Intel Xeon 5600: 24 Threads melden sich zum Dienst

Viele CPUs aus dem professionellen Segment sind eng mit Desktop-Prozessoren verwandt. Heute nehmen wir Intels Workstation-Modell Xeon X5680 unter die Lupe. Der sieht dem Core i7-980X zum Verwechseln ähnlich, ist aber für Zwei-Sockel-Systeme optimiert

Im Jahr 2005 veränderte Intel die Desktop-Landschaft grundlegend durch die Einführung der ersten Pentium-4-Prozessoren mit zwei Kernen. Man hatte erkannt, dass man die Taktraten nicht wie geplant stetig weiter würde anheben können. Wir erinnern uns: Ursprünglich versprach Intel sich vom Pentium-4-Design Taktraten von bis zu 10 GHz! Also entschied man sich für einen Strategiewechsel und zielte stattdessen auf die höhere Parallelisierung bei den Ausführungseinheiten einer CPU ab.

Server und Workstations nutzten natürlich schon seit langem Systeme mit mehreren CPUs in Form von Mehrsockel-Mainboards, um so bestimmte Aufgaben schneller auszuführen. Allerdings hatten die Xeons mit Irwindale-Kern damals ein mächtiges Problem: AMDs Opterons waren ihnen in fast allem Belangen haushoch überlegen. Durch Hyper-Threading konnten sie zwar zwei Threads pro physikalische CPU ausführen, doch handelte es sich bei ihnen noch um einen klassischen Einkern-Prozessor. Zum Mehrkern-System wurde eine solche Workstation erst, indem man zwei derartige CPUs in ein Mainboard mit zwei Sockeln steckte.

Auf dem Desktop geht der Umstieg auf Software, die mehrere Threads nutzen kann, nach wie vor schleppend voran. Unsere „Lieblingsbeispiele“ sind in dieser Hinsicht WinZip und iTunes, die auch in ihren aktuellen Versionen noch so tun, als besitze eine CPU nur einen einzigen Kern. Anders sieht es in der Business- und Workstation-Klasse aus. Hier kommen schon seit Jahren elegantere Software-Lösungen zum Einsatz, die mehrere CPUs bzw. CPU-Kerne gut auslasten können. Während der Gamer also noch das Für und Wider eines Sechskern-Prozessors abwägen muss, kann der Workstation-Guru niemals genug CPU-Kerne in einem Gehäuse unterbringen.

Schon der Umstieg von einem Zwei-Sockel-System mit zwei Einzelkern-CPUs auf ein Doppelkern-System mit einem Sockel birgt Einsparpotential. Oder man steigt gleich von einer Zwei-Sockel-Plattform mit Einzelkernen auf ein Zwei-Sockel-System mit Dual-Cores um. Mit einem Schlag verdoppelt man die verfügbaren Ressourcen, die in derselben Hardware-Klasse zur Verfügung stehen. Passende Mainboards und CPUs für Vier- und Acht-Wege-Systeme werden dann schlagartig teurer. Insofern ist aus Kostensicht eine Pro-Sockel-Parallelisierung durchaus wünschenswert. Gut, dass es heute sogar Sechskern-Prozessoren mit Hyper-Threading gibt, die selbst einem Desktop-Betriebssystem wie Windows 7 ganze 12 logische Prozessoren zur Verfügung stellen – und zwar auf einem einzelnen Sockel.

Chris Angelini spricht über Intels Xeon-5600-Familie

 

Intel wird wieder konkurrenzfähig

Da die Hardware immer leistungsstärker wird, passen die Entwickler ihre Software an, um diese Reserven voll auszuschöpfen, was wieder zum Wunsch nach potenterer Hardware führt - ein klassischer Teufelskreis.

Vergangenes Jahr führte Intel die Xeon-5500-Reihe für Server und Workstations mit zwei Sockeln ein. Laut dem damaligen Intel-Vize Pat Gelsinger war dies die wichtigste CPU-Vorstellung des vergangenen Jahrzehnts. Eigentlich betrachten wir solche Aussagen eher kritisch, aber in diesem Fall traf sie, was Intel betrifft, voll zu.

