Kaufberatung und Vergleichstest Mini-PC, Stand Februar 2017

Gigabyte Brix BSi5HA-6300

Mit dem Brix liegt uns der mit Abstand leistungsstärkste Mini-PC der bisherigen Testreihe vor. Allerdings erfordert der verbaute i5-Prozessor mit 15 Watt TDP auch eine aktive Kühlung. Daraus ergibt sich quasi eine neue Klasse, die nur bedingt mit den anderen Geräten vergleichbar ist.

Dennoch ist ein solcher Vergleich natürlich interessant - und letztlich muss jeder User für sich entscheiden, wieviel Leistung er benötigt und ob die Geräuschkulisse eines Lüfters dabei akzeptabel ist.


Aufbau und Anschlüsse

Danke der beinahe quadratischen Form mit abgerundeten Ecken und der Verteilung der Anschlüsse sieht das Gerät von vorne und oben sehr aufgeräumt aus. Auf der Oberseite befindet sich neben dem auffälligen Gigabyte-Schriftzug nur der dreieckig gehaltene Ein-/Ausschalter.

Auf der Vorderseite finden wir gerade einmal einen einzelnen Headset-Anschluss (normale PC-Headsets mit zwei Klinkensteckern sind also tabu) und zwei USB-3.1-Anschlüsse - einer davon im modernen Typ-C-Design. 

Das Gros der Anschlüsse befindet sich auf der Rückseite - was einerseits gut aussieht, aber andererseits den Anschluss externer Geräte erschwert. Dort finden wir neben dem Stromanschluss und dem Kensington-Lock zum Beispiel die zwei Bildschirmanschlüsse: 1x Mini DisplayPort 1.2 und 1x HDMI 1.4a. 4K-Unterstützung beschränkt sich also auf DisplayPort-Geräte; Besitzer von reinen HDMI-4K-Fernsehern gucken also in die (30-Hertz-)Röhre.

An der Rückseite befindet sich auch der obligatorische (und einzige) Ethernet-Gigabit-Anschluss. Zu guter Letzt sind dort noch zwei "normale" USB-3.0-Anschlüsse verbaut, sodass insgesamt vier USB-Anschlüsse zur Verfügung stehen, von denen einer ein Typ-C ist. Das ist zwar zukunftssicher, aber im Gegenzug bleiben damit nur drei herkömmliche USB-Anschlüsse übrig, von denen eventuell schon zwei Stück durch Maus und Tastatur belegt sind. Hier wären zusätzliche Anschlüsse definitiv von Vorteil. Alternativ muss man auf einen externen Hub zurückgreifen.

Die beiden Seitenteile dienen größtenteils der Zuführung von kühler Frischluft für den Kühler.

  

Energieaufnahme und Leistung

Verglichen mit den bisher getesteten Mini-PCs ist der Brix die reinste Rennmaschine. Dies wird allerdings auch durch eine CPU mit entsprechendem Energieprofil und damit einhergehend mit einem aktiven Lüfterkonzept erkauft. Die verbaute Dual-Core-CPU - ein Core i5-6300U aus Intels Skylake-Generation - hat bei einer TDP von 15 Watt einen Basis- und Boost-Takt von 2,4 bzw. 3,0 GHz und damit deutlich mehr Reserven als Konkurrenten mit einer TDP im einstelligen Wattbereich.

Die Leistungsaufnahme des gesamten Systems liegt im Leerlauf bei 9,2 Watt und im Stresstest (Prime95) bei 37 Watt.  

Datenträger

Da dies ein Barebone-System ist, hängt die Leistung in erster Linie von der vom Anwender ausgewählten und installierten SSD ab. Grenzen sind dabei nur durch den SATA-3-Anschluss gesetzt - was aber absolut üblich ist. In unserem Testsystem war eine Samsung SSD 750 Evo mit "nur" 128 Gigabyte Speicherplatz verbaut. Diese liefert dank SLC-Emulation die bisher besten Testergebnisse unter allen Kandidaten ab.

Trotz identischer SSD weichen die Ergebnisse insbesondere in den 4K-Testläufen spürbar von denen des Shuttle Slim ab - der Brix erreicht bei allen vier Tests bessere Werte. Bei den zufälligen Zugriffen verzeichnen wir sogar rund 50 Prozent höhere Werte beim Lesen und 20 Prozent höhere Werte beim Schreiben.

