Anmelden mit
Registrieren | Anmelden

In Details dann doch überzeugt (Benjamin Kraft)

Redaktionsrunde - 6 Meinungen zu Windows 8
Von , Benjamin Kraft, Igor Wallossek, Katharina Ulbrich, Patrick Afschar, Manuel Masiero, Matthias Wellendorf
Benjamin Kraft

Chefredakteur

Eigentlich. Ja, eigentlich war ich von Windows 8 bislang wenig angetan. Wie viele Kollegen empfand ich den Zwang zur Kacheloberfläche als Gängelung, ich sah (und sehe) sie als unnötigen Pseudo-Fortschritt. Irgendwie ist es auch schon ein wenig blöd, dass Kachel-Apps, die direkt nebeneinander laufen, ihre Inhalte nicht miteinander teilen können. Auch das Gezerre zwischen den beiden Welten Desktop und Modern UI alias Metro ist nervig. Und eigentlich hatte ich nach meinen ersten wenig erfolgreichen und sehr frustrierenden Gehversuchen mit den letzten beiden öffentlichen Previews vor hier zu schreiben: "Wenn man schon umlernen muss, dann gleich was Neues!" Ja, ich wollte argumentieren, dass ja vielleicht jetzt mal ein guter Zeitpunkt ist, sich ein Linux - beispielsweise Ubuntu - genauer anzuschauen. Meine Nutzungsgewohnheiten muss ich ja eh über den Haufen werden.

Ein kleines Selbstexperiment hat mich dann aber doch davon abgebracht. Zugegeben, kein Linux lässt sich so einfach installieren und gleich danach in Betrieb nehmen wie Ubuntu (ein Raunen geht durch die Reihen der SuSE- und RedHat-Nutzer), und ja, ausgerechnet Microsoft hat mit seinen Live-Diensten dafür gesorgt, dass Word auch auf einem Linux nur ein Browserfenster entfernt ist (von den diversen Google-Diensten mal ganz zu schweigen). Die Zeiten, in denen man Linux nur in nächtelanger Konfigurationsarbeit mit armdicken Handbüchern per Shell-Skripten bändigen konnte sind ja ein Glück vorbei. Und doch...

Nach meinem Ausflug zum präzisen Schuppentier habe ich Windows 8 noch eine Chance gegeben, mich zu überzeugen. Die Verlockung des Download-Upgrades auf Windows 8 Pro für kleines Geld war dann doch zu groß. Nach und nach habe ich immer mehr kleine Details entdeckt, die mir gefallen haben: Die einfache Integration von Webdiensten, selbst die der Konkurrenz. In der Mail-Kachel kann man sein Google-Konto abrufen lassen, die Kalender-App synchronisiert sich klaglos mit dem Google-Pendant. All das geht zwar nur mit einem vorher eingerichteten Live- bzw. Microsoft Account, aber bei Android und den Google-Diensten sieht es nicht anders aus. Außerdem ist dann doch alles ein wenig vertrauter als im Linux-Lager, und wer will, kann fast ausschließlich auf dem Desktop bleiben. Dazu kommt ein gefühlter kleiner Geschwindigkeitsschub. Ideal finde ich die Umsetzung mit zwei Oberflächen immer noch nicht, und dass ich beispielsweise nur per Desktop-Systemsteuerung mein Multi-Monitor-System richtig eingestellt bekomme (Stichwort: Underscan), weil es dafür kein Kachel-Äquivalent gibt, ist mehr als ernüchternd. 

So unmöglich, wie mir Windows 8 noch vor wenigen Tagen erschien, ist es aber eben doch nicht. Anstatt noch weiter mit Ubuntu zu experimentieren, investiere ich meine Zeit nun also doch ins redmondsche Betriebssystem. Wer Windows 7 einsetzt, hat zwar keinen zwingenden Grund umzusteigen - macht aber solange das preiswerte Upgrade-Angebot noch gilt auch nicht unbedingt etwas falsch, und sei es nur, um sich einen preiswerten Upgrade-Pfad zu sichern. Und wer partout nicht ohne Startmenü klarkommt, kann sich ja mit Tools wie Classic Shell behelfen. Ich gehe jetzt jedenfalls wieder auf Entdeckungsreise - mal schauen, was ich noch so finde.

Ihre Reaktion auf diesen Artikel