Intel Xeon E3-1275: Sandy-Bridge in der Profiliga

Sandy Bridge hat uns bereits im Desktop-Bereich beeindruckt. Aber kann die jüngste Prozessor-Architektur von Intel auch bei Single-Socket-Servern und im Workstation-Bereich überzeugen?

Vor längerer Zeit haben sich Intels Desktop-Modelle deutlich von den Server-orientierten CPUs unterschieden. Erinnern Sie sich noch an Intels Pentium Pro mit seiner P6-Architektur, die unter anderem das Konzept der „Out-of-order execution“ einführte? Dieser Prozessor kam zu einer Zeit auf den Markt, als die Desktop-Chips des Unternehmens alle noch auf einem Pentium P5-Design basierten. Es folgte ein Pentium II Xeon mit schnellem On-Module L2 Cache, der physisch gesehen so groß war, dass man dafür ein spezielles Slot 2-Interface benötigte.

Danach wurden sich die Desktop- und 1P Server- und Workstation-Prozessoren immer ähnlicher. Zudem hat sich Intel glücklicherweise größtenteils zurückgehalten und hörte auf, extreme Aufpreise für die Xeon-Prozessoren zu verlangen. Für Single-Socket Xeons ist heutzutage ein Aufpreis im Bereich zwischen $10 und $20 fällig.

Wenn Desktop-Komponenten nicht in ihrem Element sind

Es überrascht daher auch kaum, dass jemand der es eigentlich besser wissen müsste, den Vorschlag macht, einen Entry-Level-Server für kleine Unternehmen mit einem Desktop-Prozessor auszustatten um etwas Geld zu sparen. Gern genommenes Argument hierbei ist, dass das doch nur  reine Markenpolitik seitens Intel sei. Selbst große Anbieter haben Server auf Celeron-Basis in ihrem Portfolio. Es mag zwar Menschen geben, die das anders sehen, aber am falschen Ende zu sparen ist  unserem Erachten nach selten im Interesse des Kunden.

Es spielt eigentlich keine Rolle, ob man bislang mit AMD oder Intel die besseren Erfahrungen gemacht hat. Wir bleiben dabei, dass Unternehmen in kritischen Systemen keine Desktop-Komponenten verwenden sollten.

In Bezug auf Dual-Socket-Konfigurationen lässt sich diese Aussage leicht nachvollziehen und wir möchten an dieser Stelle auf unseren Artikel Intel Xeon 5600: 24 Threads melden sich zum Dienstverweisen. Egal welche Anstrengungen man auch vornimmt – zwei auf LGA1366 basierende Core i7-CPUs werden niemals auf einem Motherboard mit Intels 5520 I/O-Hub funktionieren. Die wirklich einzige Möglichkeit heißt hier Xeon. Zwischenzeitlich bietet Intel aber auch Single-Socket-Versionen seiner Xeon-Chips an.

Insbesondere wenn sich die 1P-Desktop- und Server-Chips um dieselbe Architektur drehen, kommen System-Builder in die Versuchung den preiswerteren Desktop-Weg einzuschlagen unter der Annahme, dass die Performance sowieso die gleiche ist. Betrachtet man den gleich großen Cache, die Kern-Anzahl und Taktrate, dürfte die Performance ähnlich ausfallen (vorausgesetzt die Xeon-Maschine ist nicht wegen des ECC-Speichers etwas langsamer). Intel kämpft also auch weiterhin einen harten Kampf, wenn es darum geht, die Kundschaft davon zu überzeugen, dass selbst für Single-Socket-Konfigurationen Xeon der richtige Weg ist.

Die einzelnen Segmente des 1P Markts

Wer für sein Unternehmen Systeme mit einem einzelnen Prozessor einsetzen will, hat zwei Interessengebiete: Entry-Level Server und Workstations.

Am Server-Segment sind die Personen interessiert die entweder auf der Suche nach einem Arbeitstier für geringe Lasten in einer SMB-Umgebung sind oder zusätzliche Nodes in einem Rack benötigen. Hier spielen vor allem Leistungsaufnahme und Wärme eine Rolle. Selbst die Auslegung der PCI Express-Steckplätze ist wichtig, denn Server benötigen (meist) keine Anschlüsse mit 16 Lanes. Wenn man an Lynnfield, Clarkdale oder Sandy Bridge denkt, jeder mit 16 PCI Express 2.0 Lanes, dann müssten hier die Lanes entsprechend durchdacht aufgeteilt werden um überhaupt umfangreiche Erweiterungsmöglichkeiten zuzulassen.

Workstations bestehen meist aus einem Standgehäuse, das eine entsprechende Belüftung bietet.  Wärme und Leistungsaufnahme sind hier generell keine Thema. Es geht also lediglich darum, soviel Performance wie möglich aus der Plattform herauszuholen. Die Verwaltung einer Workstation ist etwas weniger kritisch. Dedizierte Grafikkarten treten in Workstations deutlich häufiger auf, die Verfügbarkeit von mindestens einem x16-Steckplatz ist zu bevorzugen.

Noch vor kurzem bestand das Single-Socket CPU-Portfolio von Intel aus den Workstation-Prozessoren der Xeon W3500- und W3600-Serie und den Chips der Xeon 3400-Serie. Diese Produkte klingen vielleicht etwas fremd, allerdings lehnen sich alle drei Produktlinien an  Architekturen aus der Desktop-Welt an. Der Xeon W3500 basiert auf dem 130 W Bloomfield für Sockel LGA 1366. Der Xeon W3600 verwendet das Sechs-Kern Gulftown-Design, was bedeutet, dass die gleichen thermischen Grenzen bestehen und auch der gleiche Sockel verwendet wird. Die meisten Modelle der Xeon 3400-Serie basieren auf 45 nm Lynnfield-Dies, wobei es innerhalb der Serie auch ein paar 32 nm-Modelle auf Clarkdale-Basis gibt.

Die Xeon E3-1200-Serie verändert diese Landschaft deutlich. Die Intel-Modelle der 3400- und W3500-Serie werden durch Modelle auf Sandy-Bridge-Basis verdrängt. Die Xeon W3600-Modelle bleiben an gewohnter Position und liefern auch weiterhin eine threaded Performance, an die die E3s mit vier Kernen einfach nicht herankommen. Gehen wir etwas mehr ins Detail.

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1 Kommentar
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  • 1Hz
    Das ist doch wirklich mal eine sehr schöne Basis für professionelle Lösungen mit kleinem Geldbeutel. Ein zweiter Grafikanschluss wäre allerdings wünschenswert. Und warum kein SLI?
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