Mate 10: Huawei bläst zur Attacke auf Apple und Samsung

Huawei hat sich mittlerweile einen festen Platz unter den Branchengrößen erarbeitet. Immerhin halten die Chinesen nach Samsung und Apple den drittgrößten Marktanteil weltweit. Dementsprechend setzt der Hersteller auf zwei Flaggschiffe im Jahr: Während zu Beginn des Jahres die P10-Serie vorgestellt wurde, folgte nun das Mate 10, das mit einem neuen Prozessor und neuer Software die Marschrichtung des Herstellers für die nächste Saison vorgibt.

Die Vorstellung des neuen Prozessors, der als HiSilicon Kirin 970 bezeichnet wird, fand bereits während einer Keynote zur IFA in Berlin satt. Das SoC, das von Huaweis Tochter HiSilicon entwickelt wird, besteht aus acht CPU-Kernen, die auf jeweils zwei Cluster à vier Kerne verteilt werden. Die leistungsfähigeren Kerne basieren auf der Cortex-A73-Architektur des britischen Chipentwicklers ARM, der auch den Bauplan für die energiesparenden Cortex-A53-Kerne lieferte. Sie sind mit 2,4 bzw. 1,8 GHz getaktet. Als GPU kommt die ebenfalls von ARM stammende Mali G72 zum Einsatz, die über zwölf Grafikkerne verfügt.

KI wird für eine Reihe von Huawei-Anwendungen genutzt

Wirklich neu am Prozessor ist jedoch die NPU. Die NPU-Einheit (Neuronal Processing Unit) wird mit der Software verknüpft und kommt insbesondere bei Bild- und Videoaufnahmen zum Einsatz. Sie soll nicht nur 2000 Bilder in einer Minute erkennen können, sondern auch den Energiebedarf bei entsprechenden Nutzungsszenarien, der Chip soll an dieser fast 40 Prozent schneller werden als Apples A11 Bionic. Ein Samsung Galaxy Note 8 soll an dieser Stelle ganze 100 statt fünf Sekunden.

Bei der Kamera setzen die Chinesen einmal mehr auf die Zusammenarbeit mit Leica. Die neueste Variante der Dualkamera vereint einen 12-MP-Sensor, der die Farbinformationen bereitstellt, mit einem Schwarzweiß-Sensor, der Bilder mit einer Auflösung von 20 Megapixeln in einem System vereint. Dieses soll insbesondere in der Lichtempfindlichkeit verbessert worden sein, was mit einem Blendwert von f/1,6 untermauert werden soll.

Zudem soll die Fotofunktion von der KI-Einheit profitieren, die nicht beim Zoom nachhilft und für deutlich verbesserte Ergebnisse sorgt, sondern die auch dreizehn Bildmotive beim Fotografieren erkennt und diese automatisch aufhübschen kann.

Mate 10

Das neue Mate 10 wird in insgesamt drei unterschiedlichen Versionen angeboten. Das "einfache" Mate 10 bietet einen 5,9 Zoll großen OLED-Bildschirm, der eine Auflösung von 2560 x 1440 Pixeln bietet. Es soll nicht nur mit einer hohen Pixelzahl, sondern auch einer enormen Helligkeit punkten: Die Leuchtdichte kann von 1,8 bis 730 cd/m² variieren.

Natürlich wurde versucht den Bildschirm mit möglichst schmalen Rändern in den Metallrahmen einzusetzen - die Rückseite besteht aus Glas - dennoch passt unterhalb des Bildschirms ein schlank gestalteter Fingerabdruckscanner. Die Rückseite ist leicht nach außen gewölbt (3D-Curved) und soll trotz der Größe für ein angenehmes Gefühl in der Hand sorgen.

Mate 10 Pro

Die Pro-Version ist noch etwas mehr auf den Business-Einsatz hin spezifiert worden. Das bedeutet zuerst, dass die Bildschirmgröße auf sechs Zoll steigt, gleichzeitig wird die Auflösung reduziert: Bei einem Seitenverhältnis von 2:1 wird eine Bildqualität von 2160 x 1080 Pixeln serviert. Auf diesem Weg will Huawei die Akku-Laufzeit noch einmal steigern, denn der Energiebedarf bei einem 2K-Display steigt den Ausführungen zu Folge deutlich. Dafür verspricht der Hersteller eine sehr gute Farbdarstellung von 112 Prozent des NTSC-Farbraums.

Auch die Robustheit gegenüber äußeren Einflüssen steigt. Während man sich beim einfachen Mate 10 mit einer IP53-Zertifizierung begnügt, wird bei der Pro-Version auf den IP67-Standard gesetzt.

Mate X

Huawei hat sich stets einen kleinen Seitenhieb auf Apple herausgenommen, getreu dem Motto, was die können, können wir schon lange. Ein Beispiel dafür ist nicht nur das HiSilicon-Kirin-970-SoC, das wie das Apple A11 Bionic ebenfalls mit einer speziell für KI-Operationen gedachten Einheit namens NPU bedacht wird. Mit dem Huawei Mate X nimmt der Hersteller ungeniert Bezug aufs iPhone X. Es handelt sich jedoch nicht um eine völlig eigenständige Version, vielmehr wird die Hardware in einem von Porsche Design aufgehübschten Gehäuse untergebracht.  

