AMD Radeon RX 470 4GB: Flotter Einstieg ins Mainstream-Gaming

Zuwachs in der Polaris-10-Familie: Mit der Radeon RX 470 reicht AMD die etwas kleinere Schwester der RX 480 nach, die durch ordentliche Spieleleistung für Full-HD-Gaming zu einem sehr attraktiven Preis punkten möchte. Ob das gelingt, zeigt unser Test.

Wir bei Tom’s Hardware sind süchtig nach High-End-Hardware, diese Begierde ist selbstredend tief in unserer DNA verankert. Aber genau so, wie beispielsweise ein Großteil der Kaffee-Gourmets nur in den seltensten Fällen eine mehrere tausend Euro teure, professionelle Zubereitungsanlage in der eigenen Küche stehen hat, setzt auch unter den Hardware-Enthusiasten nur ein prozentual geringer Anteil auf eine extrem kostspielige Nvidia GeForce Titan X im heimischen PC.

Laut der jüngsten Steam-Nutzerstatistik vom Juli 2016 verwenden gerade einmal 1,62 Prozent der erfassten Spieler eine Bildschirmauflösung von 2560 x 1440 Pixeln. Die Zahlen von Nutzern von 4k-Monitoren sind sogar so gering, dass sie nicht einmal eigens ausgezeichnet werden und unter den Sammelbereich “Sonstige” fallen, der insgesamt 2,05 Prozent ausmacht.

Die verbreitetste Auflösung bleibt auch weiterhin Full-HD mit 1920 x 1080 Bildpunkten: Mit 36,61 Prozent bildet sie den Löwenanteil in der Steam-Nutzerstatistik. AMD möchte unbedingt Anteile im Mainstream-Segment hinzugewinnen, dementsprechend wurde die erste Grafikkarte aus der neuen Generation von Team Rot im 14-nm-Fetigungsprozess genau für diese Spielergruppe konzipiert. Das Ergebnis ist die erst vor einem Monat veröffentlichte AMD Radeon RX 480, die wir bereits im Rahmen eines ausführlichen Reviews sowie eines daran anschließenden Nachtests präsentierten. Die kleinere Version mit 4 GByte GDDR5 gibt es derzeit für ab 235 Euro, während für die größere 8-GByte-Variante 269 Euro fällig werden.

AMD kommt kaum damit nach, die preislich attraktiven Pixelbeschleuniger in ausreichend großen Stückzahlen bereitstellen zu können, um die hohe Nachfrage zu befriedigen. Unterdessen scheint sich ein großer Posten an GPUs angehäuft zu haben, die nicht den Anforderungen zum Einsatz als RX 480 genügen. Aus diesem Grund folgt wohl nun die RX 470: Diese verfügt zwar prinzipiell über dieselbe GPU wie die RX 480, jedoch wurden hier vier Compute Units deaktiviert.

Im Hinblick auf die Architektur gibt es bei der Ellesmere getauften GPU also wenig Neues zu berichten. Hier kommt dieselbe GPU mit 5,7 Milliarden Transistoren zum Einsatz, die wir bereits im Rahmen des Tests der RX 480 detailliert vorgestellt haben. Die Fertigung erfolgt bei Globalfoundries im 14-nm-FinFET-Prozess und sie nimmt eine Fläche von 232 mm2 ein.

Während die volle Ausbaustufe der GPU 36 CUs bietet (mit jeweils 64 Stream Prozessoren und vier Textureinheiten), sind bei der RX 470 nur 32 CUs freigeschaltet. Dadurch reduziert sich die Anzahl der zur Verfügung stehenden Stream Prozessoren von 2304 auf 2048 und die Karte bietet nur noch 128 statt 144 Textureinheiten. Wer diese Zahlen im Hinterkopf behält, wird beim Betrachten der Benchmarks feststellen, dass die Leistungsunterschiede zwischen RX 480 und RX 470 genau diese Einschnitte abbilden.