  

Temperatur und Lautstärke

Als erstes Testgerät unserer Testreihe liegt uns hier ein Gerät mit aktiver Lüftung vor. Überraschenderweise läuft der Lüfter auch im Idle - es gibt also ständig eine gewisse Geräuschkulisse und wer auf perfekte Ruhe steht wird also eher zu einem anderen Gerät greifen wollen.

In unserem Testbetrieb drehte der Lüfter stets zwischen 2500 U/min (Idle und geringe Last) und 5300 U/min bei Volllast (Prime95). Im unteren Drehzahlbereich ist der Lüfter leise zu hören, bei der maximal erlebten Drehzahl erhöht sich die Lautstärke in den gut hörbaren Bereich.

Wirklich aufdringlich wird die Geräuschkulisse allerdings nie: Das Lüftergeräusch ist zwar stets als Rauschen zu vernehmen, unangenehme Pfeifgeräusche waren aber nicht zu vernehmen.

Die aggressive Lüftereinstellung hat aber auch ihre Sonnenseite. Selbst unter Volllast wurde die CPU nie heißer als äußerst moderate 60 °C - kühler als viele andere Mini-PCs. Das Gehäuse hingegen erwärmte sich nur sehr dezent. Dies liegt auch daran, dass gleich drei Seiten des Gehäuses Lüftungslöcher zieren und so die Wärme optimal abgeführt werden kann.

Konfiguration

Dank des Barebone-Konzepts können zentrale Komponenten nach individuellen Wunsch selbst ausgewählt werden. SSD- und RAM-Steckplätze befinden sich zwar im Innern des Gerätes, allerdings lässt sich der Boden des Geräts leicht mit vier Schrauben öffnen.

Es können laut Gigabyte maximal zwei 16 Gigabyte große DDR4-SO-DIMMs verbaut werden; die Maximalbestückung beträgt also 32 Gigabyte. Zusätzlich lässt sich so auch das WLAN- und Bluetooth-Modul (in PCIe M.2-Form) austauschen.

Für Datenträger stehen ein SATA3-Anschluss und ein zusätzlicher (zweiter) M.2-Steckplatz zur Verfügung. Bei Bedarf lassen sich also neben dem Funkmodul auch zwei Laufwerke/SSDs einbauen.

Aber auch abseits des Barebones lässt sich die Konfiguration spürbar durch die Auswahl des exakten Gerätes beeinflussen - hierfür muss man allerdings zuerst durch Gigabytes Nomenklatur durchblicken. Die folgende Tabelle erklärt einige der verwendeten Schlüssel:

Kürzel
Erklärung
i3/i5/i7
verbauter Prozessortyp
6100/6200/6300
Prozessormodell
H
Platz für 2,5"-SSD/HDD
A
DDR4, ASMedia-1142-Chip für USB 3.1/Typ C
L
DDR4, Dual-Gigabit-LAN (Intel i219LM + i210AT)
C
COM-Port (seriell)
T
DDR4, Thunderbolt 3 via Alpine Ridge (USB Typ C)

Unser GB-BSi5HA-6300 ist also ein Brix mit Core i5-6300U (mit 2,4 GHz Basis- und 3,0 GHz Boost-Takt), DDR4-Steckplätzen und SATA3-Anschluss für eine SSD.

Preis und Verfügbarkeit

Das getestete Gerät gibt es laut Preisvergleich für knapp unter 550 Euro. Das ist ein stattlicher Preis, insbesondere weil RAM, SSD und Betriebssystem wegen des Barebone-Konzepts noch fehlen. Verzichtet man auf 100 MHz Takt (bzw. 200 MHz Boost) und wählt die Variante mit Core i5-6200U spart man fast 200 Euro und landet bei 379 Euro (GB-BSi5HA-6200). Greift man stattdessen zur i3-Variante mit 2,3 GHz zahlt man nur noch unter 293 Euro (GB-BSi3HA-6100).

