[Spieletest] The Bureau: XCOM Declassified

Mal wieder NSA und CIA? Im Spiel verkauft uns 2K die Elite-Spione und Gummisohlen als die Guten - nur ist man stellenweise fast schon bestrebt, eher an eine Quersubvention von Obamas Gnaden, als an ein Spiel zu denken. Und überhaupt: XCOM als Shooter?

Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste und so habe ich nach dem Erhalt des aufwändig und sehr liebevoll gestalteten Presse-Kits am Ende nicht nur darauf gewartet, bis das Spiel am Freitag über Steam endlich auch legal in Deutschland zu aktivieren war, sondern habe nach dem eiligst nachgeschobenen Ersttags-Patch zur Sicherheit auch gleich noch einmal neu angefangen. Man will und muss ja irgendwie auch objektiv sein. DirectX 11 im Nachgang? Man gönnt sich ja sonst nichts. Warum dieser Artikel dann aber erst heute erscheint? Ich brauchte einfach etwas Abstand, an der nötigen Spielzeit lag es nicht. Doch der Reihe nach. Anhand der Verpackung und der aktuellen, realen Nachrichtenlage hatte ich eigentlich eine Art Täuschungsgame mit geradezu Orwell'schen Dimensionen erwartet, wenn schon NSA & Co. im Mittelpunkt stehen. Guter Zeitpunkt, clever platziertes Game? NSA-CIA-US-ARMY liest sich zumindest fast schon wie ein Installationskey, aber ist es am Ende dann wirklich der Schlüssel zum Erfolg?Was den Spieler erwartet, wenn er sich die ca. 12 GB an Daten auf die Festplatte gepresst hat, ist aber doch nur wieder mal das Übliche: nicht mehr und nicht weniger als die Rettung der Welt, in Form eines Shooters mit angehängten Taktik-Elementen. Man hat eine einmalige Chance grandios vergeben, auf der erwarteten Spannung irgendwie aufzubauen, leider. Doch stopp, es ist ja nicht generell alles schlecht, mitnichten. Deshalb gibt es auch keine detaillierten Spoiler zur Story als solcher, nur ein paar unvermeidliche Informationen, um meine Einschätzung später auch nachvollziehen zu können. Spaß gemacht hat das Spiel am Ende nämlich schon. Bureau-Leiter: Myron Faulke Bureau-Leiter: Myron Faulke

Beamen wir uns als Agent William Carter zum Einstieg mental zurück in die 1960er, als Rauchen noch cool war statt asozial, und Rock'n'Roll das Maß der Dinge. Die Klamotten gehen ja mittlerweile sogar wieder als tragbar durch, also gönnen wir den drei Protagonisten in der Intro dann doch schnell mal die Fluppe davor und mittendrin, für die spätere Handlung danach. Das Thema der drei investigativen Räucher-Aale : Invasion, Aliens (man sie nennt sie salbungsvoll "Outsiders") und das potentielle Ende der Welt. Die übliche feindliche Übernahme wie immer, aber das Volk darf nichts erfahren. Klein und unwissend halten, um Panik und Aufruhr zu vermeiden, damit man dem Feind nicht noch in die Hände spielt. Ha, passt doch schon mal ganz gut! Aber kommt da noch mehr? Die Helden, gewissermaßen die letzte Bastion der Menschheit, sind eine Mischung aus NSA, CIA und dem Militär. Und so wird aus einer eigentlich grandiosen Idee am Ende doch nur wieder eine Art Glorifizierung gewisser staatlicher Institutionen mit Feiertagscharakter. Man muss 2K jedoch zu Gute halten, dass das Spiel schon länger entwickelt wurde, als die Tatsachen um die NSA und ihre Informationskleptomanie bekannt wurden. Aber etwas mehr Sensibilität und Clevernis für eine kurze Nachbearbeitung hätte ich dann doch erwartet. Egal, spielen wir eben als Amerikaner den üblichen Patrioten-Shooter.Apropos Shooter. Die XCOM-Gemeinde sollte jetzt ganz tapfer sein. Die Basis des Spiels ist zwar erneut das Ausschlachten des Klassikers UFO: Enemy Unknown von 1994, der vor allem dadurch glänzte, dass man bestrebt sein musste, sorgsam mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen. Seinerzeit mehr Taktiker als Ballermann also. Aber wie schon letztes Jahr bei XCOM: Enemy Unknown von Firaxis kommt es auch hier zur Verknappung der Umsetzung, samt inhaltlicher Ressourcen. Ok, Shooter sind gerade eben mal hipp und so hat man für die geschockte XCOM-Gemeinde wenigstens kleine Medi-Packs in Form von homöopathischen Taktik-Elementen eingestreut. Besser als nichts, immerhin. Lassen wir deshalb einfach mal den ganzen aktuellen Politklimbim weg und widmen uns dem, was so ein Spiel ja eigentlich beabsichtigt: einschalten um abzuschalten. Und das geht dann doch besser als ich dachte. Third-Person-Shooter oder First-Person-Shooter? Auch wenn man dem Protagonisten stets und ständig auf und über die Schulter schaut, spätestens beim Zielen ist man wieder im eigenen, virtuellen Ich. Der Rest ist wohl Auslegungssache...

Erstelle einen neuen Thread im Artikel-Forum über dieses Thema
Dieser Thread ist für Kommentare geschlossen
Noch keine Kommentare
    Dein Kommentar