Am Back-End der GPU ändert AMD nichts. Hier gibt es acht ROPs pro Shader Engine, insgesamt also 32. Das 256-Bit breite Speicherinterface bleibt ebenfalls erhalten, obwohl AMD hier auf 4GByte GDDR5 setzt, der mit 1650 MHz ans Werk geht, was zu einer Datenrate von 6,6 Gbit/s führt. Die maximale Bandbreite beträgt 211 GByte/s, AMDs Algorithmen zu Delta Color Kompression sorgen allerdings für einen noch höheren effektiven Durchsatz. Die uns von AMD vorliegenden Spezifikationen bieten leider keinerlei Informationen zum L2-Cache, wir gehen aber davon aus, dass die GPU auf die vollen zwei MByte zurückgreifen kann, wodurch entsprechend viele Daten direkt auf dem Chip verarbeitet werden können, um den Datenverkehr über den Arbeitsspeicher zu entlasten.

Aber nicht nur der GDDR5 der RX 470 taktet niedriger als bei der RX 480, auch der Chiptakt wurde gesenkt. Die Basis-Taktrate liegt bei 926 MHz, der Boost bei 1206 MHz. Wird der Basistakt zugrunde gelegt, dann sorgt das im Hinblick auf die Compute-Performance für 3,8 TFLOPS bei FP32-Operationen. Ungeachtet dessen beschickte uns AMD für die Erhebung der Benchmarks mit einer Asus Strix RX 470 OC Edition, die einen maximalen Boost-Takt von bis zu 1270 MHz bietet (ungefähr 5 Prozent mehr als der Referenz-Boost-Takt). Was die Boardpartner im Hinblick auf weitere OC-Modelle und Kühllösungen anbieten werden, bleibt abzuwarten.

AMDs Performance-Einschnitte schlagen sich deutlich auf die TDP nieder: Die RX 470 ist mit 120 Watt spezifiziert (bei der RX 480 lautet der Wert noch auf 150 Watt). Asus stattet die Strix RX 470 mit einem sechspoligen Stromanschluss aus, andere Modelle werden aber auch mit einem achtpoligen Stecker auf dem Markt erscheinen. Detaillierte Messungen zu Stromversorgung- und Verbrauch gibt es in einem der folgenden Abschnitte, schauen wir uns aber zunächst einmal die Karte von Asus näher an.

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11 Kommentare
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  • moeppel
    DIe 470 liegt bedenklich nahe an der 480, was zum einen die Frage stellt, warum sie die 480 so beschnitten haben (ROPs, CUs, Speicherbandbreite) und zum anderen dessen Verkäufe kanabilisieren dürfte.

    Drüben bei Guru wurden bereits AIBs getestet und oftmals nehmen die Karten sich nur einige FPS - in einem Maße, dass der Aufpreis einer 480 kaum gerechtfertigt ist.

    Besteht prinzipiell die Chance early 470s in 480s zu unlocken? ;)

    In der Vergangenheit hat AMD ja oftmal geschludert in der Hinsicht.

    An sich eine fantastische Karte für Endverbraucher, vor allem wenn der Preis unter 200€ liegt. Nichtsdestotrotz rückt die 470 die 480 in ein nur noch merkwürdigeres Licht.
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  • klomax
    Es überrascht nicht, dass unter FHD die Karte ihren großen Schwester nicht all zu sehr unterlegen ist. - Und die R9 380(X) wird klar übertrumpft.

    Preislich sollte sie, wie ich gerade bei mf sehe, zwischen 220 und 250 liegen. - Also im Endeffekt die preisliche Wachablösung der 380er.

    Für 220 € im Costumer-Design an sich ein guter Preis, wie ich finde. - 8 GB Varianten hauen dagegen rein, wie immer.

    Danke für den Test! - Jetzt noch die RX 460, und der Teststress ist vorbei. :)
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  • ShieTar
    Für kapp 250€ gibts inzwischen schon die ordentlich übertaktete Sapphire RX 480 Nitro+ mit 4GB. Da wird die RX 470 spürbar drunterbleiben müssen.
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  • Ressorator
    Hatten die beiden Modelle von Sapphire ihren Stromanschluß hinten oder an der Seite?
    Auf Geizhals waren die laut Fotos hinten direkt bei den Bildschirmausgängen.
    Das stelle ich mir die Frage warum.
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  • TenDance
    Anonymous sagte:
    Für kapp 250€ gibts inzwischen schon die ordentlich übertaktete Sapphire RX 480 Nitro+ mit 4GB. Da wird die RX 470 spürbar drunterbleiben müssen.