Wer also eher auf den Preis als auf das letzte Quäntchen Leistung guckt, ist mit einem der schwächeren Modelle vermutlich besser bedient. Der Preisunterschied zwischen schnellerem i5 und langsamem i3 beträgt über 250 Euro - und damit fast die Hälfte des Kaufpreises unseres Testgeräts.

Fazit

Selbst in der mittleren Ausstattung mit nur einem DDR4-Riegel und "nur" der i5-CPU ist der Brix ein echtes Monster und dominiert die Benchmarks nach Belieben. Das liegt am hohen Basistakt von 2,4 GHz und dem noch höheren Boost-Takt von drei Gigahertz - hier können die passiv gekühlten Prozessoren der anderen nicht mithalten. Wer es noch schneller oder stattdessen billiger haben will, greift zu alternativen Konfigurationen mit i7-, i3-, langsamerem i5- oder noch sparsamerem Prozessor.

Die hohe Leistung erkauft man mit einem deutlich überdurchschnittlichen Energiebedarf unter Last und einer Aktivkühlung, die stets läuft. Im Idle hingegen ist das Gerät trotz drehenden Lüfters sparsamer als zum Beispiel der Shuttle.

Ein Großteil der Kaufentscheidung hängt also davon ab, wie viel Leistung man braucht bzw. ob einem das Plus an Leistung die (relativ leisen) Lüftergeräusche wert ist. Im Gegenzug kann man sich sicher sein, dass das Gerät durch die gute Kühlung nicht überhitzt oder sich aufgrund der Eigentemperatur durch den Tisch schmort.

Anschlussseitig ist der Brix gut ausgestattet. Insbesondere die Kombination aus HDMI und Mini-DisplayPort und der USB-3.1-Steckplatz im Typ-C-Format stechen hervor. Leider ist die Gesamtzahl der USB-Steckplätze relativ gering, sodass Fans vieler Peripheriegeräte leicht in die Bredouille geraten können. Ebenso vermissen wir jegliche Kartenlesegeräte - hier muss man im Bedarfsfall also einen der wenigen USB-Steckplätze belegen.

Leider fehlt auch HDMI 2.0, sodass 4K in 60 Hertz nur über DisplayPort möglich ist. Das liegt aber nicht an Gigabyte, sondern an Intels Chipsatz. Positiv schlägt hingegen die Nutzung des modernen Bluetooth-4.2-Standards zu Buche.

Durch die hohe Leistungsfähigkeit ist das Gerät vielseitig einsetzbar und als Desktop Replacement prädestiniert. Dank Vesa-Halterung kann es auch an der Rückseite eines Monitors oder Fernsehers angebracht werden.

Dank des rundum gelungenen Pakets und der immensen Leistungsfähigkeit verdient sich der Brix unseren 'Editor Recommended'-Award mit links. Mehr verhindert letztlich nur das Manko der Aktivkühlung.

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19 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • Rurik
    Ich würde empfehlen, die ZBox Nano auf jeden Falls als Barebone zu nehmen. Das Einbauen von RAM und SSD ist echt einfach und man bekommt definitiv mehr fürs Geld. Die ca. 100,- € Aufpreis für die Plus-Variante kann man besser für 8GB Ram und 120GB SSD (oder 4GB und 240GB) verwenden - da hat man glatt doppelt so viel Speicher zum gleichen Preis.
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  • robberlin
    Die ZBOXEN sind einfach super - kann ich mich nur anschließen und wer eh mal nen Notebook aufgerüstet hat,oder im technischen was macht, der hat auch Möglichkeit kleine Festplatte und etwas RAm aufzutreiben um die ZBOX als Barebone zu nehmen.
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  • Tesetilaro
    da fehlt mir ein brix im vergleich, die gibts sogar mit beamer :D
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  • robberlin
    Zitat:
    da fehlt mir ein brix im vergleich, die gibts sogar mit beamer :D


    Seit wann und wo?