Der Vorteil, den AMD  durch den Einsatz von HyperTransport genoss, zeigte sich vor allem in Mehrsockel-Systemen. Derweil war Intel noch lange Zeit auf den Front Side Bus angewiesen, dessen Bandbreite sich alle verbauten Prozessoren teilen mussten. Mit der Xeon-5500-Serie schaffte Intel die Schwächen vorangegangener Chips durch die Einführung des QuickPath Interconnect (QPI), der Wiedereinführung von Hyper-Threading und dem neu entwickelten Turbo-Boost aus der Welt. Dadurch profitierten sowohl Single-Thread- als auch Multi-Thread-Anwendungen von der neuen Architektur.

Natürlich drehen sich die Rädchen auch bei Intel weiter. Der Umstieg auf die 32-nm-Fertigung dieses Jahr erlaubte es der Firma, seinen SMB-Prozessoren bei gleichbleibender Leistungsaufnahme weitere Ausführungseinheiten zu spendieren. Das bringt uns zur Xeon-5600-Familie: Sie enthält bis zu sechs physische Kerne und 12 MB gemeinsamen L3-Cache pro Prozessor, gehört aber dennoch in dieselbe 130-Watt-TDP-Klasse wie seine Vorgänger der 5500-Serie.

Das Traum eines jeden echten Geeks: 24 Prozessoren im Windows-Gerätemanager.Das Traum eines jeden echten Geeks: 24 Prozessoren im Windows-Gerätemanager.

Eines gleich vorneweg: In diesem Artikel tauchen keine AMD-CPUs auf. Das liegt aber nicht an mangelndem Interesse unsererseits. Als wir dort anfragten, ob man an einem Vergleich verschiedener Prozessoren im Workstation-Segment teilnehmen wolle, bei dem auch Intels neueste Xeons mitläuft, räumte die Firma ein, in diesem Segment derzeit nicht wirklich stark aufgestellt zu sein. Ein Teil davon, konkurrenzfähige Angebote machen zu können, besteht darin, leistungsfähige CPUs mit halbwegs aktuellen Chipsätzen kombinieren zu können.

Während Intels Xeon 5500- und 5600-Serien auf die Chipsätze 5200 und 5500 bauen können, sind die Optionen bei AMD spärlicher gesät. Zwar hat man immerhin die SR56x0-Serie und die SP5100-Southbridge im Portfolio, die zusammen genommen bei Tyan als Basis für Doppel-Sockel-Mainboards dienen. Dennoch schien man bei AMD einfach nicht daran interessiert, an diesem Vergleich teilzunehmen. Das ist eigentlich mehr als schade. Als AMD damals den Athlon 64 vorstellte, wurde seine exklusive 64-Bit-Architektur vor allem bei den Workstation-Nutzern im Audio-Bereich als großer Pluspunkt gefeiert.

Wie dem auch sei, an Hardware für einen Vergleich mangelt es uns trotzdem nicht. Für den Test finden sich ein: zwei Xeon 5600, zwei Xeon 5500 und ein Core i7-980X. Letzterer soll zeigen, wo und wann ein zweiter Prozessor bei Workstation-Aufgaben tatsächlich zusätzliche Performance bringt.

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13 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • Stefan0875
    Ein sehr leistungsfähiges System. Wir sind von 2x X5560 auf einen Server mit 2x X5650 umgestiegen.
    Der Server verarbeitet hier 4000 gleichzeitige VoIP Verbindungen mit Sprachansagen und Mixing. Sehr beeindruckend :-)
    0
  • checkmate
    Zitat:
    Da die Hardware immer leistungsstärker wird, passen die Entwickler ihre Software an, um diese Reserven voll auszuschöpfen, was wieder zum Wunsch nach potenterer Hardware führt - ein klassischer Teufelskreis.


    Nebenbei bemerkt ganz schöner Quatsch. Hardware hängt schon immer den (Software-)Anforderungen hinterher. Das wird auch noch lange lange so bleiben.
    0
  • drno
    Endlich mal wieder was richtiges!