    Derzeit startet die sehr gute Powercolor bei 219€.
    http://geizhals.de/powercolor-radeon-rx-470-red-devil-axrx-470-4gbd5-3dh-oc-a1488318.html?hloc=at&hloc=de

    Ich denke das ist ein ganz guter Startpreis. Die Preise der sehr guten Sapphire-Umsetzung - die profitiert enorm vom PCB und Kühler der RX480 sowie dem vollen Speichertakt - sind derzeit noch jenseits von Gut und Böse.
    Wenn das Produkt nicht verfügbar ist, laufen die Preise eben Amok.

    Mitelfristig sehe ich die RX470 um die 200€ und die 8GB-Version bei 220€. Wenn die 480er mit 4GB bei 240€ und die 8GB customs bei 270€ liegen, sollte das passen.

    Derzeit sind die Preise aber einfach noch zu hoch, der Markt ist recht aufgeheizt.
    Sieht man auch an den GTX1080 u.v.a. 1070, die fangen jetzt langsam an im Preis zu sinken wo es auch mal Lagerware gibt :)
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  • ShieTar
    Anonymous sagte:
    Hatten die beiden Modelle von Sapphire ihren Stromanschluß hinten oder an der Seite?
    Auf Geizhals waren die laut Fotos hinten direkt bei den Bildschirmausgängen.
    Das stelle ich mir die Frage warum.

    Ähm, hinten, aber nicht "bei den Bildschirmausgängen", das wäre ja außerhalb des Gehäuses?
    http://gzhls.at/p/7762/1477762/1477762-3.jpg

    Ungewöhnlich, sollte aber bei einer 240mm kurzen Karte kein Problem darstellen.
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  • Ressorator
    Richtig. Es ist ungewöhnlich. Hatte wohl die Seiten vertauscht. ;)
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  • Elkarlo
    Die RX 470 ist für meinen HTPC interessant der an einen 1080p Monitor hängt. Ich habe dort nur ein beschränktes Hitzbudget. Und ich glaub in diese Nische schlägt auch die RX470 dann voll: Systembuilder die ein festes Hitze und Geldbudget bei den PC aufbau haben. Also wirds demnächste einige Dell'en und Medion's evtl mit dieser Karte geben. Dort wird sie für unter 200 eingekauft und vertickert. Und das ist nun mal der Massenmarkt. Sie wird die gtx960 als die Standard Systembuilder Karte ablösen. Solange Nvidia nicht eine 1050 nachschiebt oder die 1060 massiv im Preis reduziert.
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  • kleinstblauwal
    Es wäre schön, wenn am Ende noch mal ein Spielübergreifendes Leistungsrating erstellt wird, auch wenn es für einzelne Spiele die Abfolge des Leistungsrankings schon stark einem Durchschnitt über alle Spiele wiederspricht.
    Ist bei eurer Webseitenarchitektur prinzipiell möglich so ein System wie bei ComputerBase zu machen, wo man Spiele aus dem Durchschnitt rausnehmen kann, weil sie einen entweder nicht interessieren oder es für Wettbewerbsverzerrung aufgrund nicht ganz balancierter Optimierung (PCars, AotS) hält?

    Fehlt da nicht eigentlich eine 370/270X als Zahlenmäßiger Vorgänger? Oder kommt die beim RX460 Launch noch, wo dann die Qualitätseinstellungen noch mal ein bisschen reduziert werden, um praxisnahe FPS zu erhalten.
    Mich würde auch ein Test interessieren, bei welchen Qualitätseinstellungen 4GB gut sind, während es bei 2GB Karten "unspielbar" unrund läuft.
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  • KalleWirsch
    Ja ein Update der GPU charts für die neue Genration wäre super.

    Die 270X ist etwa eine halbe RX470 die 370 etwa 40% der RX470. Bei der 270X Tendenz nach oben bei größere Auflösungen, da die Speicherbandbreite etwa 75% der RX470 ist.
    Die spielen also nicht in der selben Liga. Klar das die hier nicht mit auftauchen.
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  • ShieTar
    Was mir gerade auffällt ist das die R9 380 in den meisten Benchmarks die R9 280X ja deutlich abhängt. Dabei hat die ältere Karte mit dem X ja auf dem Papier mehr Rechenleistung und mehr Speicherbandbreite.

    Ist da der Videospeicher von 3GB schon in allen Spielen überfüllt, oder sind das tatsächlich schon Unterschieden in der Architektur und dem Feature-Level (DirectX 12 statt 11.2)?
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