Apple zwingt Hersteller von eBook-Reader-Apps, Links zu Büchershops zu entfernen

Für all jene, die bisher mit ihrem iPhone, iPad oder iPod touch eBooks außerhalb von Apple eigenem virtuellen Buchladen kauften und lasen, wird es somit schwieriger, elektronische Bücher und Zeitschriften zu besorgen.

Am Montag berichtete Amazons Kindle-Team, das es gezwungen war, den Kindle Store-Link aus seiner Kindle-App zu entfernen, um Apples neuen Regeln zu genügen. "Wir wollten euch wissen lassen, dass wir ein Update unserer Kindle-App für iPad, iPhone und iPod touch durchgeführt haben", so das Kindle-Team. "Die große Neuerung: Man kann die Kindle-App ab sofort zum Lesen von über 100 Kindle-Zeitungen und -Zeitschriften (einschließlich dem Economist) nutzen und Lieblings-Passagen des Lesestoffs via Facebook und Twitter veröffentlichen."

"Um den jüngsten Regeländerungen von Apple zu genügen, haben wir außerdem den "Kindle Store"-Link aus unserer App entfernt, der den Kindle Store in Safari startete", so das Team weiter. "Jeder kann weiterhin so einkaufen, wie bisher – man muss einfach Safari öffnen und auf www.amazon.com/kindlestore gehen. Wer mag, kann auch einen Bookmark auf diese URL legen. Die Kindle-Bücher werden dann bisher auf iPad, iPhone oder iPod touch ausgeliefert."

Auch Kobo und Barnes & Nobles haben ihre Apps aktualisiert und die Links zu ihren Online-Buchläden entfernt. So vermeiden die Anbieter eine 30-prozentige Abgabe auf Verkäufe, die sie über ihre Apps generieren. Vorher umgingen sie Apples finanzielles Verlangen, indem sie Links auf ihre Webseiten in ihren Apps integrierten. Aber im Februar änderte Apple die Regeln und verlangte, dass alle Anbieter ihrer Inhalte innerhalb ihrer Apps verkaufen. Entwickler hatten bis zum 30. Juni Zeit, Links auf externe Shops aus ihren Apps zu entfernen und selbige um Umsatz-generierende Inhalte zu erweitern, wenn sie ihre Produkte über die App verkaufen wollten.

Im Mai kritisierte BeamItDown Software Apple öffentlich für diese neue Regelung und behauptete, dass es aus diesem Grund seine Tore schließen musste. BeamItDown war der Entwickler der iFlow Reader-App für iOS.

"Wir kamen auf diese Plattform, weil wir all dem PR-Geschwätz von Apple glaubten: Sei ein Entwickler, mache Geld, usw.", so Mitgründer Dennis Morin in einem Interview. "Wir kamen auf diese Plattform und erwarteten Fairness. Okay – Apple möchte Bücher verkaufen, fein. Aber dann ändern sie einfach die Regeln, so dass in dieser speziellen Kategorie niemand außer Apple Profite einfahren kann. Ich meine – sowas gab's bisher noch nicht. Für alle praktischen Belange agiert apple wie ein totalitärer Staat. Und ich denke, dass Apple durch diese Strategie im Endeffekt Einbußen hinnehmen wird. Aber kurzfristig muss Apple mehr und mehr Einnahmen für seine Aktionäre generieren. Die haben Verkäufe von 300 Millionen US-Dollar pro Tag. Aber die müssen 400 Millionen oder 500 Millionen machen – und so weiter."

Kobo-CEO Michael Serbinis sagte am Montag, dass die neuen Regeln es dem Unternehmen nicht erlauben, innerhalb der App seinen Online-Bookstore zu erwähnen oder den Lesern zu erklären, wie sie Bücher kaufen und auf ihr Gerät bekommen können. "Es ist sehr einfach, aber manche Leute, die die App zum ersten Mal herunterladen, werden es vielleicht nicht hinbekommen", so Serbinis.

Ebenfalls am Montag stellte CNET fest, dass Google Books während des Wochenendes aus den App Store verschwunden sei. Bisher haben weder Google noch Apple eine Erklärung dazu abgegeben, aber es wird angenommen, dass Apple die App rausgenommen hat, weil Google den Link zu seinem Online-Bookstore nicht entfernt.

Das klingt doch ganz so, als würde da der nächste Rechtsstreit hochkochen…

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5 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • jm1990
    Gut, dass ich mir kein Apple Gerät gekauft habe. Ich sehe mich immer mehr bestätigt, dass ich es mit einem kleinen Größenwahnsinnigen Unternehmen zu tun bekommen hätte... Aber wer so schnell wächst, das zeigt die Vergangenheit, der fällt meistens umso tiefer. Spätestens wenn der Größenwahn ausbricht (BVB, Dt. Telekom, Porsche, Commerzbank, Hypo Real Estate, Infineon, oh Gott die Liste ist soooo lang...) dann droht der nahende tiefe Fall...
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  • crazymath
    Sowas sollte schlicht verboten werden...mal schauen, wie ewig lange die Wettbewerbshüter brauchen, um hier einen Riegel vorzuschieben...

    Andere Firmen hätten längst Strafen zahlen dürfen.

    Die EU braucht doch Geld...also: Go, go, go!
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  • mbeisel
    Kann ja mal jemand versuchen auf dem Amazon-Kindle iBooks zu installieren...
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