    HUBRAUM statt SPOILER!

    http://www.modellversium.de/galerie/img/8/1/0/4810/3092535/bugatti-royal-coupe-napoleon-italeri.jpg

    Der Bugatti hatte 12 Liter Hubraum und soff 50 Liter per stunde!
    -2
  • Mav123
    Hmm haben will..aber zum Gamen gänzlich ungeeignet. :(
    -2
  • amd64
    Ist ja putzig, THG testet Server Hardware. Weiter so! Aber bitte AMD Lösungen des selben Formats gegenüberstellen! Alles andere sieht nur nach Intel Beweihräucherung aus. Oder erlaubt euch das Intel nicht? >:>
    1
  • fffcmad
    amd64Ist ja putzig, THG testet Server Hardware. Weiter so! Aber bitte AMD Lösungen des selben Formats gegenüberstellen! Alles andere sieht nur nach Intel Beweihräucherung aus. Oder erlaubt euch das Intel nicht? >:>


    Wie lange sollen wir warten, bis AMD was im selben Format anbietet? 1 Jahr? 2 Jahre? Sobald ein AMD-System, welches gerade aktuell auf dem markt schwimmt, getestet werden kann, wird sich nur zeigen, wie groß der Abstand zu den Intels ist und wie gut er dabei mit der Preis-Leistung punkten kann, trotz des großen Leistungsdefizit.
    0
  • fffcmad
    @ benjamin:

    Kann es sein das der maximale Speicherdurchsatz durch das QPI auf 34Gbyte pro Sekunde begrenzt ist? Ich wuerde mal versuchen, ob sich ein Unterschied in der Zugriffszeit messen laesst. Hier laesst sich vielleicht ein Unterschied finden.

    PS: Wenn das Diagramm unter dem Intel-Mainboard korrekt ist, koennte es sogar bedeuten, das SIS-Soft Sandra fuer den Speicherbenchmark untauglich ist. Wenn der RAM und der Speichercontroller mit der CPU kommunizieren, ohne das der QPI genutzt wird, kann eine CPU alleine wohl eine hoehere Speicherbandbreite erreichen, solange sie nur auf den Speicherbereich zugreift, der an ihrem Speichercontroller haengt. Aber ich glaube, das der Speichercontroller am QPI haengt.

    In dem jetzigem Test ist es auf jeden Fall so, das beide CPUs den Speicherbenmark fahren und die Kommunikation ueber den QPI laeuft. SIS-Soft Sandra wird sicherlich nicht darauf achten, welcher Speicherberich an welcher CPU haengt. Der Durchsatz duerfte mit etwas Glueck minimal hoeher sein als der maximale QPI-Durchsatz, oder eher darunter.
    0
  • Derfnam
    @ amd64: vielleicht solltest du mal lesen, was im Artikel steht. 1. Seite direkt, kaum zu verfehlen.
    Aber ich finde es gut, daß du quasi verlangst, man solle auf einem wohl hoffnungslos unterlegenen Gegner noch ein wenig herumtrampeln, weil: ist ja eh schon egal, ne? Dein Nick ist ironisch gemeint, stimmt's?
    0
  • benkraft
    amd64Ist ja putzig, THG testet Server Hardware. Weiter so! Aber bitte AMD Lösungen des selben Formats gegenüberstellen! Alles andere sieht nur nach Intel Beweihräucherung aus. Oder erlaubt euch das Intel nicht? >:>


    Auch von mir noch mal - nicht, dass die passende Textstelle (noch mal) überlesen wird:

    Zitat:
    Eines gleich vorneweg: In diesem Artikel tauchen keine AMD-CPUs auf. Das liegt aber nicht an mangelndem Interesse unsererseits. Als wir dort anfragten, ob man an einem Vergleich verschiedener Prozessoren im Workstation-Segment teilnehmen wolle, bei dem auch Intels neueste Xeons mitläuft, räumte die Firma ein, in diesem Segment derzeit nicht wirklich stark aufgestellt zu sein. Ein Teil davon, konkurrenzfähige Angebote machen zu können, besteht darin, leistungsfähige CPUs mit halbwegs aktuellen Chipsätzen kombinieren zu können.

    Während Intels Xeon 5500- und 5600-Serien auf die Chipsätze 5200 und 5500 bauen können, sind die Optionen bei AMD spärlicher gesät. Zwar hat man immerhin die SR56x0-Serie und die SP5100-Southbridge im Portfolio, die zusammen genommen bei Tyan als Basis für Doppel-Sockel-Mainboards dienen. Dennoch schien man bei AMD einfach nicht daran interessiert, an diesem Vergleich teilzunehmen. Das ist eigentlich mehr als schade. Als AMD damals den Athlon 64 vorstellte, wurde seine exklusive 64-Bit-Architektur vor allem bei den Workstation-Nutzern im Audio-Bereich als großer Pluspunkt gefeiert.


