diejenigen appelieren, die solche Karten besitzen, dies bitte mal gegen zu testen. Ich bin nur ein kleines Lichtchen und besitze leider keine dieser Wunderkarten. Aber interessant wär es schon einmal.

    Aufruf:
    Wer über FireGL / Quadro verfügt und diese unter XP/Windows 7 testen kann, bitte eine PN an mich. Danke :) 
  • intergalactic , 21. Januar 2010 10:41
    FormatCWas hätten sie auch schreiben sollen? Es lässt sich doch leicht selbst nachvollziehen, dass was im Argen liegt.


    Stimmt schon. Mehr wie "Danke für den Hinweis, wir prüfen das und werden den Fehler gegebenenfalls beheben" kann da nicht erwarten. Trotzdem finde ich es schade dass so gar nichts von AMD/ATI gekommen ist. Ich fände es echt besch... wenn der Fehler jetzt stillschweigend behoben wird. So was hinterlässt bei mir irgendwie nen faden Nachgeschmack.
  • icestorm , 21. Januar 2010 10:46
    Dass diese Ergebnisse für ATi schmählich sind, ist klar. Ich bin gespannt, was sich mit Treiber 10.1 (dessen Beta gestern meinen ersten Absturz seit Langem verursachte ...).
    Doch gerade bei CAD-Software muss man sich vor Augen halten, dass hier eigentlich OpenGL das Maß der Dinge ist (oder sein sollte).
    Vll. hat sich ATi bei 2D gerade darauf konzentriert, und die D2D/D3D/GDI-Scheunentür stand dann weit offen. Eine Entschuldigung darf das natürlich nicht sein.
  • FormatC , 21. Januar 2010 10:49
    @Levi88:
    Ich habe die Charts korrigiert, es war einfach zuviel an Input in den paar Tagen. Jetzt steht der GMA 940 drin. Man merkt, man wird alt. ;) 

    Das Problem ist, dass ich nicht alles in die Charts reintun konnte - einfach zuviel des Guten. Ich denke mal, dass sich auch mit den nicht veröffentlichten Ergebnissen das Bild besser abrundet. Außerdem hoffe ich ja auch noch weitere Ergebnisse. Dann mache ich noch kumulierte User-Charts. Umsonst war die Arbeit also nicht. Nochmals Danke.

    @icestorm:
    Selbst AutoCAD macht partiell noch eine Menge übers GDI. Ich empfehle mal "Cadalyst" (kein Schreibfehler!) als Benchmark - grausamst.

    Zitat :
    Dass diese Ergebnisse für ATi schmählich sind, ist klar.
    Naja, Nvidia hat sich unter XP auch nicht grade mit Ruhm bekleckert. Die Dickschiffe beider Karten sind unter XP schwächliche Fliegen im Abendwind. Leichte Beute. Aber dass die 5er unter W7 so abstinken ist echt bemerkenswert.

    Was ich auch nicht verstehe ist die Tatsache, dass eine 8800 GTS 512 mit G92 stellenweise eine GTX285 sehr deutlich plättet, obwohl es doch gar nicht so unterschiedliche Karten sind. Und dann die IGP-Ergebnisse! Ok, der Vorteil der 7050 (nForce610i) liegt darin, dass sie noch 2D-Einheiten hat. Aber selbst ohne eigenen Speicher schneller zu sein als das HighEnd-Modell ist schon starker Tobak. Und Intel ist keine schlechte Alternative im 2D-Sektor. Erstaunlich...
  • fffcmad , 21. Januar 2010 11:25
    Ja, der Artiekl ist sehr Aufschlussreich. Zum Glueck benutze ich seit dem ich die GTX280 habe, Vista/ 2008/ Windows 7. Sonst haette ich wohl auch schon rumgebloekt. Bei der X1950XT damals habe ich mich unter XP schon sehr geaergert. Unter > Vista gings dann aber.

    2D ist aus Herstellersicht wohl absolut uninteressant und das schon seit vielen Jahren. Wenn man ueberlegt, das die Riva TNT2 damals schon nicht in der Lage war, Diablo 1 ohne sichtbares Bildrollen darzustellen, hat sich eigentlich garnicht so viel veraendert.

    Erschreckend ist jedoch, das Onboard-Grafikkarten teilweise recht brauchbare Ergebnisse erzielen und eine Voodoo 4, die eigentlich allgemein wie ihre Vorgaenger als 2D-untauglich zu bezeichnen ist, in einem Teilbereich des Tests boese davon rennt.

  • klomax , 21. Januar 2010 11:36
    AetiusGMA steht für Graphics Media Accelerator, die Onboard-Grafik älterer Intel-Systeme.Aetius


    Mich hat nur die "450" irritiert: Wird sich wohl doch eher auf die "950" beziehen, die sehr häufig in Kombination mit dem Atom anzutreffen ist/war.
  • FormatC , 21. Januar 2010 11:53
    Natürlich GMA 940. War ein schusseliger Tippfehler. Ist bereits gefixt. Typischer Fall von falsch angelegter Spaltenüberschrift im Excel ;) 
  • user23 , 21. Januar 2010 13:48
    Eine schöne Artikelfolge. Die Berichterstattung für diejenigen, die ihren Computer nicht zum Spielen brauchen, geht leider allzu oft unter.

    Was ich aber in diesem Zusammenhang vermisst habe, ist die iGPU von Clarkdale in den Benchmarks. Gerade Nicht-Gamer, die sich heute ein System zusammenstellen, hätten sich dafür interessiert.
  • FormatC , 21. Januar 2010 13:55
    Da ich keinen Clarkdale habe, konnte ich keinen testen. Falls jemand so frei wäre, das zu ändern: nur zu ;) 

    Im Ernst, falls so ein Teil greifbar ist, werden wir es sicher nachholen :) 
Alle Kommentare anzeigen