Anmelden mit
Registrieren | Anmelden

Von Kachelmännern und Mausschubsern (Igor Wallossek)

Redaktionsrunde - 6 Meinungen zu Windows 8
Von , Benjamin Kraft, Igor Wallossek, Katharina Ulbrich, Patrick Afschar, Manuel Masiero, Matthias Wellendorf

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mich verwundert gefragt, warum man bei Microsoft den einprägsamen

Igor Wallossek

Grafikkarten, CPUs, Gehäuse und Peripherie

Begriff Metro UI wieder verworfen und das neue Design hastig in Modern UI umbenannt hat. Vielleicht wohl auch deshalb, weil irgendein Hinterbänkler in der Marketingabteilung endlich mal gemerkt hat, dass man mit "Metro" auch so etwas wie "unterirdisch" assoziieren kann, also am Ende nichts anderes als ein unterirdisches Design für einen kunterbunten Tunnelblick, um mit rechteckigen Augen am Ende in die Röhre zu gucken? Was mich persönlich auf meinem eigenen Smartphone mit Windows Phone seit fast einem Jahr von der Handhabung her absolut überzeugen konnte und auch auf einem Tablett absolut plausibel und durchdacht erscheint, hat auf dem Desktop-PC aus meiner ganz persönlichen Sicht und Anwendererfahrung in diesem Zustand grandios versagt. Warum in aller Welt wirft man alle Anwendungsbereiche auf Krampf zusammen und schmiedet ein derart restriktives Korsett mit provisorisch wirkendem Kachelaufsatz? Einmal tief Luft holen und die Scharniere fliegen in hohem Bogen davon. Eine einheitliche Plattform? Ja gern, warum auch nicht? Da ist ja noch nicht mal Apple drauf gekommen, obwohl man sich dort seit Ewigkeiten für den Design-Nabel der Welt hält. Aber dann doch bitte schön mit einer größeren Auslaufzone für Individualisten und etwas mehr persönlichem Handlungsspielraum bei der Einrichtung der privaten Gemächer.

Das ganze Konstrukt ist auf dem PC aus meiner Sicht heraus viel zu umständlich in der Handhabung, und als Mausbenutzer macht man sich zunächst erst einmal vollends zum Kachelmann, bevor man irgendwann auf viel umständlicheren Weg als noch bei Windows 7 all die Optionen zusammengesucht und konfiguriert hat, die man wirklich braucht und ändern möchte bzw. sogar muss. Erträgliche 15 Minuten Installation sind das Eine, die viel zu nervige Nacharbeit das Andere. Das ständige Gespringe zwischen Metro-Startbildschirm und Desktop ist eine Qual, die ich mir aktuell einfach nicht mehr antun möchte.

Fazit: nach nur 2 Wochen Windows-Achterbahn ist das Image mit Windows 7 wieder drauf und die Bauchschmerzen sind ganz plötzlich wieder weg. Warum wohl? Windows 8 mag unter der Fassade einige wirklich gute Fortschritte gemacht haben, der mit bunten Fliesen überklebte Desktop ist für (m)ein Produktiv-System jedoch fast schon unbrauchbar. Man messe einfach mal die zurückgelegte Entfernung als Summe der notwendigen Mausbewegungen und die Anzahl der Klicks um danach festzustellen, dass diese Navigation geradezu ins Absurde abgleitet, wenn man mehr tun möchte, also nur vorgefertigte Apps anzupappen.

Vielleicht mag ja ein unbedarfterer Anwender ohne große Ambitionen und Änderungswünsche oder meinetwegen noch ein „Nur-Gamer“ mit diesem zwangskolorierten Tetris-Ersatz glücklicher werden als ich, denn es ist am Schluss ja nur mein ganz subjektives Urteil, weil es mir einfach um die verschwendete Zeit für die grundlegendsten Handlungen Leid tut. Aber ich befürchte, dass es Windows 8 in dieser Form sehr schwer haben wird. Nicht etwa, weil es extrem schlecht wäre, sondern wohl eher, weil Windows 7 etwas besser ausgefallen ist. Vielleicht gelingt ja Microsoft mit einem Update oder Service-Pack die Kernschmelze von Kachelboden und Desktop-Tapete, dann könnte es wirklich eine spannende Explosion geben. Bis dahin: nur unter Androhung von Gewalt.

  

Ihre Reaktion auf diesen Artikel