    Seite 1, gleich unter dem letzten Bild.
    Bitte geben Sie ihre Vorurteile vorn an der Garderobe ab. Vielen Dank!
    2
  • Anonymous
    Das ist sicher ein schoenes System fuer eine Workstation, aber mit einem Hochverfügbarkeits-Server hat es, wenn ich mich nicht sehr irre, ueberhaupt nichts gemeinsam. Nicht umsonst beschraenkt sich Intel unter der Rubrik "Advanced Technologies" auf das TPM des Mainboards. Das zusammengestellte System koennte man maximal im Lockstep-Mode (Spiegelsystem) hochverfuegbar gestalten.


    Um ein HA-System (= High Availability) aufzubauen muesste man wenigstens auf die hoeheren CPU-Klassen der 6500er oder der 7500er zurueckgreifen. Selbst mit den stark eingeschraenkten RAS-Features (=Reliability, Availability and Serviceability), die der 5600er-Serie zur Verfuegung stehen, verliert diese massig Leistung, dass man letztendlich billiger mit den teureren CPU-Klassen wegkommt. Etwas HA-Erfahrung hat Intel ja schon mit den Itaniums sammeln duerfen und versucht diese nun auf die unteren preissegmente zu uebertragen, aber der Markt gehoert (noch) anderen (IBM, Fujitsu, Sun(†)), die nicht nur mehr Erfahrung mit Hochverfuegbarkeit haben, sondern auch deutlich performantere (bezogen auf einzelne CPU und auch bezogen auf Gesamtsystem) und besser skalierende Systeme bieten.


    Anandtech hatte im Artikel AMD's 12-core "Magny-Cours" Opteron 6174 vs. Intel's 6-core Xeon einen guten Vergleich geliefert. Dieser waere fuer den THG-Artikel eine gute Orientierung und guter Ansatzpunkt zum weiteren Aufbau gewesen. Bei anandtech wird auch deutlich, wo der Opteron noch ein bisschen mithalten kann (sehr gut mit Multicore skalierend und ausgezeichnete Speicherperformance). Es wird aber auch klar, dass diese Opterons eben der Gegenspieler fuer Intels Core2-Architektur war. (Die FSB-Limitierung des S775 ist den meisten hier im Forum ja gut bekannt). Die Groesse des Entwicklungs- und Leistungsschrittes weg von der Core2-Architektur ist wohl in nirgendwo so deutlich wie bei den Multi-CPU-Systemen in Servern. AMD muss und kann hoffentlich spaetestens bis Q2/Q3 naechsten Jahres dem eine leistungsaequivalente CPU entgegensetzen.
    0
  • amd64
    Schade das AMD kein Interesse hat, gerade die SR56x0-Serie wäre interessant gewesen.
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  • phobos
    dass AMD nicht will ist klar, sie wissen ohnen dass man nicht mithalten kann, warum noch Salz auf die Wunde...

    Sie haben sehr große Anteile im Server Segment verloren...

    Könnte aber auch an THG liegen.... I'm just saying...
    -2
  • 3strik3s@guest
    3 BEEP - vermeintliche Fehlermeldung beim S5520sc

    ich muss mich hier mal outen! nachdem ich schon stunden lang mit bios und speichereinstellungen herumgespielt habe und schon das zweite paket RAM zum händler zurückgeschickt habe bin ich über diesen hilfreichen post in den intel-foren gestoßen: communities.intel.com/thread/11001

    das mainboard piepst nämlich gerne mal 3x hintereinander aber nur das eine mal handelt es sich um ein speicherproblem... das andere mal ist es lediglich die freunliche begrüßung für alle gefundenen USB-geräte (inklusive HUB (maus, tastatur, hub))!!! das steht nur leider nirgendwo in der nähe der BEEP-CODE tabelle...

    jetzt will ich mal hoffen, dass der hardware-händler meines vertrauens mir überhaupt noch was verkaufen mag... man man man!!!!
    0