    Ich hab die ZBOX EI-730 - steiles Teil - der direkte Konkurrent vom Brix PRO. natürlich größer aber selbst unter Vollast hinterm Fernseher kaum hörbar und bessere Ausstattung (2 mal LAN, optischer Out)
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  • Tesetilaro
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  • robberlin
    haha wie cool - 0,6L ist natürlich nur für mini Bildformat aber trotzdem ganz nett ^^
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  • Atrocity
    Irgendwie fehlen mir in dem Test die "NUCs" von Intel. Sau geile Teile, leise & klein.
    Außerdem bekommt man die je nach Anforderung mit dem passenden Prozessor.
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  • thorax
    Ich vermisse in den Tests die in meinen Augen sehr leistungsfähigen Intel NUC Mini-PCs. Gibt es mit diverser Ausstattung und mir gefällt auch das Preis-Leistung Verhältnis. Auch der Treiber-Support und das sehr freundliche Forum hat mich überzeugt. Bin jedenfalls sehr zufrieden.
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  • Tesetilaro
    wie haben sich bei den NUCs die Lüfter entwickelt, die erste generation war mit durch ein fieses lüftergeräusch in Erinnerung geblieben, haben die das inzwischen im Griff?
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  • thorax
    Anonymous sagte:
    wie haben sich bei den NUCs die Lüfter entwickelt, die erste generation war mit durch ein fieses lüftergeräusch in Erinnerung geblieben, haben die das inzwischen im Griff?

    Wie es früher war kann ich nicht beurteilen, meine 3 NUCs sind alle nicht älter als 2 Jahre. Bislang hatte ich keine Probleme mit dem Lüfter bez. Lüftergeräusch.
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  • Tesetilaro
    ich kenne halt nur früher und das pfeiffgeräusch unter last war die hölle - ich gestehe auch gerne zu da´es erste generation war und ich empfindlich bin, sowie das gerät ne montagskiste - aber danach war ich von kleinen lüftern erst mal ne ganze weile geheilt *g*
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  • KalleWirsch
    Mir sind die CPUs der vorgestellten MiniPc zu schwachbrüstig. Der ecs liva core ist der Einzige ohne total kastrrierte CPU. Unter einen i5 5x00 würde ich ehrlich gesagt nix kaufen. Es gibt auch genug Geräte die so ausgestattet sind.
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  • derGhostrider
    Schöner Vergleich...
    Ich habe allerdings eine Anmerkung zum Artikel:
    Ist das Ernst gemeint, dass man durch die Anschaffung eines z.B. 400 Euro teuren Gerätes SPAREN soll im Vergleich zu einem "nicht mehr aktuellen" PC?
    Ich weiß ja nicht... Man muss sich ja keinen alten Pentium D in den Keller stellen!

    Bevor man sonst Strom-MEHRKOSTEN in Höhe von mindesterns 400 Euro produziert hat, vergeht auch recht viel Zeit...
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  • Tesetilaro
    stimmt - ein grob überschlagenes scenario spart mir 2,80 € im Jahr, wenn ich zumindest einen Teil der nutzung von rechenknecht mit 300 Watt im Mittel auf den mini pc mit max 15 watt verlege - aber genau da wo's drauf ankommt, beim zocken, hilft der mini natürlich nicht ;)

    Auf der anderen seite ist es wirklich ein unterschied ob ich den großen oder den kleinen anmache um emails zu checken *g*
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  • Michalito
    Habe mir grade zwei Mini PC aud dem Reich der Mitte kommen lassen, einmal Z8300 2 GB Ram 32 GB MMC 60€, super und einmal i5 U4250 Barebone mit MSata und 2 mal Sata in Vollalu nicht mehr ganz so winzig mit 17 cm Kantenlänge, aber ich bin begeistert. Das Ding gab es für 170€. Testet sowas doch mal gegen die "etablierten"
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  • Bodo
    @tese: da hast du deinen Ziegelstein - wenn auch ohne Beamer
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  • Bodo
    ups, Brix kommt als nächstes. War kurzzeitig verwirrt
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  • fffcmad
    LoL. Ich habe mir gestern die Zotac ZBox CI-323 ins Haus geholt und eine Securepoint Firewall draus gemacht. Und dann taucht bei euch ein Test zu einem aehnlichen Geraet auf :D Zufaelle gibt's xD

    Bzw. wurde der Artikel angezeigt...
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  • gst
    Yop, jibbet. ;) Der Artikel bekam halt ein Update (neues Produkt, der Gigabyte Brix) und wird dann auch wieder nach vorn geholt.
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