Bis zu 1,2 Gb/s im LTE-Netz

Auch die weiteren Komponenten sind bei allen Modellen gleich, dies gilt für den Akku, der durch die Bank weg eine Kapazität von 4000 mAh bereitstellt und für Laufzeiten von bis zu zwei Tagen bei normaler Nutzung sorgen soll.

Herausstechen soll daneben das LTE-Modem, das als aktuell schnellstes bezeichnet wird und nicht nur dank seiner 4x4-MU-MIMO-Technologie eine Downloadgeschwindigkeit von bis zu 1,2 Gb/s leistet. Allerdings bringt die auch als 4,5G bezeichnetet Technologie im Alltag wenig. Lediglich Vodafone kann mit derartigen Geschwindigkeiten umgehen, und das derzeit auch nur in Düsseldorf - und vermutlich nur dann, wenn der Wind richtig steht.

Software Android 8 und viele zusätzliche Funktionen

Bei einem echten Flaggschiff kann der Nutzer natürlich auch die aktuellste Version des Betriebssystems erwarten. In diesem Fall ist das Android 8.0 Oreo, das einmal mehr von einer neuen Emotion-Oberfläche 8.0 begleitet wird, die eine Reihe von zusätzlichen Funktionen mitbringt, und das nicht nur bei der Foto-Software.

Am spektakulärsten ist sicherlich der PC-Modus, mit dem das Smartphone mit Hilfe eines USB-Kabels an einen Bildschirm angeschlossen werden kann und dort eine eigene Desktop-Oberfläche präsentiert.

Der Speicher macht den Unterschied

Zu einem wesentlichen Unterscheidungsmerkmal wird die Speicherausstattung. Die kleinste Variante dieser Mini-Serie verfügt über einen vier Gigabyte großen RAM und einen 64 Gigabyte großen Datenspeicher. Beim Mate 10 Pro wächst der Arbeitsspeicher auch sechs Gigabyte, der Datenspeicher bietet ein Volumen von 128 Gigabyte, während bei der von Porsche Design gestalteten Version der Datenspeicher noch einmal auf nun 256 Gigabyte verdoppelt wird.

Dementsprechend gestalten sich die Preise für die drei Mate-10-Modelle: Die Basisversion wird bereits für 699 Euro zu haben sein - eine kleine Kampfansage an Apple und Samsung, aber auch an kleinere Hersteller wie LG und HTC. Die Pro-Version kostet 799 Euro, der Porsche-Schliff ist schließlich für 1395 Euro zu haben. Alle drei Smartphones bzw. Phablets sollen im November zu den Händlern kommen.

Huawei Mate 10 Lite

Außerdem wird der Hersteller neben den seinen eigentlichen Flaggschiffen, auch eine Version für wenig Geld auf den Markt bringen, die - erwartungsgemäß - als Huawei Mate 10 Lite angeboten und mit einer schwächeren Hardware bestückt wird. Dem 5,9 Zoll großen IPS-Bildschirm im 2:1-Format merkt man das auf der ersten Blick nicht an, leider verrät der Hersteller die Auflösung noch nicht.

Dahinter wird ein Kirin 659 verbaut, der acht Cortex-A53-Kerne in zwei Clustern gruppiert, die mit 2,36 GHz und 1,7 GHz getaktet werden. Ihm steht ein mit vier Gigabyte immer groß dimensionierter RAM zur Seite, gleiches gilt für den Datenspeicher mit einer Kapazität von 64 Gigabyte. Allerdings hätte die darauf installierte Software - Android 7.0 und die EMUI-Oberfläche 5.1 - durchaus aktueller sein dürfen.

Begeistern will Huawei allem Anschein mit der Kameraausstattung, denn sowohl an Front als auch am Heck sitzen Dualkameras, die Bilder hinten mit 16 und zwei Megapixeln und vorn mit 13 und zwei Megapixeln auflösen. Auch hier wird die Verfügbarkeit für November angekündigt. Der Preis soll 399 Euro betragen.

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4 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • pmodin
    ...bei solchen Preisen von "Kampfansage" zu sprechen ist irgendwie daneben.

    Archos hat das gemacht aber bestimmt nicht Huawei, das sind nicht mehr als Traumvorstellungen vom Hersteller und das in dem Artikel noch zu betonen ist für mich nicht nachvollziehbar.
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  • bigreval
    Bis es bei uns in der BRD halbwegs flächendeckend diese 4,5G oder 5G gibt, sind wir fünf bis zehn Generationen weiter.... Leider!!!
    Ach ja, vlt. sind ja dann auch Tarife da, wo man sein Volumen länger als eine Stunde nutzen kann, bei der Geschwindigkeit...
    Und gegen die Handys auf den Abbildungen, ne Danke, da behalte ich lieber mein Note 8.... Trotz KI-Chip... Bzw. fehlendem...
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  • Michalito
    Gähn, jede Menge Scheininovationen und bessere Kameras. Das ist das was man bekommt wenn man 500€+ für ein Mobiltelefon ausgibt, im Vergleich zu 2013/2014.
    Ich bleibe derweil bei meinem Mobiletelefon mit Q 800er und bin zufrieden. Gehe ich von der gesparten Kohle lieber lecker Essen, und Kaufe mir den Jahrespass meiner Liblingstherme.
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